Verdelli, gezz hattet mich auch erreicht: das schlechte Gewissen.
Und das kam so: ich stand bei Aldi vor den Suppenkonservendosen, weil mein Vorrat an Erbsen- und Linsensuppen daheim zur Neige ging. Ich mag Erbsen- und Linsensuppe für mein Leben gern. Natürlich bevorzuge ich beides frisch gekocht, doch, wenn es einmal schnell gehen soll, darf es auch der blechumhüllte Eintopf sein.
Doch haben Hülsenfrüchte es ja an sich, nach dem Verzehr zu wirken: sie machen satt, zufrieden, und… na ja, (*hüstel*) sie verschaffen Winde. Genauer: Darmwinde, um das Wort Furz zu vermeiden.
Nun habe ich neulich gelesen, dass genau diese Darmwinde sehr viel Methan enthalten sollen, und das sei ein 25 Mal stärkeres Treibhausgas als CO2.
Für die Bundesregierung eigentlich Grund genug, sich vor der Erlassung von Fahrverboten für ältere Diesel dringender mit einem Hülsenfrüchteverzehrverbot zu beschäftigen.
Zurück zu Aldi: auf den Suppendosen fand ich keinen Warnhinweis, wie „Erbsengenuss schadet dem Klima!“ oder „Mit Linsen geht das Klima in die Binsen!“
Trotzdem: irgendwie überkam mich vor dem Suppendosenregal das schlechte Gewissen: denn wenn so ein Darmwind ein 25 mal stärkeres Treibhausgas enthält als dieses CO2 – dann kann ich doch nicht so tun, als ginge mich das nichts an, selbst, wenn ich von meinen Darmwinden den größten Teil klimabewusst und opferbereit selbst wegschnuppern würde!
„NEIN. NEIN. NEIN.“ Immer noch vor dem Suppenregal stehend traf ich eine weitreichende Entscheidung für mein künftiges Leben: ab sofort keine Erbsen, keine Linsen mehr.
Und ich fühlte mich gut, richtig gut – und auf dem Weg in Richtung Kasse lächelte ich in mich hinein, weil niemand der anderen Aldi-Kunden eine Ahnung davon haben konnte, dass ich soeben ihnen, der gesamten Menschheit und dem Weltklima zuliebe einen bedeutenden Entschluss gefasst habe.
Die Ansage: „Liebe Kunden, wir öffnen Kasse drei für Sie!“ galt nicht für mich. Ohne Suppen, aber mit einem guten Gewissen drückte ich mich an der Schlange vor Kasse zwei vorbei.
Die Geschichte ist aber noch nicht zuende.
Nachdem ich zwei Wochen klimabewusst auf Erbsen und Linsen verzichtete, und somit meinen ökologischen Fußabdruck stark verkleinerte, flog ich zum minimalen Ausgleich dafür in Urlaub an das blaue Meer nach Fuerteventura. Klimafreundlich dabei: auf Hin- und Rückflug hatten wir Rückenwind. Sagte der Kapitän. Ischwör.
Nicht weit von meinem Hotel befindet sich der schönste und modernste Supermarkt der gesamten Insel: Mercadona.
Das Warenangebot ist riesig – und ganz besonders viel Wert legt man hier auf Hygiene. Hier liegen keine Gurken oder Salatköpfe so einfach lose und unverpackt in den Regalen, auch nicht der Porree oder der Sellerie, auch Äpfel und alles andere an Obst und Gemüse ist hier ordentlich schützend in Plastikfolien verpackt und sicher eingeschweißt.
Kunden dürfen sich auch gern und reichlich mit zusätzlichen kostenlosen Plastiktüten eindecken, der Hygiene zuliebe.
Auch eigene Einkaufstaschen muss der Kunde auch nicht dabei haben: der gesamte Einkauf wird von Servicekräften rasend schnell und fachgerecht in schöne bunte Plastiktragetaschen eingepackt, ebenfalls ohne Kosten. Toll, was?
Pah! Dieser tolle Kundenservice wird durch eine besondere, fürsorgliche Aufmerksamkeit noch getoppt: im Eingangsbereich dieses wunderbaren Supermarktes auf der Sonneninsel darf man sich gratis an schönen längliche Plastiktüten bedienen: zum Schutze des mitgebrachten Regenschirmes (siehe Foto).
Tja, und wer nun glaubt, dieser Plastik-Meerwegverpackungs-Supermarkt habe kein Gewissen oder noch nie etwas von Klimaschutz gehört, der liegt falsch, denn diese Umweltschutz-Plakate zieren den Eingang und finden sich im Inneren des Supermercados wieder:

„2a semana conta el desperdicio“
„Zweite Woche gegen Müll“
„Está en tu mono. Reduce el uso del plástico“
„Es liegt in Deinen Händen: Reduziere den Gebrauch von Plastik“
Und das Ende der Geschichte geht so:
Nach Rückkehr aus dem Urlaub bin ich dann erst einmal wieder zu Aldi und hatte ganz schön zu schleppen: zwei Dosen Erbsen- und zwei Dosen Linsensuppe wiegen ja auch was.
Und das schlechte Gewissen? Tja, das ist irgendwie verduftet.
Bis die Tage!
Lo
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