Ich steh´ auffem Schlauch.

Verdelli, datt ich mich mal an sonnem Glücksspiel beteilige,
hätte ich auch nie gedacht.
Und erst recht nich, datt dat bei mir zur Regelmässigkeit wird.
Nee, sowat wär mir nie in´n Sinn gekommen.
Aber gezz mach ich dat. Immer – und immer wieder.

Und nich, datt ich süchtich bin. Bin nich nich. Ischwör!
Aber ich kann damit nich aufhören.
Wat happich schon allet versucht, et ganz sein zu lassen. Aber et is nich möchlich.
Ich brauch dat. Und ich brauch auch diesen Stoff.
Und dat wissen die Dealer. Und nutzen et aus, machen mit mir, wat se wollen.

Spielen mit mir Katz und Maus, drehen den ganzen Tach den Zeiger an ihrem Glücksrad, auf dem die Preise für den begehrten Stoff aufgemalt sind, und lachen sich kaputt über mich, weil ich nie weiss, wann ich am günstichsten zuschlagen kann, um an mein flüssiget Gold zu kommen.

Wie neulich, morgens, kurz nach neun. Ich komm anner Tankstelle vorbei, zeicht die Preistafel einen Literpreis für Super von € 1,72 .
Hömma! Drei Stunden später is die teure Suppe schon für € 1,61 Euro zu kriegen.

Egal: am Namittach, kurz nach Drei verticken se den Liter für € 1,66.
Und am Abend um Acht, wenn allet am Tagesschau gucken is, krisse die Pampe, wie vonne Resterampe für schlappe € 1,58 Euro.

Dat sind allein bei ´ner Tankfüllung von fuffzich Liter ganze sieben Euro Unterschied zwischen Morgens und Abends für ein und dieselbe Ware. Da stimmt doch wat nich!

Hömma! Sowatt gibbtet noch nichmal bei Aldi! Und dat hat auch nix mit Handel oder mitte längst verschüttete alte Tugend vom ehrbaren Kaufmann zu tun: dat is entweder Glücksspiel, oder se wollen Dich vonne Tagesschau weglocken, damitte nich schlau wirst!

Ich tippe mal auf Glückspiel, denn sonne Tanksäule, die unterscheidet sich doch in nix von einem Glücksspielautomat, weil et doch oft so is, datt gerade in dem Moment, wo Du auffe Tanstelle fährst, der Preis wieder hochgegangen is, und Du et erst beim Bezahlen merkst. Dat is Glückspiel.

Ich hab mal die olle Tante Gugel befragt, die weiss ja allet. Und da steht:

Die Bundesregierung hat sich darauf verständigt, zu unterscheiden, ob eine Glücksspielart ein hohes oder ein niedriges Suchtpotenzial aufweist und sie entsprechend als legal oder als illegal einzustufen. Bei Glücksspielautomaten besteht nach Auffassung der Bundesregierung ein erhöhtes Suchtrisiko.“
Und dat, so steht da weiter, „führt zu Reizbarkeit oder finanzielle Schwierigkeiten, so datt man sich bei Freunden oder Familie Geld leiht, Vernachlässigung des Umfelds und Stimmungsschwankungen.“

Ja, und gezz bin ich auch mit meiner Stimmung am Schwanken, denn – wenn die Bundesregierung dat Benzin-Preisroulette als Glücksspiel anerkennen würde, wär dat auch doof. Denn die würden doch sofort auf den Sprit auch noch die Glücksspielsteuer draufzuhauen. Mist!

Na Tankeschön! Gezz weiss ich auch nich mehr weiter!
Ich steh´auffem Schlauch.

Bissi Tage!
Signatur Lo von Kohlenspott

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Bilder aus Kohlenstaub mit Gedichten aus der Tiefe. Ein Buch.

Vor einigen Jahren stand ich in der Mülheimer Wolfsburg , in der es immer wieder wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zu betrachten gibt, erstmalig vor Bildern, die „mit Kohlenstaub gemalt“ waren. Landschaften, Schatten, Wesen, Stimmungen – von zartem Grau bis Schwarz: beeindruckend.

Irgendwann vergaß ich diese Bilder, bis ich in diesem Jahr auf den Blog der Künstlerin Marlies Blauth stieß, auf dem ich ähnliche Landschaftsbilder aus Kohlenstaub wiederfand und durch gegenseitiges Kommentieren erfuhr, dass es aktuell ein druckfrisches Buch von ihr gibt – mit Kohlenstaub-Bildern, begleitet von zarten wie kraftvollen Gedichten, die die Menschen und Landschaften aus der Zeit des Ruhrgebiets ihrer Kindheit, aber auch Gegenwart und Sehnsucht – ohne zu verklären – zum Inhalt haben. Erinnerungen, wie diese:

Das Büdchen
liegt am Weg
zwischen Zauberwelt und Alltäglichkeit –
Na, Ihr Ströppkes? lacht der Mann
der zwei Flaschen Export kauft
und, ach, noch ´ne Dose Sauerkraut dazu
während wir beraten:
dreißig Pfennige … lieber ein Wassereis
und zwei Nappos
oder eine gemischte Tüte
in der zum Schluss immer
ein Himbeergelee kleben bleibt
mit Papiergeschmack –

Solche Gedichte machen Bilder: Nappo! Klar, das war doch dieser kleine rautenförmige Nougatblock, der zäh an den Zähnen kleben blieb. Ob es den noch gibt? Erinnerungen…

In einem anderen Gedicht finden sich Kaninchenstall, Zinkbadewanne und Wirsing wieder. Und schon bin an Gerüche aus längst vergangener Zeit erinnert.

Und Kohlenstaub? Der Keller meiner Kindheit war schwarz davon, auch die Wohnung, die mit Kohle beheizt wurde. Irgendwo war immer Kohlenstaub. Dass einmal jemand damit stimmungsvolle Bilder malt, darauf wären wir nicht im Traum gekommen, obwohl – mit unseren schwarzen Kinderhänden nach dem Stapeln von Briketts haben wir sicher so manche Wand beschmiert. Unsere Gesichter sowieso. Vielleicht sogar kunstvoll. Hat damals nur niemand als solche erkannt. Und schon denke ich an Bergmannseife…

Marlies Blauth ist mit ihrem Kohlenstaub-Bilder-Gedichte-Buch eine schöne Mischung gelungen: etwas zum Hinschauen, zum Interpretieren, zum Nachdenken, zum Erinnern, zum In-dieHand-nehmen.

ISBN: 3745511026 /EAN: 9783745511024
Gedichte und Zeichnungen. Mit 43 farbigen Abbildungen.
21,1cm x 25,3cm x 1,2cm € 24,50
Athena-Verlag Oberhausen / September 2021 – kartoniert – 100 Seiten

Das Rezensionsexemplar wurde mir von der Autorin Marlies Blauth zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung hat es nicht beeinflusst.

Fotos: Lothar Lange

Marlies Blauth
Künstlerin und Autorin, wurde 1957 in Dortmund geboren, wo sie auch ihre Kindheit und Jugend verbrachte.
Nach ihrem Studium (Kunst und Biologie für das Lehramt, Kommunikationsdesign mit Diplomabschluss) war sie über viele Jahre Lehrbeauftragte an der Universität Wuppertal, bis heute ist sie als Bildende Künstlerin tätig. Seit 1988 zeigt sie ihre Arbeiten in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen, vorwiegend im Raum Nordrhein-Westfalen (Galerien, Museen, Kirchen). Ihr experimentelles Werk ist zwischen Malerei und Grafik angesiedelt; soweit technisch möglich, verbindet sie beinahe alles mit allem (beispielsweise Linoldruck mit Malerei oder Fotografie mit Zeichnung). Mit ihren Kohlenstaub-Bildern hat sie sich von teilweise komplizierten Verfahren eine Zeit lang verabschiedet, indem sie – fast spartanisch- ein so alltägliches wie vergessenes Material künstlerisch einsetzt. Immer wieder arbeitet sie daran, eine neue oder zumindest noch wenig bekannte Ästhetikzu entwickeln.
Seit 2006 veröffentlicht sie gleichzeitig literarische Texte, vor allem Lyrik. Ihre Texte sind in vielen Anthologien zu finden, beispielsweise in bisher zehn Versnetze-Ausgaben. 2015 erschien ihr erster Gedichtband „zarte takte“ (Nord Park Verlag Wuppertal), 2017 ihr zweiter „Dornröschenhaus“ (AthenaVerlag Oberhausen), sowie 2021 „Bilder aus Kohlenstaub“ Gedichte & Zeichnungen (ebenfalls Athena Verlag Oberhausen)
Sie ist Mitglied bei verschiedenen künstlerischen und literarischen Verbänden, so etwa der GEDOK,dem VS und dem LiteraturRaum Dortmund-Ruhr.
Marlies Blauth lebt seit einigen Jahren in Meerbusch bei Düsseldorf.
Blog: www.kunst-marlies-blauth.blogspot.com

Das ist mir wichtig: wenn ich hier hin und wieder ein Buch beschreibe, das mir gefällt, so geschieht dieses stes ohne wirtschaftliches Interesse meinerseits, ohne Beeinflussung meiner Meinung und grundsätzlich ohne Gegenleistung, ausser vielleicht, dass die Freude der Autoren/ der Autorin/nen darüber mein ach so altes Herz erfreut. Alles klar?

Bissi Tage! 🙂
Lo.

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Die Schwarzfüße – Sommer 1946 Ruhrgebiet – ein Jugendbuch für Große.

Verdelli – ich, dessen Kindheit doch schon sehr weit zurückliegt, hätte nicht gedacht, dass mich die Geschichte eines Jugendbuches derart gefangen nimmt, dass ich mich nach dem Lesen der letzten Seite so fühle, wie nach einem Kinobesuch: von der Handlung betäubt und berührt zugleich.
Im Kino bleibe ich bei Filmen, die mich beeindruckt haben, gern noch so lange still auf meinem Platz, bis der komplette Abspann durchgelaufen ist und der Vorhang sich geschlossen hat.

Hier ist es ein Buch, das mich nach dem Lesen noch eine Weile stillsein ließ.
Ein Jugendbuch. „Die Schwarzfüße“ von Jo Pestum

Ein Jugendbuch?
Ja – und zwar eines, das vermutlich für uns „Große“ geschrieben wurde. Für uns, die als Kinder im zerstörten Nachkriegs-Ruhrgebiet aufwuchsen, zwischen Indianerspielen, Trümmern und Kohldampf.

Es handelt von sechs Jungen, die 1946 in den Trümmern des Ruhrgebietes einen Indianerstamm „Die Schwarzfüße“ gründen, von Mutproben, wie dem Sprung von der Karnaper Kanalbrücke, vom Klauen einer Schreibmaschine in der Druckerei Giradet, vom Steinekloppen für ein Fahrrad oder dem Kohlenklauen für etwas Milchpulver und Fischkonserven. Vom ewigen Kohldampf, von Hamsterfahrten, dem Kampf gegen die wilden Jungs der Ulmenhofbanditen aus der Nachbarschaft, vom Schwungbein-Erwin mit der Quetschkommode, von Kriegsheimkehrern, Schwarzmarkt und dem ersten Schwärmen für ein mandeläugiges Mädchen mit X-Beinen.

„Vieles in dieser Geschichte, die im Sommer 1946 handelt, ist erfunden, vieles hat sich wirklich so zugetragen. Die Schwarzfüße, die schöne X-Bein-Gemme, den Schieber Fettauge Marqurdt, den dünnen Heimkehrer Käse-Rudi: die hat es tatsächlich gegeben. (…) In der Erinnerung an die Abenteurer aus jenen wilden Tagen widme ich dieses Buch den Abenteurern von heute – in der Hoffnung, dass es sie gibt…“,

… schrieb Jo Pestum in seinem Vorwort dieses wunderbaren Romans. Jo Pestum, geboren 1936 in Essen, verstarb 2020

Jo Pestum
Die Schwarzfüße
Mit einem Nachwort von Dirk Hallenberger
192 Seiten · gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
14,90 € · ISBN 978-3-948566-10-4
Erschienen September 2021

Hier oder im Buchhandel erhältlich:
Verlag Henselowsky Boschmann – Bücher vonne Ruhr

Ein wunderbares Buch „vonne Ruhr“, so lebendig und authentisch geschrieben, dass mir beim Lesen viele Bilder und Begebenheiten aus meiner Kindheit wieder präsent wurden.
Schöner als Kino.
Meine aufrichtige Empfehlung.

Bissi Tage – man liest sich.
Lo.


Das ist mir wichtig: wenn ich hier hin und wieder über ein Buch schreibe, das mir gefällt, so geschieht dieses stes ohne wirtschaftliches Interesse meinerseits, ohne Beeinflussung meiner Meinung und grundsätzlich ohne Gegenleistung, ausser vielleicht, dass die Freude der Autoren/ der Autorin/nen darüber mein ach so altes Herz erfreut. Dat isso!   🙂

 

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Wann küsst sie mich endlich?

Für den Fall, dass mich die Muse einmal plötzlich überfällt und mich küsst, bin ich allerbestens vorbereitet:
auf meiner Staffelei wartet eine weiße Leinwand schon seit längerer Zeit auf diesen amourös-leidenschaftlichen Augenblick, Pinsel und die Farben liegen griff- und mischbereit daneben.
Doch Frau Muse ziert sich.

In der Zwischenzeit malt mir die Sonne immer wieder etwas aufs weiße Tuch.
Heute sogar etwas, passend zum frühen Spekulatius-Angebot, vorweihnachtliches.

So, Frau Muse – wat ist nu mit Küssen?
Ich wär‘ soweit…

Lo

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Wie gemein…

Wie gemein!

Da macht eine Truppe den kleinsten und lustigsten Kerl von ihnen zum Häuptling, schickt ihn mit der schmeichelnden Verlockung, ein ganz großer König werden zu können, ganz nach vorn an die Front, um da draussen in der bösen Welt für sie zu kämpfen, und nun, wo er den Kampf verliert, wenden sie sich von ihm ab, und lassen ihn allein.

Und gezz hat ihn keiner mehr richtig lieb.


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Von Trichinenstempel und Schlappen anner Backe

Schön, wieder aussem Süden im heimischen Schlach angekommen zu sein.
Obwohl ich ja an einem der wunderschönsten Strände Urlaub machte, happich mich da ein bissken unwohl gefühlt, weil ich einer von den ganz Wenigen war, die noch keine bunten Trichinenstempel auffem Körper vorweisen konnten.
Manche schleppten ganze Bilderbücher auf ihrer Haut mit sich rum: Anker, Totenköppe, Chinesische Zeichen – vielleicht vonner Speisekarte beim Chinamann abgeschrieben, Sterne, Drachen und anderet grässlichet Gedöns.
Und ich? Verdelli – ich hab noch nich mal ´ne Blinddarmnarbe für zum Angeben.
Na gut, man muss ja nich jede Mode mitmachen.

Dat mit der Mode is ja auch ein bissken verrückt.
Angenommen, ich färbe mir meine Ohren knallgelb und geh´ damit auffe Straße.
Da würde man mich doch für bekloppt halten. Machen et aber dann viele, dann ist dat ein möglicher Trend, und wenn dann fast alle mit gelben Ohren rumlaufen würden, dann wäre dat eben Mode.
Gut, besser gelbe Ohren, als so´n ewigen Trichinenstempel, der is ja wirklich wat für´t ganze Leben.

Da is ja so´ne kaputte Designer-Buxe richtich harmlos dagegen.
Wenn die nich mehr modern is, kannze immer noch die Omma fragen, ob se Dir die teuren Löcher mit Nadel und Faden wieder „entpimpt“, also zustoppt. Dann kannze die noch immer als normale Buxe ´ne zeitlang im Garten oder für im Keller rumschleppen.
So´n Trichinenstempel, den hasse für immer anne Backe.

Apropos Backe: ich hab dat Gefühl, da kommt wat ganz Neuet auf uns zu:
Ich sach nur: Schlappen anner Backe!

Man is ja schon Hängearsch-Buxen gewohnt, auch, datt Sonnenbrillen oben auffem Kopp und Käppis falsch rum getragen werden und Turnschuhe nur dann wat gelten, wenn se so aussehen, als ob man damit inne fette Sahnetorte getreten is.

Aber das Neueste ist: man trägt gezz Badeschlappen anner Backe!
Hier: die freundliche Schlappentrulla aussem aktuellen Diskonterprospekt macht et vor:

DEIN NEUER STYLE!
SCHLAPPEN ANNER BACKE!
Ich denke mal, dat wird nich lange dauern, dann kann man mit sonnem Backen-Schlappen auch telefonieren und Fotos machen.
Oder et gibt dann ganz teure Edel-Schlappen mit Glitzersteine von Schmarotzky.
Ist nur nich so gut für die Gesichtshaut, weil die Steine anne Backen kratzen.
Gut, dat heilt auch wieder ab.
Immer noch besser, als diese Trichinenstempel.

Ich lach mich schlapp!

Bissi Tage!

Signatur Lo von Kohlenspott

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Der alte Mann und das Meer…

Der Himmel strahlt hell, dazwischen einige Wolken, das Meer beschenkt mich mit seinem wunderschönsten Farbenspiel von tiefblau am Horizont bis türkisleuchtend, dazu der hellgelbe Sand und ein sanft streichend bis stark wehender Wind und das immerwährende Rauschen der am Strand aufschlagenden, ausrollenden Wellen.

Gibt es einen besseren Platz, endlich den Roman dabei zu haben, den ich mir immer schon zum Lesen vornahm?

Der alte Mann und das Meer….. von Ernest Hemingway

Die rührende Geschichte des alten kubanischen Fischers Santiago, der mit einem riesigen Marlin ringt, mit ihm spricht, wie mit einem Bruder, diesen Kampf zugleich gewinnt und verliert.

So detailreich und wunderschön geschrieben. Während des Lesens zogen zwischendurch immer ein paar dunkle Wolken übers Meer, der Wind wurde stärker, die Brandung lauter, am Ende der Geschichte strahlte die Sonne wieder, die Wolken waren weg, der tiefblaue Horizont, das Türkis des Meeres wieder da – und ich war berührt und noch ganz betäubt von dem, was ich gelesen hatte.

Gibt es einen idealeren Platz?

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Es gibt sie noch…

…diese alten Münzfernsprecher, mit denen man für wenige Peseten kurz zu Hause anrufen konnte, um mitzuteilen, dass man gut angekommen, und das Wetter traumhaft schön ist.

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Der allerschönste Satz mit vier Worten….

Wenn man gefragt wird, was wohl der schönste Satz mit drei Worten ist, denkt man sicher zuerst an „Ich liebe Dich“.  Dieses wunderbare Gefühlsgeständnis lässt den so angesprochenen Menschen hüpfen, tanzen und glücklich sein.
Ein Satz, den vermutlich Männer sehr gern hören, lautet: „Essen ist fertig“.

Es gibt einen Satz mit vier Worten, den ich besonders gerne höre:
„Sie dürfen jetzt spülen…“.

Gestern mittag vernahm ich ihn wieder – und ich war ausgesprochen glücklich und erleichtert.
Mit Elan hüpfte ich vom Marterstuhl…., alles überstanden.

La vie est belle

 

Bissi Tage!

Signatur Lo von Kohlenspott

 

 Wussten Sie schon? Gebisse sind Zähne mit beschränkter Haftung.
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Beckfelds Briefe: ein sehr persönlicher Brief an mich.

Heute fühle ich mich geadelt, denn ich habe heute einen Brief bekommen.

Wer mich privat kennt, weiß, dass ich Briefe oder Karten am liebsten mit der Hand schreibe. Ich mag es, Gedanken oder gute Wünsche an meine Adressaten gern schwungvoll mit feinem Stift – sozusagen vom Hirn in die Hand – aufs ebenso feine Papier zu bringen. Ich mag Briefeschreiben – und natürlich auch, welche zu bekommen. Besonders, wenn sie sehr persönlich verfasst sind, und ich mich beim Lesen wirklich angesprochen fühle.
So, wie heute.
Denn Hermann Beckfeld hat mir einen sehr persönlichen Brief geschrieben.
In der heutigen Samstagsausgabe der Ruhr-Nachrichten

Seit April 2012 schreibt Hermann Beckfeld, ehemals Chefredakteur der Ruhr Nachrichten, jeden Samstag offene Briefe: oft an Prominente, aber auch an Menschen, die etwas ganz Besonderes erlebt oder Großartiges geleistet haben.
Es sind wunderbare, sehr persönliche Briefe, so dicht beim Adressaten, dass man beim Lesen merkt: Hermann Beckfeld mag Menschen wirklich, zit.: „Ich mag die Nähe zu Lesern, zu Zuhörern, ich mag die Geschichten hinter der Geschichte, die ich auf Lesungen erzähle: im Pressehaus, in Kneipen und Kirchen, auf Schiffen und in Zügen, natürlich in Buchläden…“
Es wurden mittlerweile hunderte solcher besonderen Briefe, und ein guter Teil davon ist beim Verlag Henselowsky und Boschmann in drei Bänden erschienen.


Und nun die Zeilen, die Hermann Beckfeld mir heute in den Ruhr-Nachrichten widmet:


Brief an Lothar Lange

Ihre Reaktion auf Ihre Kindheit imponiert mir.
23 Jahre lang bringen Sie sich für Kinder- und Jugendliche ein…

Lieber Lothar Lange,
vor mehr als 40 Jahren haben Sie Gelsenkirchen verlassen, leben seitdem in Oberhausen. Doch die Liebe zu Ihrem Geburtsort, zu den Menschen und deren Geschichten zieht Sie immer wieder zurück in Ihre Heimatstadt. Es ist wohl auch die Reise in die eigene Kindheit und Jugend, die Sie so häufig nach Gelsenkirchen führt.
Dabei war Ihr Leben als Kind, das schnell erwachsen werden musste, schwierig. Sie wollen diese Zeit nicht verdrängen, nicht vergessen. Ganz im Gegenteil: Mit Ihrer unbändigen Lust aufs Schreiben, mit der Leichtigkeit der Worte und spürbarem Vergnügen an der persönlichen Geschichte halten Sie die Vergangenheit fest; was Sie anfangs nur für Ihre zwei Kinder aufgeschrieben haben, darf heute jedermann lesen und hören. „Vielleicht“, sagen Sie, „war mein Antrieb dazu, den Erlern zu zeigen, dass aus dem kleinen Lothar doch noch was geworden ist.“
Der kleine Lothar, unehelich geboren, dessen Mutter aus Ostpreußen kommt, eine einfache Frau vom Land mit bräitem Dialekt, eine Fürsorge-Empfängerin, die sich mit Gaststättenputzen etwas dazuverdient. Sie wohnen in Erle, in zwei Dachgeschosszimmern mit Kohleofen, Wasserentnahme im Treppenhaus, einer Toilette auf halber Treppe. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Kleidung, Schuhe, Bettwäsche gibt es nur über Fürsorge-Gutscheine, die im Buerschen Kaufhaus Althoff eingelöst werden. Sie schämen sich für die Armut, die Bedürftigkeit.
Ihre Mutter, die Sie als lebenslustig beschreiben, bleibt sehr oft bis weit nach Mitternacht weg, obwohl sie weiß, dass ihr kleiner Sohn keinen Wohnungsschlüssel besitzt. Häufig sitzen Sie, gerade mal sechs Jahre alt, in einer schützenden Nische hinter der Kinokasse des nahen Erler Wigger-Theaters, warten, dass Mama endlich heimkehrt.
Als Elfjähriger, der aus der Schule kommt, müssen Sie miterleben, wie die Möbel auf einen Lastwagen geladen werde. Zwangsräumung als Konsequenz aus Mietrückständen, Lebenswandel und mangelnder Sauberkeit.
Sie finden eine Bleibe in Gelsenkirchen-Beckhausen, in einer Obdachlosen-Baracke, im Revier-Volksmund Mau Mau genannt. Die Flucht aus dem Milieu ins Bürgerliche macht nur eine Vernunftehe möglich. Ihre Mutter heiratet einen 80-jährigen Witwer, für den sie geputzt hat. Sie sind 12, Ihre Mutter 47 Jahre alt.
Ihre Reaktion auf Ihre Kindheit imponiert mir. 23 Jahre lang bringen Sie sich im Vorstand einer caritativen Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung ein, versuchen, als Lesepate der Stadtbibliothek Oberhausen mit Geschichten den Kindern Spaß am Lesen zu vermitteln.
Nach der kaufmännischen Lehre im Lebensmittel-Einzelhandel schlagen Sie sich durch als Matratzenfabrikarbeiter, Bürogehilfe, Getränkefahrer, Stahlwerksarbeiter, als „Platten-Jockey“, später auch als Schauspieler bei „Preziosa 1883“, einem der ältesten Amateurtheater in NRW. Zuvor jedoch nutzen Sie die vierjährige Bundeswehrzeit, um an der Abendrealschule zum Versicherungskaufmann ausgebildet zu werden, der sich später in Oberhausen selbständig macht.
Aus Ihren ersten Aufzeichnungen werden Dönekes über Menschen, Geschäfte und Begebenheiten, mit denen Sie die 50er-/60er-Jahre-Revue „Pettycoat und Wirtschaftswunder in Erle“ formen und aufführen. Die Reaktion ist überwältigend. Die Gemeindehäuser sind voll, Sie müssen Extravorstellungen geben.
Mit sechs Mitstreitern gestalten Sie das Internetforum „Gelsenkirchener-Geschichten.de.“ Sie schreiben nicht nur selbst, auch mehr als 4000 User bringen sich mit Beiträgen über historische Ereignisse, persönliche Erlebnisse ein. Sie organisieren Kunstausstellungen, moderieren Lesungen, interviewen Zeitzeugen. Sie geben ein Buch heraus, eine Stadtbereisung als moderne Form der Heimatkunde. Mittlerweile füllen Sie zudem einen eigenen Blog mit dem schönen Namen Kohlenspott mit Reimzwang, Wortwitz, Tiefsinnigem und dem „latenten Hang zum Nonsens“.
Lieber Lothar Lange,
ganz besonders mag ich Ihre Geschichte über den älteren Herrn aus Österreich, der als junger Mann für ein Schalke-Spiel nach Gelsenkirchen reist. Er verliebt sich in ein Mädchen, bleibt in der Stadt und heiratet es. Er erzählte Ihnen, dass seine Frau vor einigen Monaten gestorben ist, er aber nicht zu seinem Sohn nach Berlin ziehen möchte. „Ich kann meine liebe Frau hier nicht allein auf dem Friedhof lassen.“ Er selbst liegt nach einem Herzinfarkt auf Leben und Tod. „Die Ärzte haben mich zurückgeholt. Leider.“ Als Sie ihn wenig später besuchen wollen, stehen seine Möbel auf dem Bürgersteig. Der Mann ist tot.
Freundliche Grüße
Hermann Beckfeld


Lieber Herr Beckfeld,
ich fühle mich in der Tat geadelt, mich als kleines Kohlenpott-Licht in die Riege derer
die einen Ihrer wunderbaren persönlichen Briefe erhalten haben, einreihen zu dürfen.
Herzlichen Dank dafür!
Ihr Lothar Lange


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