Neu! Kinderlärm-Schalldämpfer bei Aldi!

Verdelli, als ich noch ´n kleiner Köttel war, also im vorigen Jahrhundert , da war et ganz normal, dattet viele Familien gab, die „die Bude voll mit Blagen“ hatten.

Da waren sieben bis zehn Kinder nix Besonderet und bei denen war jeden Tach so richtig Leben im Kabuff! Man wohnte mit seinen Nachbarn dicht an dicht, teilte sich oftmals dat Klo im Hausflur mit anderen Nachbarn, die Häuser hatten meist nur Holzdielen als Fußboden, und durch die einfachen Wohnungstüren zog et nich nur „wie Hechtsuppe“, sondern da kam auch jeder Geruch und jedet Geräusch durch.

Da krichte jeder von jedem allet mit: wattet beim Nachbarn zu Mittach gibt, ob mal wieder beim anderen Nachbarn „Strom inne Tapeten“ (Ehekrach) war, und natürlich den ganzen Krach der vielen „Blagen“, besonders dann, wenn et draußen am Regnen war, weil se dann ja alle inner -meist viel zu kleinen -Bude hockten und sich alle „am Kebbeln“ waren.

Kinderlärm? Dat war nich romantische“Zukunftsmusik“, wie et heute heisst, dat war einfach normal, obwohl die Väter damals körperlich viel schwerer „anne Schüppe“ zu malochen hatten und die Mütter allet ganz ohne Waschmaschine und Thermowix von Hand zu bewerkstelligen hatten.

Wattet damals aber nich so gab, dat waren lärmempfindliche Nachbarn, die gleich zum Anwalt und vor Gericht rennen, nur, weil Klein-Williken von nebenan mal wieder inne heilige Mittachszeit mit seine Milchzähne lautstark innen knusprigen Brandt-Zwieback gebissen hat.

Erstens konnte sich dat damals sowieso keiner leisten – und zweitens hätte man dat unter Nachbarn beim lecker Pülleken Bier und ein Pinneken Eierlikör für die Nachbarin unter sich geklärt. Maximal hätten sich dann vielleicht die „Blagen“ selber beschwert, spätestens dann, wenn dat „Klären“ mit Bier und Eierlikör laut und lustich bis inne tiefe Nacht gedauert hätte, weil se doch morgens früh raus und inne Schule müssen.

Wie komm´ich eigentlich drauf?

Ach ja: als ich heute bei ALDI war, stach mir doch dieset tolle Angebot in´t Auge:

Aufbewahrungsboxen für Kinder!!!

Ja, hömma! Dat is doch die Lösung, wenne Kinder – aber auch lärmempfindliche Nachbarn hast und wenn inne Hausordnung wat von ruhige Mittachzeit von Eins bis Drei steht: einfach die kleinen Hosenkacker inne Box stoppen – und Ruhe is.

Sowat Praktischet! Sogar mit Luftlöcher! Gut, durch die kämen zwar immer noch Geräusche raus, aber gedämpft. Tofte Idee von ALDI: zwei Kinder-Schalldämpferkisten für € 6,99  Da kann man nix gegen sagen, ausser, datt die Kisten ein bissken klein sind. Da muss man schon ganz schön dat Kind reinpressen, sonz krisse ja den Deckel nich zu.

Gezz wäre et doch eine noch bessere Idee, wenn et sonne Boxen in Größer gäbe. Zumindest so groß, datt man da lärmempfindliche Nachbarn bequem reinstoppen kann.
Dann wär nämlich tatsächlich Ruhe im Karton. Und zwar für alle.

Bissi Tage!
Euer

 

 

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„Feiertach is, wenn Aldi zu hat.“

„Verdelli, …dat is vielleicht ein Dingen…“, so drückt man hier im Ruhrgebiet sein „ährlichet“ Erstaunen aus. Mancher fühlt sich dabei an Jürgen von Manger erinnert, der die Sprache des Ruhrgebietes als Adolf Tegtmeier auf sympathische Weise – ein bissken überzeichnet, aber sympathisch kumpelig imitierte und überregional bekanntmachte.

Und man „kannet“ hier immer noch ein bissken hören, dat datt und dat watt, und dat Hömma!. Musse nur mal durche Stadt gehen und die Lauscher auf Empfang stellen.

Seit Jahren sammeln wir bei den  Gelsenkirchener Geschichten  „auf der Straße aufgeschnappte Satzfetzen“ oder knuffige Dialoge, so richtig „aussem Leben“. Zum Beömmeln.

Ich hab mal einige Pröbchen davon hierhin entführt. Viel Spässkes!

Nachbarin:
„Kann Ihr Sohn mal für mich zum Bäcker(oder wohin auch immer),
  Wissense, bei dem Wetter schickt man ja kein Hund vor die Tür.“


“ Gerda, weiße watte biss? Du bis dein Absatz am verliern“


“ Tu die Lisa watt davon abbrechen!“
Aufforderung, Süssigkeit mit einem anderen Kind zu teilen.


In einem Supermarkt passiert:
Ein ca. 12jähriger Junge fährt mir mit seinem Einkaufswagen voll in die Hacken.
Ich schreie laut auf, weil er mir sehr weh getan hat.
Ich sagte ihm, dass er sich ja wenigstens entschuldigen könnte (dafür war er ja alt genug).
Da kommt aus dem Hintergrund die Stimme seiner Mama: „Meine Kinder lern ich selber“.


Sehr häufig passt auch „Omma die Kinder“ auf.


Auf dem Rangierbahnhof wird ein neuer Rangierer eingearbeitet.
Der Vorarbeiter winkt dem Lokführer und ruft: „Komm mit die Wagen“.
Daraufhin der Neue: „Heißt das nicht komm mit den Wagen?
Der Vorarbeiter: „Ja, ich weiß. Aber wenn ich rufe, komm mit den Wagen
kommt der nur mit einem.“


„Ker, auffe Beerdigung vonne alten Gerda,
da hab ich mir aber nen Pinn inne Fott gefroren….!“


“ Sach ma Mutta, woher kommt eigentlich Weisheit?“
„Weiß ich nich, ich glaub, die kommt von Persil“


Auf dem Schulweg:
„Und bleib immer auffen Bürgersteich und nich bei Rot über die Ampel!“
„Mamma wo is Rot, oben oder unten?“


Nache Schicht bei Szepan anne Bude:
„Watt hasse nächste Woche für Schicht?“
„Keine, da bin ich krank!“


Im Streb, anne Kohle:
„Steiger, der Neue hat mich beleidicht!“
„Wieso dat denn?“
„Der hat gesacht, ich hab wat mit deine Olle!“


Gast aus Bayern:
„Wo kann man in Gelsenkirchen übernachten?“
„Kommt drauf an: billig am Kanal, teuer im Maritim!!“


„Samma, Elfriede: wat sind dat denn für gelbe Blumen?“
„Dat sind Forunkel!“


„Papa, mein Farad hatten Platten!“
„Wird Zeit datte flicken lerns!“


„Du bist so cool, wenne anne Kellertreppe stehst,
kommen die Kartoffeln freiwillich geschält nach oben.“


Am Lohntag.
„Mama, ich hab Hunger!“
„Musse warten bis der Papa kommt!“
„Und wann kommt der?“
„Wenner dat Geld versoffen hat!“


Auf Schalke:
„Von wo kommse, von Hamburch?“
„Jo!“
„Happich mich gleich gedacht,
sonne Wasserköppe gibtet hier nämich nich!


„Weisse, watte gezz ma machss?
Gezz setzte Dich auffen Hintern und zählz bis zehn.
Ich brauch einfach ma ´ne Stunde Ruhe, verdorrich!“


Als man 2010 in Gelsenkirchen die umstrittene Kunstfigur Herkules von Lüpertz
auf den Turm der Zeche Nordstern setzte:

„10 Millionen für sonne Witzfigur auffen Turm, dat hamse,
aber paar Euro für ne Schüppe voll Teer , dat kriegense nich gebacken!“


Ein Frau trifft am Friedhof einen Bekannten, begrüßt ihn und fragt:
„Wen habt ihr denn hier liegen?“


Wir sind ja auch immer bei „Wollwort“ einkaufen gewesen, oder „inne Wolli“.


Mann schaut aus dem Fenster:
„Kumma, ich glaub, bald hab´n wir Vollmilch.“


„Feiertach is, wenn Aldi zu hat.“


Na, waret nich schön?
Sachichdoch. Also: bissi Tage!

Euer

 


Mehr über Ruhrdeutsch gibt et hier:

Von Aalskuhle bis Zimtzicke – Das Lexikon der Ruhrgebietssprache.

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„Häimat“ oder „Gelsenkirchen ist nicht weit.“

Zugegeben: was haben wir uns hier im Pott früher oft beömmelt über die – auf uns Kinder alt wirkenden Menschen, die immer von ihrer „Hääimat“ sprachen, die sie verlassen mussten. Meine Mutter stammte auch aus Ostpreußen, jammerte zwar nicht, sprach aber in ihrem „bräiten“ Dialekt auch oft über ihr kleines Bauerndorf Augstupönen bei Gumbinnen, über die Flucht, Pferde und die schwere Landarbeit. Und dass es dort bei aller Ärmlichkeit schön war. Heimat. Wurzeln.

Belächelt wurden sie damals, und oft auch als Polacken bezeichnet, die in ihrer „Häimat“ „Hiehnerr, Änten, Jänse und Schwäine und jroße Landgieter“ besessen haben wollen. Und man hatte Wetten darauf abschliessen wollen, dass sie bestimmt, trotz allen Jammerns, niemals wieder freiwillig dorthin gehen würden, wo sie hergekommen sind, weil sie es hier in Westdeutschland doch „so gut“ hatten.
Willkommen waren sie hier nicht. Das spürten auch wir Kinder. Lange her.

Und je grauer meine Haare werden, um so grüner werden auch mir die Erinnerungen an meine Kindheit in Gelsenkirchen-Erle, wo ich geboren wurde und bis zu meinem 26. Lebensjahr lebte. Und mit den Erinnerungen wächst auch der Wunsch, einfach einmal wieder hinzufahren, durch die Straßen und die Hinterhöfe meiner Kindheit zu gehen, an alten Häusern Klingelschilder nach Namen von damals abzusuchen, Gerüche und Geräusche, die mir einmal vertraut waren, und die es nur hier gab, wiederzufinden, vielleicht alten Weggefährten von damals zu begegnen, in der Hoffnung, deren Gesichter vielleicht, trotz der vielen Jahre dazwischen, noch wiederzuerkennen, um sich gemeinsam erinnern zu können.

Diese kleine Sehnsucht nach einer Zeit, in der wir noch alles vor uns hatten und in der die Zukunft endlos schien. Wissen wollen, ob es die alte verräucherte Stammkneipe auf der Wilhelmstraße noch gibt, in der uns der Wirt einen Bierkrug mit unseren eingravierten Namen bereithielt, eine Ehre, die nur seinen Stammgästen zuteilwurde, und die uns das Gefühl gab, dort zu Hause zu sein, Was aus dem alten Kino an der Cranger Straße geworden ist, und ob meine alte Schule an der Oststraße noch steht – und das Haus, in dem damals das Mädchen aus meiner Klasse wohnte, für das ich mit knapp vierzehn ganz doll verknallt schwärmte…

Ich habe das große Glück, jederzeit an meinen Kindheitsort fahren zu können, weil Gelsenkirchen gerade mal knapp dreißig Kilometer von hier entfernt ist. Und hin und wieder mache ich das auch – ganz spontan – und hole mir etwas von Damals ins Heute.

Nach Schlesien, Masuren oder Ostpreußen zu fahren, ist heute zwar möglich, doch die meisten derer, die dort einst alles zurücklassen mussten, leben vermutlich nicht mehr oder sind heute zu betagt für eine solche Reise in ihre Vergangenheit.
Und es tut mir heute leid, mich damals über sie „beömmelt“ zu haben, die den Schmerz über den Verlust ihrer Heimat im Herzen und auf der Zunge hatten, weil ich heute ihre Sehnsucht nach ihren Orten und der Zeit, in der sie das Leben – ein ganz anders gedachtes – eigentlich noch vor sich hatten, besser verstehen kann.

Und ich weiß, wie gut ich es doch habe. Gelsenkirchen ist nicht weit.
Die Erinnerung, so sagt man, malt mit goldenem Pinsel.

Zum Hören: Von dicken Duppas.

Also: bissi Tage!


*beömmeln = sich über etwas amüsieren, lachen.
aus >>> Ruhrgebietssprache.de

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Isso toffte: die taube Taube hat ´nen Landeplatz.

Gelsenkirchen hat wat, dat hat keine andere Stadt: nee, nich Schalke, auch nich die Veltins-Arena, dat Musiktheater oder Schloss Berge. Nein, Gelsenkirchen hat isso.

isso. ist ein kostenloses Stadtmagazin, das seit April 2015 monatlich erscheint und das sich mit hohem gestalterischen Anspruch optisch als auch inhaltlich von seinen „besten Seiten“ zeigt.  Weil es stets rasch in der Stadt vergriffen ist, kann es auch für kleines Geld, das gerade die Portokosten deckt, abonniert werden. Hier mehr, denn  isso. gibt es auch online

Ich freue mich, dass meine  taube Taube bei isso. in der Novemberausgabe einen Landeplatz gefunden hat.

 

Ich freue mich und bin auch ´n bissken stolz.
Isso.

Bissi Tage!
Lo

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Kohle, schwarze Kohle… kleine Entführung aus der Schweiz.

BRIGITTE FUCHS ist eine wahrhaft „ausgezeichnete“ Schweizer Autorin
und Lyrikerin, deren Blog Quersatzein – durch gedankliche Höhen und Tiefen ich aufrichtig gern besuche, weil ich dort beinahe täglich einen schönen Text, ein Gedicht oder aufgeschriebene Gedanken finde, die fröhlich, positiv oder nachdenklich stimmen; alles stets passend mit Fotos aus der eigenen Kamera versehen.

Heute überraschte sie, die Schweizerin, mich, den Ruhrgebietler, 😉
mit einem Gedicht über den Bergbau und Kohle:
Kohle, schwarze Kohle, graben wir – von Karl Bröger (1886-1944) einem deutschen Arbeiterdichter, der mir bis dato unbekannt war.

Brigitte schreibt mir auf meine Anfrage, ob ich ihren Beitrag aus der Schweiz auf meine Website ins Ruhrgebiet entführen darf:

„Natürlich darfst du das, lieber Lo. Ich freue mich über dein Interesse.
Das Gedicht von Karl Bröger passt wunderbar zu deinen Kohlen(s)pott-Blogseiten und zum Ruhrgebiet.
Kohlenzechen, wie es sie bei euch nicht zu knapp gab, kennen wir hier nur vom Hörensagen. Obwohl es auch hier Bergwerke gab, wo Metalle, Eisenerz, Salze, Schiefer, Sandstein, Gips und in kleinem Umfang auch Kohle abgetragen wurden.
Du darfst das Gedicht sowieso verwenden, da der Verfasser schon mehr als 70 Jahre tot ist und es daher als frei verfügbar, also offiziell als „gemeinfrei“ gilt.
Einen lieben Gruss zu dir ins Ruhrgebiet.“

Wie schön!
Ein herzliches „Merci vielmal“ – liebe Brigitte!


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Gelsenkirchener Platt. Für auffe Ohren.

Gelsenkirchen.Von da komm ich wech.“

Genauer gesag, aus Gelsenkirchen-Erle. Aufgewachsen in einer winzigen Zweizimmerwohnung mit Kohleofen und ohne Bad, aber mit Klo auf halber Treppe, das wir uns mit den Düften von Omma Urbanski und denen der Familie Karbowski teilten.

Meine Mutter stammte aus Ostpreussen. Sie sprach – wie viele damals im Ruhrgebiet – in einem „bräiten“ Dialekt und oftmals mischten sich auch einzelne polnische Begriffe darunter, wie „Perrunje! (Donnerwetter!) oder „Moi Bosche!“ (mój Boże = Mein Gott!)

Und wenn ich mal etwas ausgefressen hatte, nannte sie mich einen „Lorbass“ (einen Schlingel). Ganz selten gab es auch schon mal was „auf die Dupa“ (den Hintern), aber niemals feste, dazu war sie viel zu gutmütig.

Viele „eingewanderte“ Wörter verschiedenster Herkunft sind hier im Ruhrgebiet immer noch in Gebrauch. „Pöhlen“ (Fussballspielen) zum Beispiel, stammt vermutlich aus dem Plattdeutschen, das „Malochen“ aus dem Jiddischen und „Mottek“ (der Hammer) aus dem Polnischen.

Die nachfolgende Alltagsdichtung GELSENKIRCHENER PLATT, deren ursprünglicher Verfasser unbekannt ist, kenne ich schon seit vielen Jahren, und sie dürfte vermutlich immer wieder umgeschrieben und bearbeitet worden sein, hat aber – besonders, wenn sie  vorgetragen wird – bis heute nichts von ihrer humorvollen Wirkung eingebüßt.

Hier zu hören:


GELSENKIRCHENER PLATT.

Lernen`se Gelsenkirchener Platt, oder könn´se dat schon?
Dann brauchen’se nur ´n paar Tage in Gelsenkirchen zu woh’n
Und wenn´se da fleißig spazieren geh’n,
könn’se dat allet bald richtich versteh’n.
Dann brauchen’se keinen Dolmetscher mehr.
Gelsenkirchener Platt is nämlich gar nich so schwer.

Pennen heißt schlafen und krampfen heißt klau’n,
Schicksen sagt man zu ledigen Frau’n.
Karo heißt Brot und Korrek die Sau.
Mattka ist eine verheiratete Frau.
Polente, dat is hier die Polizei.
Gelsenkirchener Platt lernt sich ganz nebenbei.

Maloche ist Arbeit und Pinunsen dat Geld.
Kabitschko, wenn du wat auf Raten bestellst.
Fresse sagt man zu deinem Gesicht,
und Duppa, – wenn man vom Gegenteil spricht
Die Pofe, die ist schließlich dat Bett.
Gelsenkirchener Platt ist doch wirklich ganz nett.

Karre heißt Fahrrad und Schnauze der Mund.
Toffte ist schön und Keiloff ein Hund.
Mottek ist Hammer und Zossen dat Pferd.
Pussieren ist, wenn man mit ´n Fräulein verkehrt.
Eine Kröte entsteht dann schomma aussem Verkehr!
Gelsenkirchener Platt ist doch wirklich nicht schwer.

Schucken heißt zahlen und Keif der Kredit.
Schabau, dat ist ´ne Pulle mit Sprit.
Knarre nennt man hier dat Gewehr sogar.
Krimken? Dat is ein Kriminal-Kommissar.
Der Osnik, ja dat is schließlich ´ne Uhr.
So spricht man in Gelsenkirchen und auch in Buer.

Pelle heißt Anzug und Bombe der Hut.
Treter sind Schuhe und Brass ist die Wut.
Knast heißt Gefängnis und Schwofe der Tanz.
Kossa heißt Ziege und Frannek der Franz.
Der Barras, dat is dat Militär.
Gelsenkirchener Platt ist gar nicht so schwer

Barini ist Süßwein, Halber Liter dat Bier.
Dir heißt Dich und Dich heißt Dir.
Mit Schoppen ist immer nur Fusel gemeint.
Und Kumpel, dat sacht man zu seinem Freund.
Bandonitzka nennt man dat Schifferklavier.
Hömma! Die Sprache lernt man dich spielend hier.

Lorenz ist der Mond und Hugo die Kippe.
Rotzbremse ist der Schnäuzer auf Oberlippe.
Geh mich von Schüppe! heißt: „Bitte, geh weg.“
Buch ist ein Schmöker und rotzich ist frech.
Komm bei mich!“ heißt: „Bitte, komm her.“
Gelsenkirchener Platt ist wirklich nicht schwer.

Dat Fußballspielen wird hier nur pöhlen genannt.
Flosse oder Pote, dat ist deine Hand.
Zinneck ist schließlich ein männlichet Kind
für Nase dat Wörtchen Gurke man find.
Und nimm noch ein paar Worte mehr:
Gelsenkirchener Platt ist wirklich nicht schwer

Plotteck heißt Messer und Sense die Feier
Jeikas, so nennt man in Gelsenkirchen die Eier.
Sieht man einen Mann bei ’nem Mägdelein steh’n
so sagt man: „Der ist auffe Strebe am geh’n!“

Wer all diese Worte beherrscht wie geschmiert,
der hat sich in Gelsenkirchen akklimatisiert.

😉


 

 

Tipp: wer mehr über die Ruhrgebietssprache erfahren möchte, dem sei empfohlen, einfach einmal hier zu klicken >>>Ruhrgebietssprache.de
Macht Spaß!

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Wat ´ne taube Taube! Jetzt auch als Podcast für auffe Ohren!

Gerade jetzt, wenn es draußen ungemütlicher wird, schaffen Leseabende mit spannend oder humorvoll vorgetragenen Geschichten oder auch literarische Streifzüge durch unsere Region (manchmal auch durch handgemachte Musik begleitet) eine tolle gemütliche Atmosphäre. Leider ist das alles aus bekannten Gründen in diesem Jahr nicht möglich.

Autoren und Buchhändler vermissen diese wunderbaren Möglichkeiten, mit ihrem Publikum in Kontakt zu kommen.

Diese Lücke kann auch keine Tonkonserve schließen, doch zumindest ist es mir ein bescheidener Versuch wert, hin und wieder Texte aufzusprechen – vielleicht freut sich jemand darüber.

Der Anfang – es ist eher ein Üben und Experimentieren mit der Technik im Kleinen – soll nun gemacht sein: die Reime um die taube Taube gibt es gezz „für auffe Ohren“.

Viel Spaß – und bissi Tage. Lo

Dieses Foto soll nur etwas „professionellen“ Eindruck schinden. 🙂


Wat ´ne taube Taube!

Klicken und lauschen.


Bissi Tage!

Gestern dicht. Heute Dichter.

*) Kröpper = kommt im Gedicht vor – hier im „Pott“ ist damit die Brieftaube gemeint; dat Wort wird eher nicht von Taubenliebhabern benutzt, sondern mehr von deren Ehefrauen, wenn die oft aus mehreren hundert Kilometern Entfernung aufgelassenen Tiere – wie auch die Taubenväter – sehr lange ausbleiben. 😉

Quelle: Ruhrgebietssprache.de

Foto von David Mark auf Pixabay – als Header von mir nachbearbeitet
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Wat ´ne taube Taube!

Wat ´ne taube Taube!

Tief im Plumeau auf Matratze,
wo ich selig träumend ratze,
glaubte ich, datt ich wat hörte,
wat beim Schlummern mich sehr störte.

Früh am Morgen, kurz vorm Dämmern,
hör ich wat am Fenster hämmern!
Kerl, verflixt! – wat für ein Krach!
Mist! Gezz bin ich hellewach.

Hilft nix – sodatt ich mich quäle,
und mich aussem Plumeau schäle,
hin zum Fenster, um zu gucken,
seh´ ich da ´nen Kröpper hucken!
Sitz und gurrt, pickt anne Scheiben,
will mich wohl zum Wahnsinn treiben.

Um mir dat nicht zuzumuten,
sprech zum Vogel ich im Guten:

„Bitte glaube, liebe Taube,
Wunderschön glänzt dein Gefieder,
doch nicht schön sind Deine Lieder!
Kein Gesang, nur dröget Gurren
hier auf meinem Fensterbrett!

Hör mein Grollen und mein Murren!
Raubst mir Schlaf, drum gern ich hätt´,
Täubelein, Du wärst so nett,
einfach weit, weit wegzufliegen.
So, nun flieg!
Ich möcht´ noch liegen!“

Hell wird´s draußen – nix mit Dämmern,
der Vogel hört nicht auf mit Hämmern!

Mensch, Du Vogel! Ollen Kröpper! *)
Mach die Biege, mach´n Köpper!
Weg vom Fenster! Kerl, hau ab,
bevor ich hier noch überschnapp`!!!

Als opper mich nicht hören kann,
guckt der Kröpper lieb mich an.
Guckt und pickt gegen die Scheiben,
so, als wollt er länger bleiben.

Kerl, verdelli! Mist! – Ich glaube,
Du bist wohl ´ne taube Taube!
Tut mir Leid, wenn ich so laut war,
und schon beinah´ aus der Haut war.
Bleib Du nur auffem Fensterbrett.
Und ich geh wieder in mein Bett.

Mein Bett, wie schön – et ist noch warm,
kaum, datt ich sink in Morpheus Arm,
dreh´ kurz im Plumeau ich mich um:
Taube weg! – Allet stumm!

Na sowatt!


Bissi Tage!

Gestern dicht. Heute Dichter.

*) KröpperBrief- und Reisetauben; meist nicht von Taubenliebhabern benutzt, sondern mehr von deren Ehefrauen, wenn die oft aus mehreren hundert Kilometern Entfernung aufgelassenen Tiere – wie auch die Taubenväter – sehr lange ausbleiben.

Quelle: Ruhrgebietssprache.de

Foto von David Mark auf Pixabay – als Header von mir nachbearbeitet
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Das Ruhrgebiet wird 17. Bundesland!

„Eine Ruhrtopie von Leutchen, die es wissen müssen.
Gewidmet ist dieses Buch allen Menschen, die „die Region“ lieben.“

so schreibt das unabhängige Kulturmagazin Musenblätter über das Buch

Atlantis rückwärts – Bundesland 17 (ehemals unser Ruhrgebiet)

Hier der Beitrag:

MUSENBLÄTTER – Das unabhängige Kulturmagazin


Dieses tolle Buch kann man nicht erklären: man muss es in die Hand nehmen und sich genüsslich entführen lassen in die Zeit von 2020 bis 2051, der vergangenen Zukunft unseres Ruhrgebietes auf seinem spannenden, erfolgreichen Weg zum Bundesland 17 namens Emscherland.

Kann zu Lächeln und Erstaunen führen.

Zugegeben: ich habe mitschreiben dürfen. Hat großen Spaß gemacht, mit Phantasie und Augenzwinkern unser Ruhrgebiet zum 17. Bundesland werden zu lassen.

Neugierig? Stöbert doch mal rein.
Bissi Tage!


Atlantis rückwärts
Bundesland 17 (ehemals unser Ruhrgebiet)
gebunden mit Schutzumschlag
Lesebändchen
144 Seiten
14,90 Euro
ISBN 978-3-948566-03-6

Gibt es ab sofort im Buchhandel und hier:

Bücher vonne Ruhr / Verlag Henselowsky Boschmann


 

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Ein Pott voll Buntes

Ich mag ihn, den Herbst.

Wenn es draußen „schubbig“ (nass und ungemütlich) ist, gern drinnen, mit Kuscheldecke, Tee und Muße, einem Buch oder Musik.
Doch am allerliebsten natürlich draussen, im Wald – dort wo das Laub mit Rot-, Orange- und Gelbtönen im Zusammenspiel mit der milden Herbstsonne diese unglaublich schöne Lichtstimmung zaubert.

So, wie heute – gleich bei mir „umme Ecke“ im Duisburger Wald.

Die Sonne hatte heute vermutlich Home-Office, lugte aber doch immer wieder einmal zu uns in den Wald, in dem wir den Herbst richtig riechen konnten: so typisch erdig, feucht. Und still war es, so dass man die Blätter, die leise von den Baumkronen hinab zu Boden schwebten, hören konnte, wenn nicht gerade das Rauschen der nahen A3 zu vernehmen war:

Vermutlich kennen sehr viele Nicht-Ruhrgebietler diese durch ihren gelben Pylon weithin sichtbare Fußgängerbrücke über der A3 bei Duisburg, die einmal für die Expo 1958 in Brüssel geplant wurde.
Auf den gelben Pylon hat jemand rührende Zeilen an seine verflossene Liebe geschrieben. Ob sie sie jemals gelesen hat?

Zurück im Wald entdeckten wir ein kleines Kunstwerk, das auf dem Ast eines Baumes angebracht war: eine unbekannte Dame in Rot. Schön und rätselhaft; wer mag sie dort wohl aufgestellt haben? Und gibt es hier vielleicht weitere Kunstwerke zu entdecken? Das versuchen wir beim nächsten Mal herauszufinden.

Herbst bei uns im Pott: so bunt und stimmungsvoll beruhigend – dass sogar der Tritt in einen Hundehaufen kurz vor dem Parkplatz mit Gelassenheit hingenommen wurde.

Also: es ist Herbst. Runter vom Sofa und ab in den Wald!
Nur Vorsicht! Dort stinkt es immer ganz schlimm nach frischer Luft!
Nich, datt ich Euch nich gewarnt habe.

Bissi Tage!

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