Crashkurs Ruhrgebiet. Wo Bücher Geschichten erzählen – und ein Hund zuhört. Sterkrader Lesesommer.

Auch wieder schön gewesen!
Am Donnerstag, 3. September gab es in der wunderbaren Sterkrader Buchhandlung Wiebus im Rahmen des „Sterkrader Lesesommers“ eine Lese-und Diskussionsrunde mit Verleger Werner Boschmann, Filmemacher Adolf Winkelmann, Jens Dirksen (ehem. Kulturchef WAZ) dem Autor Lothar Gräfingholt (Autor), und meiner bescheidenen Wenigkeit.

Überschrift: „Crashkurs Ruhrgebiet“, der Titel des wirklich kurzweiligen Buches über die Geschichte, Kultur und Mentalität des Reviers, über das Bloggerfreund Lutz Prauser in seinem „Zwetschgenmann-Blog hier: Mediatipps (Teil 59): „Crashkurs Ruhrgebiet“ und ich vor einiger Zeit unter: Festhalten! Hier kommt der Crashkurs Ruhrgebiet! bereits schrieben, und für das ich gerne die Werbetrommel rühre, auch auf die Gefahr hin, mich verdächtig zu machen, weil ich doch an dem Buch mitschreiben durfte. *)

„Das Ruhrgebiet ist die aufregendste Region in Deutschland, wahrscheinlich sogar auf der ganzen Welt. Leider hat sich das noch nicht überall rumgesprochen. Hier hilft nur eins: Beweise auf den Tisch – in einem „Crashkurs Ruhrgebiet“. Mit klassischen Themen wie Kulinarik, Literatur-vor-Ort und Schauspielhäuser. Mit Doppelsinnigem wie Strippenzieher, Ewigkeitskosten und Glasscherbenviertel. Mit Umstrittenem wie Gebietsreformen, Kulturhauptstadt und Strukturwandel. Mit Delikatessen wie Däten, Pottericks und Kanzlerkandidatenworte.“

Das Buchgeschäft Wiebus in Oberhausen-Sterkrade gehört für mich, wie viele andere kleine inhabergeführte Buchläden im Ruhrgebiet auch, zu den Orten, an denen so ein Lese- oder Diskussionsabend immer etwas ganz Besonderem ist.
Die hohen Regale, gefüllt mit unzähligen Büchern, dazu der Duft von Papier und alten Buchseiten, schaffen eine Atmosphäre, die zugleich warm, intim und durchaus auch ein wenig nostalgisch ist.

Dazu das Publikum: Menschen, die wirklich zuhören, die sich auf Worte und Geschichten einlassen, wie denen, sehr lebendig vorgetragenen von Filmemacher Adolf Winkelmann über das Entstehen seiner berühmten fliegenden Bilder im Dortmunder U, oder dessen Ruhrgebiets-Filme, wie „Junges Licht“, „Die Abfahrer“.
Oder den herrlichen „Dönnekes“ aus Bottrop, über Taubenschlag und das Büchermachen von Verleger Werner Boschmann, über Kulturförderung oder „Das Collier der Kanzlerin“ (Buch) von Lothar Gräfingholt, oder von Kulturredakteur Jens Dirksen über das Zeitungsmachen, als auch seinen frischen Erlebnissen als neuer ehrenamtlicher Bügerbusfahrer am dörflichen Rande des Ruhrgebietes, und den meinigen über Gelsenkirchener Geschichten oder den leider aussterbenden ostpreussischem Dialekt mit seinem urigen Vokabular, den man einst im Ruhrgebiet hören konnte.

Und dann ist da noch Bella – eine Hündin, die längst zum Inventar gehört. Von den Stammkunden geliebt, bewegt sie sich selbstverständlich zwischen Regalen und Menschen. Vielleicht ist sie ja die beste Mitarbeiterin des ganzen Ladens: immer da, immer freundlich und ganz ohne Worte ein Teil dieser besonderen Atmosphäre.
Wir sind uns sicher: Bella hat unser Buch schon gelesen.

Nee, war schön.


* Unbezahlte Werbung.
Hinweis „Unbezahlte Werbung“:
Wenn ich hier hin und wieder ein Buch beschreibe, das mir gefällt, so geschieht dieses stes ohne wirtschaftliches Interesse meinerseits, ohne Beeinflussung meiner Meinung und grundsätzlich ohne Gegenleistung, ausser vielleicht, dass die Freude der Autoren/ der Autorin/nen darüber mein ach, so altes Herz erfreut. In diesem besonderen Fall bin ich durch meine Freude am Mitschreiben und mit einem vom Verkauf unabhängigem Autorenhonorar abgefunden. Alles klar?
Lothar Lange
Tipp:
Für ein gutes Buch muss man nicht bis zum Amazonas reisen.
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Mein „Petticoat & Wirtschaftswunder“ – in der „flora“ Gelsenkirchen

War das schön!

Ich lebe nun seit fast 50 Jahren nicht mehr in Gelsenkirchen, und doch zieht es mich, wie es bei den Lachsen auch üblich ist, immer wieder an meinen Geburtsort. Über ihn schreibe ich meine Geschichtchen und Erinnerungen an die 50er/60er Jahre auf, trage sie mit Leidenschaft dort auch vor – und freue mich über den großen Zuspruch und einem, wie jetzt am 3. September, wiederholt „vollen Haus“.

Mir hat der Abend richtig viel Spaß gemacht!
Das Publikum war sooo großartig: es gab viele Lacher und zustimmende Bemerkungen.
Ich habe „im Bühnenrausch“ gar nicht bemerkt, dass es (mit kleiner Pause) fast zweieinhalb Stunden geworden sind.
Und wieder einmal gab sich aus dem Publikum mir jemand nach der Vorstellung als ehemaliger Wegbegleiter zu erkennen.
Wir spielten in den 80ern mehrere Jahre gemeinsam bei „Preziosa 1883“, einem der ältesten deutschen Amateurtheater bekannte Boulevard-Klassiker.
Solche Abende in Gelsenkirchen mit persönlichen Begegnungen aus der Vergangenheit sind für mich immer etwas, wie „nach-Hause-kommen“, denn Erinnerungen bekommen einen besonderen Wert, wenn man sie mit jemandem teilen kann.

Glücklich und schön aufgekratzt bin ich dann nach Oberhausen gefahren, wo ein, zwei lecker Pülleken Bier auf mich warteten.

P.S.: Großes Dankeschön an den Heimatbund Gelsenkirchen als Veranstalter, und an Sebastian Roth (Veranstaltungstechnik), ein mir seit vielen Jahren vertrautes Gesicht des Kulturraums „die flora“, für seine tolle Betreuung (Foto unten links).

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Sehen wir uns am 3. September in der „flora“ Gelsenkirchen?

Etwas Werbung in eigener Sache.

Kulturraum „die flora“ im November 2024

😉 Voranmeldung unter 0209-1770999 (Heimatbund Gelsenkirchen)
oder per E-Mail: anmelden@heimatbund-gelsenkirchen.de ist erforderlich.

Der Eintritt ist frei,
doch geht zugunsten des Heimatbundes Gelsenkirchen „ein Hut“ rum.

Ich freu‘ mich ganz doll drauf!😉
Lo

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Crashkurs Ruhrgebiet! Sehen wir uns am 9.9.2026 in der Buchhandlung Wiebus in Sterkrade?

– Crashkurs-Ruhrgebiet –
mit Werner Boschmann, Jens Dirksen, Adolf Winkelmann
Mittwoch, 9. September 2026, 17:00 bis 18:30 Uhr

in der Buchhandlung Wiebus
Steinbrinkstraße 249, 46145 Oberhausen. Deutschland

„Lesung, Gespräche & Ansichten zum Ruhrgebiet“
Werner Boschmann (Verleger und Taubenzüchter), Jens Dirksen (Kulturredakteur) und Adolf Winkelmann (Autor und Filmemacher) liefern spannende Einblicke in die Geschichte, Kultur, Sprache und Mentalität des Ruhrgebiets mit Erzählungen, Anekdoten und typischem Ruhrpott-Charme.

Ewigkeitskosten, besondere Umgangsformen, Omma und Oppa und Verwaltungsfilz – diese und viele weitere ruhrgebietsrelevante Schlagworte behandelt der erfolgreiche Sammelband „Crashkurs Ruhrgebiet“, der im letzten Jahr beim Bottroper Verlag Henselowsky Boschmann erschien.

Begrenzte Plätze! Anmeldung erwünscht unter mail@wiebus.net
oder 0208 668255 oder WhatsApp 017655223869


Werner Boschmann


lebt seit seiner Geburt im Jahre 1951 in Bottrop; Leidenschaften: Bücher über das Ruhrgebiet und Brieftauben. Autor und Verleger. Bücher vonne Ruhr. Literaturversorger fürs Ruhrgebiet. Mehr verrät er nicht.


Jens Dirksen

Jg. 1964, ehem. Chefreporter Kultur, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, NRZ, WP, WR, IKZ – schreibt seit Jahrzehnten über Kultur im Ruhrgebiet und über Literatur


Adolf Winkelmann

Filmemacher, Regisseur, Autor und Erfinder, geboren 1946
Kunststudium in Kassel.
Auf Festivals in Knokke, Rotterdam, New York und Paris gilt Winkelmann als Protagonist des europäischen Experimentalfilms. 1967 überrascht er mit dem ersten Selfie-Video der Welt. Er gewinnt den Josef-von-Sternberg-Preis in Mannheim und den „Großen Preis von Oberhausen“.
1975 kehrt Adolf Winkelmann ins Ruhrgebiet zurück. Es entstehen seine ersten Kinofilme „Die Abfahrer“ und „Jede Menge Kohle“, beide ausgezeichnet mit dem Bundesfilmpreis.
1993 konzipiert und gründet er das erste digitale Filmtonstudio Europas in der ehemaligen Maschinenhalle der Zeche Dorstfeld.
1989-1996  -Für seine internationalen TV-Thriller erhält er zweimal den Grimme-Preis.
EXPO2000 Winkelmann porträtiert in seiner Film-Installation “DEUTSCHLAND.PICT” auf 35 Leinwänden die deutschen Bundesländer.
2008 – Der zweiteilige TV-Film “Contergan” wird mit dem Deutschen Fernsehpreis, der Goldenen Kamera und dem Bambi ausgezeichnet.
2010 – Start der dreiteiligen Filminstallation „Fliegende Bilder“ am und im Dortmunder U.
2016 – Spielfilm „Junges Licht“. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ralf Rothmann. Hauptpreis beim Kirchlichen Filmfestival Recklinghausen im März 2016.

Winkelmann ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, Mitglied der European Film Academy, Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie in Berlin.
Für seine außergewöhnliche Medienarbeit wird er 1996 mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen und 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.


Ich freu´ mich drauf!


*unbezahlte Werbung

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Endlich Regen. Druppel voor druppel.

Verdelli! Tagelang glühte die Welt, nun fällt endlich Regen aus den Wolken und bringt wohltuende Kühlung und der Natur draussen das Leben zurück.

Druppels voor druppels.💧💧


(Wer der Werbung glaubt, dass „Dröpje voor dröpje“ im Niederländischen etwas mit Wassertropfen zu tun hat, soll wissen, dass es das Wort „Dröpje“ im Niederländischen gar nicht gibt.  Ein „Drop“ ist in NL ein Lakritzbonbon, und ein „Dropje“ eben ein kleines Lakritz“chen“.

Graag gedaan.

 

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August 1961: Mauerbau und der erste Fernseher.

Soll das wirklich schon 65 Jahre her sein?

Ich erinnere mich noch recht gut an diesen 13. August 1961.
Es war ein Sonntag – ich war gerade zehn Jahre alt und wohnte mit meiner Mutter in Gelsenkirchen-Erle in einer kleinen Dachgeschosswohnung – ohne Bad, aber mit Klo auf halber Treppe, das wir uns mit anderen Nachbarn teilten.

Nur wenige Tage vor dem 13. August 1961 kaufte meine Mutter beim Erler Radiohändler Heitjohann unseren ersten Fernseher – auf Raten.

Solch eine teure Neuanschaffung war damals auch das große Erleben von Erstmaligkeit.

Klar, dass dieser Flimmerkasten schlagartig unser Leben veränderte: endlich waren wir nicht mehr darauf angewiesen, von anderen zum Fernsehgucken eingeladen zu werden oder gar danach zu fragen.
Also verbrachte ich in diesen ersten Augusttagen 1961 beinahe jede mögliche Minute zu Hause – vor dem Fernseher.

Lothar Lange

Der kleine Knirps Lothar, etwa um 1961

Und dann überschlugen sich die Ereignisse: schon am frühen Sonntagmorgen war`s im Fernsehen zu sehen: in Berlin ist etwas passiert!

Etwas Furchtbares, etwas, was Angst machte, denn der Generation meiner Mutter und den noch Älteren steckten die Nachwirkungen des Krieges noch gut spürbar in den Knochen. Man hatte immer Angst davor, dass eines Tages doch noch „der Russe“ kommen könnte.

Und auch wenn ich erst Zehn war, so spürte ich doch an diesem Sonntag, dass die Bilder aus Berlin wirklich Angst machten: überall Soldaten, Militärfahrzeuge, LKW mit Stacheldraht. Am Brandenburger Tor wurde die Straße quer aufgerissen. Auf der einen Seite Soldaten aus dem Osten, mit Maschinengewehren – auf der anderen Seite die Berliner Polizei. Dann auch Panzer!

Unser neuer Fernseher blieb nun bis zum späten Abend eingeschaltet, und auch in all den Tagen danach. Es gab nur noch dieses eine Thema: die Ostzone sperrt alles zu – zuerst mit Stacheldraht, und schon wenige Tage später mit Mauersteinen – und lässt niemanden aus dem Osten auf die andere Seite!

Man sieht Panzer, Maschinengewehre – und Menschen, die sich von beiden Seiten hilflos, erschüttert, weinend zuwinken.

Ich erinnere mich noch an dieses Gefühl der Hoffnung darauf, dass „der Ami“ doch bald kommen wird, um in Berlin zu helfen. Und schon wenige Tage später war dann auch der amerikanische Vizepräsident in Berlin an dieser neuen Grenze – und dazu viele amerikanische Soldaten mit Panzern.

Irgendwann später standen sich amerikanische und sowjetische Panzer in Berlin gegenüber, Bilder, die mir unvergessen geblieben sind. Und die Angst der Erwachsenen vor einem möglichen neuen Krieg übertrug sich in gewisser Weise auch auf uns.

Einige Jahre später passierte ich diese „Zonengrenze“ als Westbesucher immer wieder einmal. Hintergrund war, dass ich einen Halbbruder hatte, der 1959 – also zwei Jahre vor dem Mauerbau – mit seiner Braut von Erle nach Hoyerswerda in die „Ostzone“ zog, dort als Bergmann im Braunkohlengebiet der Lausitz Arbeit fand und eine Familie gründete.

So fuhr ich mit meiner Mutter in den Sommerferien mit Passierschein einige Male in die „Ostzone“. Das Passieren der streng bewachten Zonengrenze mit dem Zug über den Grenzübergang Oebisfelde (Grenzbahnhof der DDR /BRD) war immer spannend, bedrückend und angstmachend zugleich: die Grenzsoldaten hatten ein für uns fremdartiges, feindselig wirkendes Benehmen, es herrschte ein kalter Kommandoton. Die lächelten nicht. Und wir spürten, dass wir ihnen ausgeliefert waren: alles, was wir dabei hatten, war zu öffnen, selbst die mitgebrachten Tchibo-Kaffeebohnen mussten auf die Abteilsitze ausgeschüttet werden, Hosentaschen waren zu leeren. Alle Reisenden hatten den Zug dann zu verlassen und wurden in eine Baracke geführt, während die Grenzer nun den Zug mit unserem Gepäck darin vermutlich auf links drehten.

Diese bedrückende Atmosphäre an der DDR-Grenze hat sich nie verändert, auch später nicht – per Auto – bei Helmstedt. Man hatte stets das Gefühl, für irgendetwas verhaftet, bestraft, oder zurückgeschickt zu werden.

Immer waren es Reisen – wie in ein anderes, wirklich fremd wirkendes graues, ärmliches Land, dessen einzige Farbtupfer die weißen Parolen auf rotem Grund, wie: „Vaterland – Frieden. Sozialismus – wir siegen!“ waren, die an den grauen, tristen Fassaden hingen. Dafür waren aber die Menschen, Nachbarn und Freunde meines Bruders von einer angenehmen Fröhlichkeit, bescheiden und pfiffig zugleich, und manchmal auch flüsternd aufmüpfig…. Man wusste ja nie, wer mithört.

Die Mauer – der 13. August 1961.
Unglaublich, dass das nun schon 65 Jahre her ist.
Meine Freude über die Bilder des Mauerfalls 1989 war unbeschreiblich.
Gänsehautgefühle mit Kloß im Hals.

Und das war gut so.

Lo.

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Sehen wir uns am 3. September in der flora Gelsenkirchen?

Etwas Werbung in eigener Sache.

Kulturraum „die flora“ im November 2024

😉 Voranmeldung unter 0209-1770999 (Heimatbund Gelsenkirchen)
oder per E-Mail: anmelden@heimatbund-gelsenkirchen.de ist erforderlich.

Der Eintritt ist frei,
doch geht zugunsten des Heimatbundes Gelsenkirchen „ein Hut“ rum.

Ich freu‘ mich ganz doll drauf!😉
Lo

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Der stumme Zeuge aus dem Keller. Ein Zufallsfund mit dunkler Geschichte.

Manchmal versteckt sich das Grauen der Geschichte in den banalsten Dingen. Und plötzlich bekommt ein gewöhnlicher, vertrauter Gegenstand durch das Erfahren seiner besonderen Geschichte einen ganz besonderen Wert.

Aber ganz von vorn:
Vor einigen Tagen ging ich in den Keller, um einen alten Aktenordner zu suchen. Ein banaler Alltagsmoment mit Folgen.
Zwischen Koffern und einer Bücherkiste fiel mein Blick auf einen uralten, hölzernen Kleiderbügel, der vor sehr langer Zeit einmal aus dem aufgelösten Haushalt einer Großtante zu uns fand. Wir benutzen ihn über Jahre, ganz normal und gedankenlos. Und irgendwann landete er hier unten zwischen den ausrangierten Büchern und lugte ein wenig aus der Bücherkiste hervor.

Als ich den Bügel aus der Kiste nahm, las ich, vermutlich zum ersten Mal bewusst, die Aufschrift in den noch sehr gut erhaltenen Lettern:
„J. Herrmanns & Co Oberhausen (Rhld.)“.
Einen Namen, den ich unzählige Male übersehen hatte.

Ich kann es nicht erklären, aber irgendwie packte mich die Neugier:
Wer oder was steckte hinter diesem Namen, dem vermutlich längst nicht mehr existierenden Geschäft? Wie alt mag dieser Kleiderbügel wohl sein? Wo mag sich das Geschäft in Oberhausen befunden haben?
Solche hölzernen Kleiderbügel wurden früher von Bekleidungsgeschäften oder Warenhäusern den Kunden mitgegeben, wenn sie dort hochwertige Kleidung kauften.

Meine Recherche führte mich schnell zu einem dunklen Kapitel Oberhausener Stadtgeschichte.
Das Textilgeschäft J. Herrmanns auf der Friedrich-Karl-Straße 24, und das zwei Häuser weiter bestehende Schuhgeschäft Herrmanns wurden einst von den jüdischen Brüdern Julius und Alex Rosenbaum geführt, zwei Geschäfte, die für die gute Qualität ihrer Waren weit über Oberhausens Grenzen bekannt gewesen sein sollen. Weiter las ich, dass in der schrecklichen Pogromnacht im November 1938 beide Läden von den Nationalsozialisten gestürmt, geplündert und in Brand gesetzt wurden.

Werbeanzeige J. HERRMANNS im Generalanzeiger vom 18. April 1930

Nun wuchs in mir der Wunsch, mehr darüber zu erfahren. Die Friedrich-Karl-Straße, der Ort, an dem das Bekleidungsgeschäft J. Herrmanns einst florierte, ist gleich bei mir in der Nähe..
Das historische Gebäude mit der Hausnummer 24 existiert nicht mehr; an seiner Stelle steht heute das moderne Gewerkschaftshaus. Auch die Häuser Nummer 26, 28 und 30 (Schuhwaren Herrmanns) sind nicht mehr die von damals.

Und doch ist und bleibt diese Stelle der Ort, an dem in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 den von mir gefundenen Quellen zufolge ein LKW mit SA- und SS-Leuten vorfuhr, die sämtliche Textilien, Schuhe, und alles, was ihnen von plünderbarem Wert erschien, aufluden, und anschließend die Geschäftsräume, als auch das auf der in der Nähe liegende Warenlager an der Marktstraße Nr. 35 in Brand steckten, somit innerhalb weniger Stunden den Brüdern Rosenbaum und ihren Familien ihre finanzielle Existenz nahmen.

Vor dem Haus Nummer 26 finde ich in den Gehweg eingelassene Stolpersteine. Ihre Messingtafeln tragen die Namen derer, die hier einst lebten, arbeiteten und schließlich vertrieben, im schlimmsten Fall ermordet wurden.

Die Stolpersteine der Brüder Rosenbaum sind in der Oberhausener Innenstadt zu finden:
– Stolperstein JULIUS ROSENBAUM  an der Saarstraße 71
– Stolperstein ALEX ROSENBAUM  an der Elsässer Straße 27

Ein merkwürdiges Gefühl, hier zu stehen: die Friedrich-Karl-Straße ist normal belebt, wie immer. Von dem, was hier vor mehr als acht Jahrzehnten einmal stand, oder sich zugetragen hat, ist nichts zu finden, gar zu ahnen.
Ich komme mir vor, als ob ich mich hier gerade ganz alleine auf einer, mir ganz eigenen Zeitreise befinde.
Und weil ich mich durch meinen Kellerfund in den letzten Tagen so intensiv mit der Herkunft des Kleiderbügels, dem Schicksal der Menschen und den Geschehnissen dieses Ortes beschäftigte, verspüre ich das Bedürfnis, hier für einige Augenblicke innezuhalten.
Obwohl ich mir kein Bild von den Menschen, die hier vor mehr als acht Jahrzehnte lebten und Grausames erlitten, machen kann, rührt mich das – für ich neue – Wissen um die Geschichte dieses Ortes in diesem Moment an. Dieser Ort hat nun eine Bedeutung.

Meine letzte Station vor wenigen Tagen war die Gedenkhalle Oberhausen, die für ihre gute Arbeit bei der Erforschung jüdischen Lebens steht.

Da dieser Kleiderbügel mir ein anfassbares Überbleibsel dunkler Oberhausener Zeitgeschichte während der Novemberpogrome zu sein scheint, möchte ich ihn nicht privat behalten, sonderen der Gedenkhalle für ihre Sammlung überlassen.
Ich stelle mir vor, dass dieser Ort vielleicht einmal der richtige Platz für meinen Kellerfund als kleines Exponat für die dortige, beachtenswerte Dauerausstellung sein könnte.

Ohne beim Besuch der Gedenkhalle gezielt danach gesucht zu haben, entdecke ich in einer Vitrine der Ausstellung – passend zu meinen Nachforschungen – ein offizielles Schreiben der Stadt Oberhausen an den Regierungspräsidenten in Düsseldorf, datiert vom 2. Januar 1939 – nur wenige Wochen nach der Pogromnacht.
Bürokratisch kühl bekundete die Stadt darin ihr direktes Interesse am Erwerb genau des jüdischen Grundeigentums von Julius Rosenbaum an der Friedrich-Karl-Straße 24–26.
Die systematische Enteignung schwarz auf weiß.

Wie war das noch?
Ich wollte doch eigentlich nur kurz in den Keller, um einen Aktenordner zu suchen.
Und zurück kam ich mit einem stummen Zeugen furchtbarer Geschehnisse, die sich genau hier, vor meiner Haustür in Oberhausen, ereignet haben, die mich berühren und zur Folge haben werden, dass ich diese besonderen Orte bei mir „um die Ecke“ ab jetzt mit anderen Augen sehe.

 

Ein einfacher, unscheinbarer Kleiderbügel nur.
Ein stiller Zeuge, der daran erinnert, wie wichtig es bleibt, wachsam zu sein, damit Ausgrenzung nie wieder Raum gewinnt.

Die verabredete Übergabe an die Gedenkhalle hat bereits stattgefunden.

Lothar Lange

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Ich bin Fußballdumm.

Verdelli, es kommen schwere Zeiten auf mich zu.
Die Droge Fussball wird vermutlich viele liebenswerte Menschen um mich herum in ihrem Griff haben: sie werden den Kick beim Kickengucken erleben, ihre Gesichter bemalen, wehrlose Kleinkinder und Hunde in überteuerte bunte Trikots zwängen, ihre Autos beflaggen, sie werden hoffen, zittern, schreien, fluchen, sich in den Armen liegen, und wenn´s ganz schlimm kommt, ihre Fernsehgeräte aus den Fenstern werfen.

Und ich?
Was macht man nur an diesen Tagen, wenn man von Fußball nur wenig versteht?
Auswandern? Wohin?
Werde ich ab jetzt von der Gesellschaft überhaupt wahrgenommen?
Droht mir die Vereinsamung?
Ich würde aufrichtig gern teilhaben an der Leidenschaft der anderen.
Klappt aber nicht. Obwohl ich ja im Schatten des Gelsenkirchener Parkstadions aufgewachsen bin.
Ich würde nur dumme Kommentare abgeben, oder an der falschen Stelle jubeln.
Gut, ich könnte mich nützlich machen: Bier holen und Knabbergebäck, am Grill auf die Würstchen aufpassen, aber so richtig würde mich das nicht ausfüllen.

Ich gebe es zu: ich bin fussballdumm.

Eine meiner ersten Podcast-Beiträge aus dem WM-Jahr 2006 (!) ist immer noch hochaktuell. Jedenfalls für mich.

Hört mal:

 

Viel Spaß beim Lauschen und beim Rudelgucken!

Bissi Tage!

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Borussia Blümchen.

Borussia Blümchen, entdeckt in Oberhausen.

 

… mit der vermutlich seltenen Gabe, gleichzeitig Fußball und Blumen zu bewundern.*


*Pssst….mein Geheimnis: ich bin nachweislich Fussballdoof.
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