Maria? Mia? Oder watt?

Uff, soeben bin ich zurück – und immer noch völlig ergriffen.
Ich war noch nie in meinem Leben an einem Wallfahrtsort – zumindest nicht dann, wenn Pilger zuhauf ehrfurchtsvoll und andächtig diese ihnen heiligen Stätten aufsuchten, denen ja besondere Wirkung zugesprochen wird, wie Heilung von Krankheiten oder rätselhafte, lebensverändernde Erscheinungen.

Header Spirit

Ich, der 1978 amtlich meinen Unglauben an die Wirkung von Kirchensteuer habe feststellen lassen, muss zugeben, dass ich mich beim Betreten der heiligen Stätte still verhielt – und mich beinahe nicht traute, einen Fuß vor den anderen zu setzen, um nur keine Geräusche zu machen. Immerhin wollte ich die besondere Stimmung dieses Raumes nicht durch meine unwürdige Anwesenheit zerstören. Es hat auch mit meinem Respekt für Andersgläubige zu tun.

Und so beobachtete ich meine Mitmenschen, die vermutlich so viel auf sich genommen haben, um aus der ganzen Republik hierher zu kommen.
Und ich sah ihnen ihre Freude, ihre Ergriffenheit, ihr Glück und ihren Glanz in den Augen an: Junge und Alte, Väter mit ihren Kindern, auch Mütter – wie sie die dort angebotenen Devotionalien betrachteten, zaghaft berührten und ganz bei sich waren, vermutlich mit dem inneren Bild vor den Augen, einen – oder mehrere – dieser heilsversprechenden Gegenstände zu erwerben und heimzubringen, um sich dort an ihnen zu erfreuen, sich mit ihnen nahe derer zu wissen, die sie verehren und deren Bilder hier an diesem Ort überall zu sehen sind.

Und: las ich da in großen Letter nicht: „Maria! Santa Maria!“???
Als ich näher hinsah, stand dort nur  „Mia san Mia!“
Vermutlich eine moderne Kurzform der Anbetung – von der ich als Heide natürlich nichts wissen konnte.

Wat soll ich sagen? Ich kaufte auch etwas.
Nicht für mich, sondern für einen Freund, der mich darum bat, weil er weit weg von Oberhausen wohnt, dem einzigen Wallfahrtsort dieser Art außerhalb des weiss-blauen Freistaates im Süden.
Eine Devotionalie, die ihm Schutz und Sicherheit schenkt, wenn er sie bei sich hat und trägt. So glaubt er – und ich wünsche es ihm von Herzen, dass sie wirkt.

Bayernschutz

Bissi Tage!


 

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Tofften Buchtipp: Ruhrgebietssprache

„Kumma, da kommt der Willi – und gezz hatter auch noch seine Kampfschnake im Arm. Kär, wat hat die dünne Kackstelzen, an die is donnix dran, dat is ja´n richtiget Luftkottlett, aber wat willze machen: dat muss Liebe sein, wenne mich frachss!

Jau! Die Ruhrgebietssprache ist schon ein wenig deftig. Dafür auch ehrlich und sehr herzlich. Keine Frage: sie ist der schönste Dialekt der Republik.

Ich bin mit ihr aufgewachsen. In Gelsenkirchen – mit langezogenem „iiiieee“.  Im Schatten der Zeche Graf Bismarck. Ärmlich, aber nicht unglücklich. Mit Pisspottschnitt, Kohleofen, Zinkbadewanne für Samstachs, Gemeinschaftsklo auf halber Treppe und „nix inne Mauken“ (ein bissken schwächlich), einerseits frech wie Dreck, andererseits mit ordentlich Schiß vor dem Bullemann. Und mit Zuckerbrot (auf Margarine).

Jeder Tacken (Groschen) wurde anne Selterbude (Trinkhalle/Kiosk) in Klümmkes (Bonbons) umgesetzt. Und wenn einmal im Monat bei den Erwachesen „Kapinskifest“ war (Geldtag/Lohnauszahlung), dann stand Bier und Schabau (Schnaps) auffem Tisch – und et fiel auch immer igendwat Süßet für uns Blaagen ab. Verdelli, lange her.
Huch! Ich schweife ab.

Wo war ich stehengeblieben`? Ach ja: Ruhrgebietsdeutsch.

Wer auf sehr amüsante Art (fast) alles über die Ruhrgebietssprache erfahren möchte, dem lege ich dieses tolle Werk von Werner Boschmann ans Herz. Es enthält nicht nur eine riesige Sammlung hiesiger Ausdrücke, sondern durchaus auch Liebliches, oder „die zehnstufige Liste der ruhrdeutschen Trunkenheitsgrade“,  sowie „die wichtigsten Beleidigungen“ – und sooooooo viel mehr. Herrlich.

Für mich ist es ein Buch, das ich lange schon stets griffbereit in meiner Nähe habe, wenn ich mich erinnern (oder mal „beömmeln“) möchte…

Kurzum: dat Buch is wirklich wat für´t ganze Leben, kostet beim Verlag selbst nur € 9,90 – kein Porto – und: Werner Boschmann legt noch ´ne Tüte „Klümmkes“ dazu.

Gibt es hier: BÜCHER VONNE RUHR

Ruhrgebietssprache BUCH

Werner Boschmann
Lexikon der Ruhrgebietssprache
von Aalskuhle bis Zymtzicke
Mit einer Revier-Grammatik und
den Höhepunkten der deutschen Literatur
– in reinem Ruhrdeutsch –

144 Seiten, gebunden, mit vielen Fotos;
ISBN 3-922750-01-X
12. veränderte, Auflage
9,90 €

Dieses Standardwerkes spiegelt die aktuellen und aktuellsten Veränderungen des wichtigsten Dialektes, den der deutsche Sprachraum besitzt, wider. Und so enthält die Neuauflage des Lexikon der Ruhrgebietssprache unter anderem:

• Vollständige Grammatik der Ruhrgebietssprache
• Erstmalig die zehnstufige Liste der ruhrdeutschen Trunkenheitsgrade
• Die Revier-Beleidigungsstufen mit 241 exakt zugeordneten Beleidigungen
• Liebliche Bezeichnungen von Lappes bis Etteken
• Wichtige Gesprächsregeln für Anfänger und Fortgeschrittene
• Die Höhepunkte der deutschen Literatur
• Eine kleine Geschichte des Ruhrdeutschen von Dirk Hallenberger
• NEU Ratgeber für Lauschepper – Erfolgreich bestechen im Ruhrgebiet

Fotos: Verlag Henselowsky Boschmann

Ich empfehle das Buch privat und unentgeltlich,
weil ich es einfach so gelungen finde
und meinen Spaß daran teilen möchte.

Bissi Tage!

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Freispruch für die Hexen.

Hexenhut Verdelli, war dat ´ne schlimme Zeit!
Und dat Oberschlimme dabei is, datt ich ´n ganz falschen Verdacht hatte!
Jau! Und der Schuss ging ja sowatt von daneben!
Wobei: et war ja keiner.
Also: kein Schuss!
Und auch keine Hexen.
Et fand überhaupt kein Schusswechsel statt!
Ich lag aber wochenlang Tach und Nacht wie angeschossen mit Schmerzen inne Gegend rum, hab mehrere Ärzte vor ein unlösbaret Rätsel gestellt, die mich in laute Röhren stoppten und mir dann mit Morphinen die buntesten Träume verschafften, aber die Piene!*), die krichten se – auf Deubel komm raus – nich weg.
Und die waren nich ohne.
Verdelli, wat happich da auffe Hexen geschimpft!
Gezz muss ich mich aber bei alle Hexen entschuldigen: Ihr wart dat gar nich.
So gerne mir dat auch Leid tut – aber Ihr seid unschuldig.
Nix für ungut.
Könnt weiterfliegen.

Bissi Tage!


*) Piene (auch: Pinne)
Schmerzen; z. B. Zahnpine/Zahnpiene = Zahnschmerzen;
Kopppine/Kopppiene = Kopfschmerzen
Guck mal hier:
Auszug aus: Ruhrgebietssprache.de

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Feiger Schuss aus dem Hinterhalt

Header ballonschuss

Verdelli, war dat feige! So richtich fies, feige und hinterhältich.

Schon allein, wat die so genannte „Verhältnismäßigkeit der Mittel“ betrifft: ich war nur mit ´ner Akku-Heckenschere bewaffnet und hab im Garten die Buxbäume in Form geschnitten. Und ich schwör: in friedlicher Absicht!

Die Sonne schien, ich hatte so richtich Spässken, weil et so töfte klappte mittem Schneiden vonne Buxbäume – allet war schön.

Und dann: ZACK! Aber wat für´n ZACK! – krich ich so ein heftigen Stich innen Rücken, datt ich mich wie´n Wurm krümme. Und dann mitter Heckenschere in dieser Stellung verharre – wie versteinert oder schockgefroren. Aua!!!

WER WAR DAT? 

Um dat rauszukriegen, wäre Umdrehen dat richtige Mittel, wat aber nich geht – weil et höllisch wehtut.

„Dat issen Hexenschuss“ – sacht der Otto Päde. Und ich glaubte, dattet keine Hexen mehr gibt. Aber wer weiß?

Sowatt gehört sich donnich, einem friedlichen Menschen einfach so in den Rücken zu schießen.

Und dat als Frau. Is doch wahr…


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Pssst… Heute!

Heute ist Schnittblumen-Dienstag. In Süd-Aldinien. Weiss eigentlich jemand, wann Pommes-Mittwoch ist?

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Stimmt. Oder?

😊

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Die Talkdrüse.

Header Buchstaben Lo

Meine Gedanken treiben häufig gern Schabernack, vermutlich, weil sie wissen, dass sie bei mir absolut freie Bahn dazu haben, erst recht, wenn es um Wortspielereien geht.

Als ich neulich im Badezimmerspiegel etwas auf meiner Stirn entdeckte, was wie ein Mückenstich aussah,  kam mir der Begriff ´Talgdrüse´ in den Sinn – und plötzlich erschien vor meinem geistigen Auge das Bild von Barbara Schöneberger.
Als TALKDRÜSE.

Ich mag Gedankenschabernack.

Lo

 

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Die Systemrele-Wanze. Von Wortgeburten.

Header Buchstabennudeln

Vermutlich geht es vielen so: man liest, sieht fern, oder lauscht am Rundfunkgerät. Und plötzlich ist es da: ein neues Wort. Eine neue Floskel. Oder ein bereits bekanntes Wort, aber in einem ganz neuen Kontext. Von irgend jemandem in die Welt gesetzt und sich schneller verbreitend als ein Virus.

Die Chance, einen Virus zu bekämpfen, dürfte wesentlich größer sein, als ein in die Welt gesetztes Wort für immer und ewig zu tilgen. Letzteres dürfte gar unmöglich sein. Ist es einmal geboren, lebt es ewig. Zumindest, so lange es Menschen gibt.

Systemrelevanzund System-relevanten Berufe“ sind aktuelle Beispiele. Und wie solche Begriffe wirken können, darüber schreibt lesenwert Reiner in seinem Blog „Wupperpostille“

Die Systemrele-Wanze setze ich jetzt aus Jux in die Welt und bin gespannt, ob es wohl einen Kammerjäger gibt, der diesem Tier den Garaus zu machen in der Lage ist.

Apropos „Menschen“: auffällig häufig hört man in letzter Zeit Politiker abgehoben von „den Menschen draußen im Land“ schwadronieren.

Wenn ich es mir aussuchen darf, dann bin ich lieber ein Mensch draussen im Land, als ein Politiker, drinnen im Wahn, von einem anderen Stern zu sein.

Bissi Tage!
Lo


 

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Appsolut lebensgefährlich!

Header Strassenbahn Kohlenspott

So, gezz happich auch die App gegen Klorollia – obwohl ich doch ein bissken Schiss hab, weil: ungefährlich isset ja nich – mit dieser App.

Sie is sogar verdammt lebensgefährlich – und dat meine ich gezz nich als Verschwörungsfuzzi, sondern im Vollbesitz meiner geistigen Schwäche – und ich kannet auch erklären.

Angenommen, ich gehe so mit der App durche Stadt und will gerade auffe andere Straßenseite – denk an nix Schlimmet – und auf einmal kricht mein Handy so einen Pusch, weil ich grade an einem positv eingestellten Menschen vorbeigekommen bin, wat mein Handy ja merkt und mich dann anpuscht. Durch den Pusch guck ich erschreckt auf mein Handy, statt auffen Verkehr – und komme unter die Straßenbahn.
Wenn ich Pech hab, bin ich dann tot.

Hab ich Glück, is nur ein Bein app, aber immerhin.
Is auch nich gerade schön. so´n appet Bein.
Mit ´nem appen Bein is man arm dran.
Und schuld is die App.

Trotzdem: ich hab die App erst mal drauf, und gehe app sofort immer nur noch dahin, wo gar keine Straßenbahn fährt.

Bleibt gesund – und bissi Tage!
Lo


Foto: pureshot/Pixabay (bearbeitet)
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Rückspiegel: Klassenclown

Header Rückspiegel
In meinem (Rück-)Spiegel sehe ich manchmal das Kind, das immer gern den Klassenclown gab, weil es damit ablenken konnte von dem, was es nicht hatte, nicht konnte, oder nicht war, oder weil es einfach auch nur „dazugehören“ wollte – und das schon damals davon träumte, einmal Schauspieler zu werden, oder etwas anderes Großartiges. Hauptsache, es löst Bewunderung aus bei denen, die man selbst bewunderte.

Einige von ihnen habe ich nach Jahrzehnten wiedergetroffen und dabei erkannt:
ich hätte den Clown damals gar nicht geben brauchen.

Lo


Foto von Erin Alder auf Pixabay (Ausschnitt)
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