Ich bin erleuchtet.

Isset nich so?
Da geht Dir in einer der seltenen stillen Minuten plötzlich ein Licht auf, und Du fragst Dich: „Kerl inne Kiste! Wieso bin ich eigentlich nicht schon früher drauf gekommen?“
Gestern hatte ich wieder so einen hellen Moment: ein Nachbar wünschte mir einen schönen, ersten Advent. Ich bedankte mich artig und wünschte ihm dat Gleiche zurück.

Und dann ging mir ein Licht auf:
Wie? Wat? Den ersten Advent? Dat stimmt doch gar nich! Von dem happich gar nix mitgekricht.
An meinem ersten Advent war ich vermutlich froh, dat ich ´ne trockene Windel und ein warmet Haferflockenfläschken zum Sattwerden hatte.
Und dann happich gezählt: morgen ist mein 281. (!) Advent.

Ich bin ja nich katholisch, und eigentlich bin ich ja nix, wat dat Fromme angeht, aber gezz könnte ich ja mal an den Papst schreiben, und ihn fragen, ob dat nich als echtet Wunder zählt, datt mir gerade zu Advent so ein richtich großet Licht aufgegangen is.

Bissi Tage!

…erleuchtet.


 

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Noch´n Gelsenkirchener Limerick

Eine alte Masurin aus Allenstein
kam extra nach Buer wegen Gallenstein.
Doch im Bergmannsheil
fand niemand das Teil.
Wird ihr unterwegs wohl entfallen sein.


Limerick aus: „Gelsenkirchener Geschichten“
Buer = nördlicher Stadtteil von Gelsenkirchen
Bergmannsheil: Krankenhaus in Buer

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Oh, de Toilette!

Ich las heute morgen, dass man am 22. November 2022 den Welt-Toiletten-Tag begeht. Oder vielleicht besser vielleicht: be“sitzt“?

Das erinnert mich daran, dass ich vor einiger Zeit einmal wieder im knuffigen Oberhausener HOSTEL VERITAS einkehrte, weil es dort eine aussergewöhnlich leckere Currywurst gibt, wo mir dieser kleine Bilderrahmen, der auf der Theke stand, mit seinem pfiffigen Spruch auffiel:

Veritas Toilettenschild

Vor langer, langer Zeit fand ich im Elsass eine, den Toilettengang betreffend lehrreiche Postkarte, die dann den kleinen „Palast der Winde“ unserer ersten Wohnung zierte. Dieser Welt-Toilettentag ist doch ein schöner Anlass, diese alte Karte herauszukramen, um sie der Welt unbefleckt und garantiert geruchsfrei zu präsentieren:

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Voila! Amusez vous! 😉


…soeben verduftet.


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Angst vor dem Bullemann. Kindheit im Pott

„Wenn Du jetzt nicht sofort lieb bist, sag ich dem Bullemann Bescheid! Wirst schon sehen, was der mit Dir macht: der nimmt Dich mit! Willst Du das?
Pssst!!! Sei mal leise! Da hat doch was geknackt! Warte mal, ich glaub, der schleicht gerade die Dachbodenleiter hoch, der Bullemann! Der hat bestimmt gehört, dass Du nicht lieb warst, und wartet da oben auf Dich!“

Jau, ich hab das Knacken auch gehört. Mein Herz klopft. Das kann nur der Bullemann sein, denn hier im Dachgeschoss wohnt neben uns nur noch Omma Urbanski, und Omma Urbanski ist alt, die schafft gerade mal mit Mühe die Treppe runter zum Klo auf halber Treppe, das wir mit ihr teilen. Die steilen Stufen zum Dachboden hoch, das kann sie nicht mehr, und was soll sie da auch? Da oben steht nur olles Gerümpel, da ist es muffig und dreckig und voll mit dicken fetten Spinnweben.
Aber von dort oben knackt es immer wieder mal. Das kann nur der Bullemann sein. Und vor dem habe ich Schiss. Richtig Schiss…

Unsere kleine Dachwohnung in Gelsenkirchen-Erle liegt in einer dunklen Ecke links hinter der Dachbodenleiter. Wenn ich von draußen zu uns in die Wohnung hochkomme, habe ich immer Bammel, dass der Bullemann dort hinter der Ecke auf mich lauert. Tagsüber geht es, aber wenn es abends schummerig ist…
Das trübe Flurlicht reicht nicht ganz bis um die Ecke herum. Und so eine elektrische Haustürklingel, wie die in den Neubausiedlungen, haben wir nicht. Schade. Denn dann könnte ich unten klingeln, und meine Mutti würde oben auf mich warten. Ist aber nicht, also stampfe ich, wenn ich die Treppenstufen hochgehe, etwas lauter auf und rufe hoch, dass ich jetzt komme. Sicher ist sicher.

Schlimmer, viel schlimmer ist es aber im schwarzen Kohlenkeller: da gibt es nur eine kleine Lampe, gleich am Anfang, wenn man die Kellerteppe runterkommt. Dahinter bleibt alles dunkel. Direkt vor Kopf kann man durch die Ritzen der Heizungskellertüre sehen, wie es im großen Koksofen, der das Friseurgeschäft und die Wohnung unseres Hauseigentümers wärmt, rötlich flackert. Und es bullert darin. Hier unten wohnt der Bullemann, sagt Mutti.
Das ist doof, denn wir haben bei uns oben unterm Dach nur einen Kohleherd, und für mich ist es das Schlimmste, wenn ich zum Kohlenholen ganz alleine in den Keller runter muss. Mit Kohleneimer und Taschenlampe. Dorthin, wo der Bullemann auf mich wartet.

Immer wieder bettele ich, Mutti soll doch bitte, bitte mitkommen, doch das macht sie selten. Wenn ich Glück habe, sind meine Freunde, die im Haus wohnen, hinten auf dem Hof. Denen kann ich dann sagen, dass ich im Keller bin, damit sie sich oben an der Kellertüre hinstellen. Mit herunterzukommen trauen sie sich nicht.
Sie wissen schließlich auch, dass der Bullemann da unten lauert.

Also: erst die Taschenlampe an, dann die Kellertüre auf, Licht anknipsen, mit rasendem Herzkloppen nach unten an dem glühenden Bullerofen vorbei in den unbeleuchteten Gang nach links zu unserem Keller. Das Aufschließen des Vorhängeschlosses ist meist schwierig, weil ich ganz rappelig vor lauter Angst den kleinen Schlüssel nie schnell genug ins Schloss bekomme.
Rein in unseren Keller, gegen die Angst anpfeifen, Kohlen in den Eimer schaufeln. War da nicht etwas? Hat da was geraschelt? Boah! Jetzt aber so schnell wie möglich hier wieder raus, nach oben: geschafft!!!

Wie der Bullemann wohl aussieht? Ich glaube, dass der richtig groß ist und einen ganz dunklen Umhang trägt, zottelige Haare und einen langen Bart hat und richtig böse guckt. Und dass der Kinder mitnimmt, wie die Großen immer sagen. Erst recht wenn man nicht lieb oder still ist.

Einmal dachte ich, dass ich ihn gesehen habe: oben, direkt an der Ecke vor der Dachbodenleiter, als ich – im Dunklen, abends! – ganz allein zu Hause war und eine Treppe tiefer aufs Klo musste. Ich öffnete die Wohnungstüre, wollte gerade in den Hausflur gehen, als eine riesig-große dunkle Gestalt – an der Dachbodenleiter angelehnt – dastand – und sich nicht bewegte. Vor Schreck sprang ich in die Wohnung zurück und schloss ganz schnell die Türe hinter mir zu, rannte ins Schlafzimmer, versteckte mich unterm Bett meiner Mutter – hielt mir vor lauter Angst ganz feste die Ohren zu und blieb dort mucksmäuschenstill liegen, in der Hoffnung, dass der Bullemann jetzt bloß nicht durch die Türe kommt und mich holt. Eine lange Ewigkeit lag ich dort angespannt vor Angst, immer feste meine Ohren zuhaltend.
Plötzlich Schritte von nebenan, ich hörte ganz dumpf, wie die Schlafzimmertüre aufging. Jetzt kommt er! Lieber Gott, wo bleibt Mutti? Ich mach mir gleich in die Buxe!
„Jungchen, was machst Du denn da unterm Bett? Komm mal da hervor!“
Muttis Stimme! Ich erkannte von hier unterm Bett, dass es ihre Schuhe waren, kroch aus meinem Versteck hervor und erzählte ihr aufgeregt, dass ich im Hausflur den Bullemann gesehen habe.
„Zeig mal, wo hast Du den gesehen?“
„Da im Flur, ganz groß stand der da!“
„Komm, sollen wir mal gucken, was da war?“
„Neee!!!“
Meine Mutter nahm mich an die Hand, öffnete die Wohnungstüre und – da stand er noch immer – und bewegte sich nicht! Der Bullemann!
Ohne Schiss ging meine Mutter auf ihn zu und sagte zu mir:
„So. Jetzt guck mal genau hin! Das ist kein Bullemann, Jungchen, das ist eine Teppichrolle, das ist der neue Teppich von Omma Urbanski. Den bekommt sie morgen verlegt. Komm mal her, den kannst Du ruhig auch anfassen. Der frisst Dich nicht.“
Tatsächlich: da lehnte eine große dunkle Teppichrolle an der Dachbodenleiter.
Jetzt sah ich es auch, aber so richtig weg war meine Angst trotzdem noch lange nicht.
„Mutti, ich muss runter aufs Klo, bleibst Du hier oben stehen, und wartest?“

* * * * *

Lothar Lange, Kindheitserinnerung


Den Bullemann, diese Kinderschreckfigur haben sicher die allermeisten Erwachsenen im Ruhrgebiet aus ihrer Kindheit noch mit Grausen in Erinnerung.

„Eltern, Großeltern, Ammen oder andere Kinder erzählten Kindern vor allem in früheren Jahrhunderten von solchen Gestalten. Klassisch ist das Motiv des „Kinder-Mitnehmens“, bei dem den Kindern damit gedroht wurde, dass die Schreckfigur kommen und sie „holen“ würde, wenn sie nicht brav wären. Ebenfalls wurde oft mit Figuren gedroht, die Kinder „auffressen“. Aus Wikipedia: Kinderschreckfigur

Bullemann und Co
Die schönsten Gruselgeschichten aus dem Ruhrgebiet
Verlag Henselowsky u. Boschmann
Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 120 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3922750443
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3922750444

Psychologen schicken den, der Aufzüge fürchtet, nach Bochum in die Ruhr-Universität; den, der die Höhe fürchtet, nach oben auf den »Florian« im Westfalenpark; den, der die Enge fürchtet, in die »Arena auf Schalke«. Wie kann das Ruhrgebiet geheilt werden, dem vor sich selbst gruselt? Es kann nur eine Antwort geben: durch Gruselgeschichten! Gruselgeschichten aus dem Ruhrgebiet! Denn sie ermöglichen einen tiefen Seelenblick, mit dem wir endlich einmal befreit über uns selbst schmunzeln können. Sie haften an unserem Erdfleck, enthalten Züge derber rheinischer Komik und den Hang zur westfälischen Spökenkiekerei. Sie lassen uns Ruhrkolorit spüren, und aus ihnen können wir das dringend benötigte regionale Selbstbewusstsein schöpfen. Sie ermuntern uns schließlich zu Widerstand gegen Bullemann und Co., indem deren Tricks und Schliche schonungslos offen gelegt werden.


Das ist mir wichtig: wenn ich hier hin und wieder ein Buch beschreibe, das mir gefällt, so geschieht dieses stes ohne wirtschaftliches Interesse meinerseits, frei jeglicher Beeinflussung meiner Meinung und grundsätzlich ohne Gegenleistung, ausser vielleicht, dass die Freude der Autoren/ der Autorin/nen darüber mein ach´ so altes Herz erfreut.
Dat isso! 🙂
Lothar Lange

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Anrüchiges.

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Toiletten im Oberhausener Rathaus

Der Ort, auf dem man still verweilt,
wird neuerdings ja aufgeteilt.
Verrückt, jedoch – so will das Recht:
drei Klos für dreierlei(!) Geschlecht.
Für Ihn, für Sie und für Dazwischen
fürs Defäkieren oder Pischen.
Für Oberhausens Bürgertum
gibt´s im Rathaus Klos fürs Publikum.
Hier wird wohl, wenn´s „Geschäft“ beendet,
wohl gern auch mal Applaus gespendet.

 

gestern noch dicht.
Heute Dichter.


 

 

 

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Wenn es mir schlecht geht…

„Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler.“

Philippe Dijan. Schriftsteller.

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Ich steh´ auffem Schlauch.

Verdelli, datt ich mich mal an sonnem Glücksspiel beteilige, hätte ich auch nie gedacht. Und erst recht nich, datt dat bei mir zur Regelmässigkeit wird.
Nee, sowat wär mir nie in´n Sinn gekommen.
Ich mach et trotzdem. Und dat immer – und immer wieder.

Also nich, datt ich süchtich bin. Bin nich nich. Ischwör!
Aber ich kann damit nich aufhören.
Wat happich schon allet versucht, et ganz sein zu lassen. Aber et is nich möchlich.
Ich brauch dat. Und ich brauch auch diesen Stoff.
Und dat wissen die Dealer. Und die nutzen et aus, machen mit mir, wat se wollen.Spielen mit mir Katz und Maus, drehen den ganzen Tach den Zeiger an ihrem Glücksrad, auf dem die Preise für den begehrten Stoff aufgemalt sind, und lachen sich kaputt über mich, weil ich nie weiss, wann ich am günstichsten zuschlagen kann, um an mein flüssiget Gold zu kommen.

Wie neulich, morgens, kurz nach neun. Ich komm anner Tankstelle vorbei, zeicht die Preistafel einen Literpreis für Super von € 1,99
Hömma! Drei Stunden später is die gleiche Suppe schon für € 1,94 Euro zu kriegen.

Egal: am Namittach, kurz nach Drei verticken se den Liter für € 1,89
Und am Abend um 20:00 Uhr, wenn allet am Tagesschau gucken is, krisse die Pampe billiger – wie vonne Resterampe – für schlappe € 1,85 Euro.

Dat hat doch nix mit Handel oder mitte alte Tugend vom ehrbaren Kaufmann zu tun: dat is entweder Glücksspiel, oder se wollen Dich vonne Tagesschau weglocken, damitte nich schlau wirst!

Dat sind allein bei ´ner Tankfüllung von fuffzich Liter ganze sieben Euro Unterschied zwischen Morgens und Abends für ein und dieselbe Ware. Da stimmt doch wat nich!

Ich tippe mal auf Glückspiel, denn sonne Tanksäule, die unterscheidet sich doch in nix von einem Glücksspielautomat, weil et doch oft so is, datt gerade in dem Moment, wo Du auffe Tankstelle fährst, der Preis wieder hochgegangen is, und Du et erst beim Bezahlen merkst. Dat issen absolutet Glückspiel!

Ich hab mal die olle Tante Gugel befragt, die weiss ja allet. Und da steht:

Die Bundesregierung hat sich darauf verständigt, zu unterscheiden, ob eine Glücksspielart ein hohes oder ein niedriges Suchtpotenzial aufweist und sie entsprechend als legal oder als illegal einzustufen. Bei Glücksspielautomaten besteht nach Auffassung der Bundesregierung ein erhöhtes Suchtrisiko.“
Und dat, so steht da weiter, „führt zu Reizbarkeit oder finanzielle Schwierigkeiten, so datt man sich bei Freunden oder Familie Geld leiht, Vernachlässigung des Umfelds und Stimmungsschwankungen.“

Ja, und gezz bin ich auch mit meiner Stimmung am Schwanken, denn – wenn die Bundesregierung dat Benzin-Preisroulette als Glücksspiel anerkennen würde, wär dat auch doof. Denn die würden doch sofort auf den Sprit auch noch die Glücksspielsteuer draufzuhauen. Mist!

Na Tankeschön! Gezz weiss ich auch nich mehr weiter-
Ich steh´auffem Schlauch.
Bissi Tage!
Signatur Lo von Kohlenspott

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Dropje voor dropje…

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir uns sehnlichst gewünscht,
es möge endlich einmal wieder reichlich Nass vom Himmel stürzen.

So, herrlich nass, wie heute hier im Revier.
Einfach nur schön: dropje voor dropje…

Beruhigende Geräusche….
Kuscheldeckenzeit hat begonnen.

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Das „Ruhrgebietchen“ und seine besten Seiten. Ein Buch.

Seit ein paar Tagen habe ich Stubenarrest. Dabei habe ich nix Schlimmet verbrochen. Ganz im Gegenteil. Ich bin ein positiver Mensch und habe zum Beweis dafür auch`nen richtigen ärztlichen Test gemacht – und bestanden. Also bleibe ich brav zu Hause und schnappe mir endlich auch mal die Bücher, die ich längst gelesen haben wollte. So wie dieses mit dem Titel „Ruhrgebietchen“.

Ruhrgebietchen? Klingt dat nich ein bissken übertrieben niedlich?
Immerhin leben hier allein schon mehr Menschen, als in ganz Hamburg, München und Köln zusammen!

Ruhrgebietchen….! Tss…, und die Titanic war ´n kleinet Böötchen, oder wat?

Stimmt, aber isset nich so, datt man, wenn man wat richtig gern hat, datt man dat irgendwann mit niedlichen Kosenamen benennt?

„Schätzken“, „Püppken“, „Herzken“ – wir Ruhris hängen immer gern ein „ken“ zum Verkleinern hinten dran. Da kann auch schomma aus ´nem pummeligen Dickerchen ein hingehauchtet „Mäusken“ werden.
Dat Verkleinern, dat hat eben wat mit Mögen zu tun. Und mit Wertschätzung. Und mit Vertrautheit. Und dat heißt ja nich, datt man allet nur lobt. So `ne vertraute Beziehung, die verträgt auch schomma ehrliche Worte. Dat gehört beie Liebe einfach dazu.
Ja, und genau so is dat auch mit dem Buch über dat „Ruhrgebietchen“.

„Wir 36 kennen unser Ruhrgebietchen! Wir dürfen ihm auf die Schulter klopfen und so richtig die Meinung geigen; wir können treffliche Geschichten von gestern, heute und morgen erzählen über das, was an ihm liebenswert ist und was nicht. Wir sind seine geborenen Kritiker. Dieses Buch ist ein Vergnügen für alle Kinder des Ruhrgebietchens.“

Die Geschichten (und Gedichte) der 36 Autoren und Autorinnen, alle mit Bezug zum Ruhrgebiet, sind so kurzweilig, datt ich sie auf meinem Styrumer Südbalkon bei herrlichstem Herbstsonnenschein an einem Tag verschlungen, und somit die Umstände meines Stubenarrestes komplett vergessen habe. Lecker Tässken Tee dabei. Toffte.

Grüße aussem Kabüffken!


Ruhrgebietchen
Was deine Kinder an dir lieben und was nicht
224 Seiten · gebunden · Lesebändchen
ISBN 978-3-942094-80-1 · 9,90 Euro
Vonne Ruhr – Verlag Henselowsy Boschmann


Das ist mir wichtig: wenn ich hier hin und wieder ein Buch beschreibe, das mir gefällt, so geschieht dieses stes ohne wirtschaftliches Interesse meinerseits, frei jeglicher Beeinflussung meiner Meinung und grundsätzlich ohne Gegenleistung, ausser vielleicht, dass die Freude der Autoren/ der Autorin/nen darüber mein ach´ so altes Herz erfreut.
Dat isso! 🙂

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Wurst-Case über den Wolken!

Über den Wolken… muss die Freiheit wohl grenzenlos sein….
Nö. Isse aber nich. Da gibt et auch Grenzen.

Ich sitze im Flieger nach Hause, freue mich über meinen schönen Fensterplatz auf der rechten Seite und werde beim Hinausschauen – wie immer beim Fliegen- zum staunenden Kind. Viereinhalb Stunden wird der Flug dauern.
Die Sicht ist toll: ich erkenne die nordwestliche Küste Marokkos, später dann ganz deutlich auch die Straße von Gibraltar.
Fliegen ist großartig. Auch wenn man es mir tausend Mal mit physikalischen Kräften, Auftrieb und Schwerkraft und Geschwindigkeit erklärt: für mich bleibt es ein Wunder, dass sich so ein tonnenschweres Flugzeug in der Luft hält. Ich schaue weiter aus dem Fenster, der Bordservice spult sein übliches Verkaufsprogramm mit Snacks, Getränken, Zigaretten, Kosmetik, Uhren und Billig-Geschmeide ab. Später noch eine Durchsage des Kabinenpersonals, dass noch kleine Snacks zum vergünstigten Preis zu erwerben sind.

Ich versuche, etwas die Augen zu schließen, rufe mir meine schönen Urlaubstage mit langen Strandwanderungen in Erinnerung, freue mich auf Zuhause und bin rundherum zufrieden. What a wonderful world.

Nanu? Meine Nase signalisiert mir, dass etwas nicht stimmt! Trotz Maske.
Geruch ist bekanntlich ein ganz starker Erinnerungsträger. Ich bin sofort an Busreisen meiner Kindheit erinnert, an den Geruch von unterwegs ausgepackten älteren Salamibroten, jedoch ohne die damals übliche olfaktorische Begleitung der Aromen von Kölnisch-Wasser und säuerlich Erbrochenem.
Ich öffne meine Augen, und sehe, dass das Paar in der Reihe vor mir in eine runde Teigrolle beißt, in deren Mitte ein Salamiwürstchen eingebacken ist. BifiRoll steht auf der Packung, aus der sie von diesen Teilen abbeissen.
Und es stinkt. Wie damals in den alten Reisebussen. „Miefi-Roll“ müssten diese Stinkbomben heißen!

Ich schaue mich um: diese Miefi-Rolle scheint wohl ein Schnäppchenangebot zu sein, von dem viele meiner Mitreisenden – vermutlich in Ermangelung der früher kostenlos gereichten Futterage – gebrauch machten. Und der Flieger hat 225 Sitzplätze. Wenn davon nur jeder Dritte…., gut, sagen wir, nur jeder Fünfte…

Wann fallen nochmal die Sauerstoffmasken herunter? Ach ja, nur bei Druckabfall in der Kabine. Und aktuell erhöht sich der Druck hier eher durch ausdünstende Salamirollen. Keine Chance. Gut, dass niemand Kölnisch Wasser dabei hat

Der absolute Wurst-Case über den Wolken – und keine Rettung in Sicht. Dass zumindest die Piloten im Cockpit durch eine Türe geschützt sind, beruhigt mich etwas. Ich versuche mich durch das Schauen aus meinem Fenster abzulenken, was aber nicht hilft, weil es in der Zwischenzeit dunkler Abend geworden ist. Draußen ist es schwarz.

Wo bleibt Greta? Wo sind die Klimaschützer? Ach nee: die fliegen ja nicht wegen CO₂.
Mir kommt die Frage in den Sinn, was wohl schlimmer sei: Salami-Nebel oder CO₂? Der Begriff Salamitaktik bekommt für mich plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Den Gedanken, dass vielleicht sogar Greta hinter der ganzen Sache mit den miefenden Wurstrollen steckt, um der Menschheit das Fliegen zu vergraulen, verwerfe ich sofort. Damit täte ich den jungen Leuten, die um ihre Zukunft besorgt sind, Unrecht.

Die Rettung naht mit der Ansage:
„Meine Damen und Herren, wir haben unseren Sinkflug begonnen und werden in Kürze landen…..“ „We have started our descent and will be landing shortly. Please return to….“

Ich verstehe nur Stinkflug. Das Licht wird für den Landeanflug gedimmt, es wird schlagartig stiller im Flieger. Ich spüre das Rumpeln des ausfahrenden Fahrwerks, schaue durch mein Fenster nach nach draußen ins Schwarze, erkenne tief unter mir die Lichter von Straßenzügen und Orten, dann geht alles ganz schnell: ein wenig schaukeln, dann setzt die Maschine sanft auf, ich höre das Dröhnen des Umkehrschubs der Triebwerke zum Bremsen, wir rollen…

Beim Verlassen des Flugzeuges spürt meine Nase wunderbar frische Luft, ein Duft, der mir sagt: ich bin wieder hier, in meinem Revier. Wurst-Case überlebt.

I survived.

Bis die Tage!

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