Das Ruhrgebiet wird 17. Bundesland!

„Eine Ruhrtopie von Leutchen, die es wissen müssen.
Gewidmet ist dieses Buch allen Menschen, die „die Region“ lieben.“

so schreibt das unabhängige Kulturmagazin Musenblätter über das Buch

Atlantis rückwärts – Bundesland 17 (ehemals unser Ruhrgebiet)

Hier der Beitrag:

MUSENBLÄTTER – Das unabhängige Kulturmagazin


Dieses tolle Buch kann man nicht erklären: man muss es in die Hand nehmen und sich genüsslich entführen lassen in die Zeit von 2020 bis 2051, der vergangenen Zukunft unseres Ruhrgebietes auf seinem spannenden, erfolgreichen Weg zum Bundesland 17 namens Emscherland.

Kann zu Lächeln und Erstaunen führen.

Zugegeben: ich habe mitschreiben dürfen. Hat großen Spaß gemacht, mit Phantasie und Augenzwinkern unser Ruhrgebiet zum 17. Bundesland werden zu lassen.

Neugierig? Stöbert doch mal rein.
Bissi Tage!


Atlantis rückwärts
Bundesland 17 (ehemals unser Ruhrgebiet)
gebunden mit Schutzumschlag
Lesebändchen
144 Seiten
14,90 Euro
ISBN 978-3-948566-03-6

Gibt es ab sofort im Buchhandel und hier:

Bücher vonne Ruhr / Verlag Henselowsky Boschmann


 

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Ein Pott voll Buntes

Ich mag ihn, den Herbst.

Wenn es draußen „schubbig“ (nass und ungemütlich) ist, gern drinnen, mit Kuscheldecke, Tee und Muße, einem Buch oder Musik.
Doch am allerliebsten natürlich draussen, im Wald – dort wo das Laub mit Rot-, Orange- und Gelbtönen im Zusammenspiel mit der milden Herbstsonne diese unglaublich schöne Lichtstimmung zaubert.

So, wie heute – gleich bei mir „umme Ecke“ im Duisburger Wald.

Die Sonne hatte heute vermutlich Home-Office, lugte aber doch immer wieder einmal zu uns in den Wald, in dem wir den Herbst richtig riechen konnten: so typisch erdig, feucht. Und still war es, so dass man die Blätter, die leise von den Baumkronen hinab zu Boden schwebten, hören konnte, wenn nicht gerade das Rauschen der nahen A3 zu vernehmen war:

Vermutlich kennen sehr viele Nicht-Ruhrgebietler diese durch ihren gelben Pylon weithin sichtbare Fußgängerbrücke über der A3 bei Duisburg, die einmal für die Expo 1958 in Brüssel geplant wurde.
Auf den gelben Pylon hat jemand rührende Zeilen an seine verflossene Liebe geschrieben. Ob sie sie jemals gelesen hat?

Zurück im Wald entdeckten wir ein kleines Kunstwerk, das auf dem Ast eines Baumes angebracht war: eine unbekannte Dame in Rot. Schön und rätselhaft; wer mag sie dort wohl aufgestellt haben? Und gibt es hier vielleicht weitere Kunstwerke zu entdecken? Das versuchen wir beim nächsten Mal herauszufinden.

Herbst bei uns im Pott: so bunt und stimmungsvoll beruhigend – dass sogar der Tritt in einen Hundehaufen kurz vor dem Parkplatz mit Gelassenheit hingenommen wurde.

Also: es ist Herbst. Runter vom Sofa und ab in den Wald!
Nur Vorsicht! Dort stinkt es immer ganz schlimm nach frischer Luft!
Nich, datt ich Euch nich gewarnt habe.

Bissi Tage!

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Fasse Dich kurz!

Verdelli!
Ich wundere mich, wie schnell Tage, Wochen und Monate an mir vorbeirauschen.
Wobei et ja Orte gibt, an denen man so´n schnellet Lebenstempo rapide drosseln kann.
Zahnarztstühle sind solche wundersamen Orte.
Setzt man sich drauf, können sich schon wenige Minuten qualvoll wie Stunden dahinziehen.
Vielleicht ´ne Möglichkeit, langsamer zu altern?
Ich weiss nicht – auch die glatteste Gesichtshaut wirkt ohne Zähne nur wenig jugendlich.
Nee, da happich ich lieber ´ne Haut wie so´n 17jähriger Pfirsich – also altersentsprechend, dafür aber ´ne vollständige Knabberleiste im Mund.

Man muss auch gezz nich immer jammern, wenn die Zeit mal schnell vergeht.
Dat kann auch gute Gründe dafür geben, nämlich, datt man glücklich is.
„Jede Zeit ist umso kürzer, je glücklicher man ist“, fand schon vor über zweitausend Jahren ein römischer Gelehrter heraus.
Ja, und gezz hasse dat Lametta: watt willze lieber?
Ein gefühlt kurzet glücklichet Leben – oder eins, wat sich hinzieht, wie im Zahnarztstuhl?

Neulich war ich in Oberbayern und fand dort in einer Lüftlmalerei einen weisen Spruch:

 

 

 

 

 

 

 

Also: genießen wir unsere Zeit!
Und nich vergessen:
ohne heute gibt et morgen kein Gestern.
Isso!

Bissi Tage!

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Von Wellfleisch und Sackgesichtern.

Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Absurditäten. Und sie verfolgen Dich.

Während im Sommer füllige Wal(oder Well?)küren in aller Öffentlichkeit die Dehnbarkeit großblumiger Leggins bis zum Bersten testen, so – als ob es den Titel der Presswurst des Monats zu erhaschen gilt, schmücken andere ihre Autoscheiben mit grinsenden Katzengesichtern, durch die arme, unschuldige Kinder auf den Rücksitzen ihre Welt sonnengschützt wahrnehmen sollen. Und der Kinderschutzbund greift nicht ein.

Wird es dann kälter, werden Presswürste und Katzengesichter rar. Dafür lächeln Dich hohle Kürbisköppe an, das Licht wird warm und mild, und somit auch die Stimmung: doch die Freude übers herbstlichbunte Blätterrascheln, auf Kuscheldecke und warmem Tee in der guten Stube wird jäh getrübt durch Gespenster, Hexen und Vampire. Geschmacklose Scheußlichkeiten, die irgendwann aus den Vertrumpelten Staaten zu uns rüberschwappten und völlig gedankenlos übernommen wurden.

Nur ein kurzes Aufatmen, und schon bald baumeln wieder rote zipfelbemützte Sackgesichter an Häuserfassaden. Und dann wächst auch wieder meine große Lust, mal so einen Sackmann mit Schmackes von der Fassade zu schießen. Ich könnte mich ja damit herausreden, dass ich die Figur für einen Einbrecher gehalten habe, der auf Zuruf und Warnschuß nicht reagieren wollte.

Nee, da leben die sommerlichen Presswurst-Tanten doch ungefährlicher: wer schießt schon gern auf Wellfleisch?

Nix für ungut und bissi Tage!

 

 

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Ruhe, verdammt nochmal!

„Und ein schönet, ruhiget Wochenende!“
„Jau, danke! Ihnen auch! Bissi Tage!“

Wochenende.
Wat schön. Dat is die Zeit, wo Du einfach mal dat machen kannz, watte willz und wozu Du die Woche über nich immer so kommst. Steht auch inner „Bäckerblume“, dat Fachmagazin für allet: „Nutze das Wochenende, um deinem Körper und Geist zu ermöglichen, aus deinem täglichen Trott auszubrechen.“
Freitach Nammitach: da bisse immer noch´n bissken am Abkühlen vonne übliche Betriebstemperatur.
Aber dann, am Samstachmorgen, da freusse Dich auffet Frühstück mit Ei, so ganz in Ruhe, lecker Käffken, Zeitung dabei… Wat eine schöne, himmlische Ruhe. So schön kann dat Lehm sein.
Und dann, beim Aufblättern vonner Zeitung fällt Dir ´ne fette, telefonbuchschwere Sammlung an Prospekten von ALDO, Ludel, Nutto, Rotzmann, Schluck&Spar und Fresspott aussem Blatt, knapp am weichgekochten Löffelei und anne Kaffeetasse vorbei – voll auffe Pantoffeln!
Verdelli! Und dann denxe: „..ach watt! Kann ja ma passieren. Ruhich Blut – is ja Wochenende.“
Und dann büxte Dich, hebst den ganzen Blätterwald auf – und guckst mal rein.
Und dann isset mitter Ruhe vorbei, denn, allet, watte siehss, sind Knaller!
Knallerangebote, Knaller der Woche, Riesenknaller, Markenkracher, Wochenendkracher, und gezz, ganz aktuell: die Knallerangebote zum Jubiläum vonne Deutsche Einheit!

Der ganze buntbedruckte Papierhaufen schreit Dich förmlich an:„Hömma! Komm ausse Puschen! Komm zu uns! Wir haben den größten Knall! Wir brauchen nur noch Dein ganzet Geld!!!“

Und eigentlich hasse doch nur Ruhe gewollt.
Doch gezz?
Gezz hasse so richtich den Kaffee auf.
Schönet Wochenende.

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Süffisantes Arschlecken.

Luja sog i! Zur Zeit genieße ich die Ammergauer Alpen bei herrlich bayerisch weissblauem Himmel. Wunderschön ist’s hier. Und vermutlich kommen alle Oberammergauer auch einmal in ihren Himmel, denn neben dem fleissigen Planen und Proben für die Passionsspiele (die ‚heuer‘ leider wegen Corona ausfallen) wird hier auf Deubel komm raus gottgefällig gehobelt und herrgottgeschnitzt, was der Wald an Holz nur hergibt.

Das Kloster Ettal ist auch gleich umme Ecke, mit Klosterlikör und religiös klingenden, seligmachenden Schnäpsen. Und die Mönche brauen katholisches Benediktiner-Bier. Alles frommstens und vermutlich dem alten Herrn da oben im Himmi zum G’foin!

Ob aber der Inhaber des Oberammergauer Getränkemarktes einmal in den Himmi kimmt, dös glaub i net.

Schaut selbst, was der da Sündiges im Angebot hat:

Mei, do legst di nieder.

Luja!, sog i!🥴

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Man muss dem Kopp ´ne Beschäftigung geben…

„Man muss dem Kopp´ne Beschäftigung geben,
damit der Körper keinen Blödsinn macht.“

Diesen Spruch hätte seine Omma immer gesacht, erzählt mir mein alter Freund Friedhelm, mit dem ich heute telefonierte.

Verdelli, und da is wat Wahret dran: früher – is noch gar nicht so lange her – als ich noch „anne Schüppe“ musste, da hab ich ´n Wartezimmer nur sehr selten von innen gesehen. Mein Leben lang hatte ich dat große, und mit Nix bezahlbare Glück, gesund geblieben zu sein, und ich weiss et auch, datt sowat ein großet, und vielleicht auch manchmal unverdientet Geschenk is.

Als ich meinen Ladenschlüssel vor wenigen Jahren an meinen Nachfolger übergab, um „in den wohlverdienten UnRuhestand“ zu treten, gab et von allen Seiten Glückwünsche für de Zukunft , und bei keinem davon fehlte dat Wort ´gesund`:  „Bleiben Se gesund!“ – „Und vor allem: Gesundheit!“ – „Gesundheit und Wohlbefinden!“

Jau. Und gezz?

Gezz happich Zeit, bin vogelfrei und am Staunen, wie schnell sonne Woche um is, obwohl ich donnix Richtiget gemacht habe. Und, wat ich mir nie hätte träumen lassen: datt et mir passiert, datt ich manchmal kurz raten muss, wat für´n Tach is!

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja beie Gesundheit.
Also, schomma voab: ich hab nix. Also nix Schlimmet.
Aber gezz, wo ich mehr Zeit hab,  hab ich neuerding – so´n Behälter, für um Tabletten einzuteilen, und ich kenn mich gezz mit verschiedensten Einrichtungsstilen bei Wartezimmern aus.

Komisch. Früher hätt ich schon vom Kopp her für sowatt keine Zeit gehabt.

Wie kam ich gezz da drauf?
Ach ja: Freund Friedhelms Omma ihren Spruch.
Recht hat se, de Omma, oder?

Bissi Tage!
Und: bleibt gesund!
Lo


 

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Das Ruhrgebiet wird 17. Bundesland!


Mein lieber Scholli: dat is gar nicht so einfach!
Dieses tolle Buch kann man nicht erklären: man muss es in die Hand nehmen und sich genüsslich entführen lassen in die Zeit von 2020 bis 2051, der vergangenen Zukunft unseres Ruhrgebietes auf seinem spannenden, erfolgreichen Weg zum Bundesland 17 namens Emscherland.

Kann zu Lächeln und Erstaunen führen. Zugegeben: ich habe mitschreiben dürfen. Hat großen Spaß gemacht, mit Phantasie und Augenzwinkern unser Ruhrgebiet zum 17. Bundesland werden zu lassen.

Neugierig? Stöbert doch mal rein.
Bissi Tage! Lo

Siebzehn spannende Erfolgsgeschichten über die Zeit von 2020 bis 2051 des Werden des ehemaligen Ruhrgebietes zum Bundesland 17

„Fürwahr keine Sage, keine Erdichtung, sondern der Beginn einer einzigartigen Entwicklung. Die manche sogar als „Revolution“ bezeichnen. Die am 1. Mai 2021 mit dem „Sternmarsch auf Schnöseldorf“ begann: Weit mehr als 200 000 von uns zogen recht friedlich vor den damaligen Landtag und forderten Freiheit und Selbstbestimmung.
Seitdem hat die Emscher viel Wasser gesehen, und es ist an der Zeit, die Erfolgsgeschichten
der letzten drei Jahrzehnte (Februar 2020 bis April 2051) zu erzählen. Selbstbewusst, ehrlich, unabhängig.“


Bundesland 17 Start 1

Atlantis rückwärts Neuerscheinung

Atlantis rückwärts
Bundesland 17 (ehemals unser Ruhrgebiet)
gebunden mit Schutzumschlag
Lesebändchen
144 Seiten
14,90 Euro
ISBN 978-3-948566-03-6

Gibt es ab sofort im Buchhandel und hier:

Bücher vonne Ruhr / Verlag Henselowsky Boschmann


Mehr über dieses aussergewöhnliche Buch?

Ebenfalls hier: Bücher vonne Ruhr / Verlag Henselowsky Boschmann


Natürlich kümmere ich mich um die Zukunft.
Ich habe vor, den Rest meines Lebens darin zu verbringen.
Mark Twain (1835 – 1910)

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Kulturkniften! Sowat von lecker!

„Die Sonne schien ihm auf die Kniften, da ging ihm die Sanella stiften!“

Wat ’ne Knifte is? Dat is ’n bei uns im Pott ein Butterbrot mit „ordentlich wat drauf“ (Wurst, Käse oder auch schomma wat Süßet). Egal. Hauptsache richtig gut belegt und schön zusammengeklappt. Für unterwegs, für auffe Arbeit – oder überhaupt: zum Mitnehmen – für´n Hunger zwischendurch. Kannze Dich drauf freuen, macht satt und zufrieden.
So ´ne Knifte, dat is einfach wat „Ährlichet“.

Und genau so isset auch mitte Kulturkniften.
Dat sind literarische Spezialitäten, die et nur hier beim Bottroper Literaturversorger Henselowsky Boschmann gibt, dem Verlag mit den besonderen Büchern vonne, anne und umme Ruhr:

Wie bei ´ner richtig guten Knifte, is bei den Kulturkniften nich nur dat, wat drumherum is, lecker und mit Herz gemacht, sondern auch dat, wat drauf is (auf die Bücher vonne Ruhr übertragen natürlich – wat „drin“ is):
saftig, appetitlich, herzhaft, anregend, humorvoll, geistreich und dabei 100% kalorienarm.
Bis auf die lecker Klümkes, die der Verleger Werner Boschmann bei der Buchbestellung gerne mit dazupackt.

Verdelli, wat soll ich hier weiterschwärmen; am besten, Ihr guckt selbst mal da vorbei:

Klick mal: > KULTURKNIFTEN – BÜCHER VONNE RUHR

prospekt Kulturknifte

Also: lasst et Euch schmecken!
Bissi Tage!
Lo


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August 1961 und der erste Fernseher.

Ich erinnere mich noch sehr genau an diesen 13. August 1961.
Es war ein Sonntag
– und ich war gerade zehn Jahre alt und wohnte mit meiner Mutter in Gelsenkirchen-Erle in einer kleinen Dachgeschosswohnung – ohne Bad, aber mit Klo auf halber Treppe, das wir uns mit anderen Nachbarn teilten.

Nur wenige Tage vor dem 13. August 1961 kaufte meine Mutter beim Erler Radiohändler Heitjohann unseren ersten Fernseher – auf Raten.

Solch eine Neuanschaffung hatte damals etwas von großartiger Erstmaligkeit.

Klar, dass dieser Flimmerkasten schlagartig unser Leben veränderte: endlich waren wir nicht mehr darauf angewiesen, von anderen zum Fernsehgucken eingeladen zu werden oder gar danach zu fragen.
Also verbrachte ich in diesen ersten Augusttagen 1961 beinahe jede mögliche Minute zu Hause – vor dem Fernseher.

Lothar Lange

Und dann überschlugen sich die Ereignisse: schon am frühen Sonntagmorgen war`s im Fernsehen zu sehen: in Berlin ist etwas passiert!

Etwas Furchtbares, etwas, was Angst machte, denn der Generation meiner Mutter und den noch Älteren steckten die Nachwirkungen des Krieges noch spürbar in den Knochen. Man hatte immer Angst davor, dass eines Tages doch noch „der Russe“ kommen könnte.

Und auch wenn ich erst Zehn war, so spürte ich doch an diesem Sonntag, dass die Bilder aus Berlin Angst machten: überall Soldaten, Militärfahrzeuge, LKW mit Stacheldraht. Am Brandenburger Tor wurde die Straße quer aufgerissen. Auf der einen Seite Soldaten aus dem Osten, mit Maschinengewehren – auf der anderen Seite die Berliner Polizei. Dann auch Panzer!

Unser neuer Fernseher blieb nun bis zum späten Abend eingeschaltet, und auch in all den Tagen danach. Es gab nur noch dieses eine Thema: die Ostzone sperrt alles zu – zuerst mit Stacheldraht, und schon wenige Tage später mit Mauersteinen – und lässt niemanden aus dem Osten auf die andere Seite!

Man sieht Panzer, Maschinengewehre – und Menschen, die sich von beiden Seiten hilflos, erschüttert, weinend zuwinken.

Ich erinnere mich noch an dieses Gefühl der Hoffnung darauf, dass „der Ami“ doch bald kommen wird, um in Berlin zu helfen. Und schon wenige Tage später war dann auch der amerikanische Vizepräsident in Berlin an dieser neuen Grenze – und dazu viele amerikanische Soldaten mit Panzern.

Irgendwann später standen sich amerikanische und sowjetische Panzer in Berlin gegenüber, Bilder, die mir unvergessen geblieben sind. Und die Angst der Erwachsenen vor einem möglichen neuen Krieg übertrug sich in gewisser Weise auch auf uns.

Einige Jahre später passierte ich diese „Zonengrenze“ als Westbesucher immer wieder einmal. Hintergrund war, dass ich einen Halbbruder hatte, der 1959 – also lange vor dem Mauerbau – mit seiner Braut von Erle nach Hoyerswerda in die „Ostzone“ zog, dort als Bergmann im Braunkohlengebiet Arbeit fand und eine Familie gründete.

So fuhr ich mit meiner Mutter in den Sommerferien mit Passierschein einige Male in die „Ostzone“. Das Passieren der streng bewachten Zonengrenze mit dem Zug über den Grenzübergang Oebisfelde (Grenzbahnhof der DDR /BRD) war immer spannend, bedrückend und angstmachend zugleich: die Grenzsoldaten hatten ein für uns fremdartiges, feindselig wirkendes Benehmen, es herrschte ein kalter Kommandoton. Und wir spürten, dass wir ihnen ausgeliefert waren: alles, was wir dabei hatten, war zu öffnen, selbst Kaffeebohnen mussten auf die Abteilsitze ausgeschüttet werden, Hosentaschen waren zu leeren. Alle Reisenden hatten den Zug dann zu verlassen und wurden in eine Baracke geführt, während die Grenzer nun den Zug mit unserem Gepäck darin vermutlich auf links drehten.

Diese bedrückende Atmosphäre an der DDR-Grenze hat sich nie verändert, auch später nicht – per Auto – bei Helmstedt. Man hatte stets das Gefühl, für irgendetwas verhaftet, bestraft, oder zurückgeschickt zu werden.

Immer waren es Reisen – wie in ein anderes, wirklich fremd wirkendes graues, ärmliches Land, dessen einzige Farbtupfer die weißen Parolen auf rotem Grund, wie: „Vaterland – Frieden. Sozialismus – wir siegen!“ waren, die an den grauen, tristen Fassaden hingen. Dafür waren aber die Menschen, Nachbarn und Freunde meines Bruders von einer angenehmen Fröhlichkeit, bescheiden und pfiffig zugleich, und manchmal auch flüsternd aufmüpfig…. Man wusste ja nie, wer mithört.

Die Mauer – der 13. August 1961.
Unglaublich, dass das nun schon 59 Jahre her ist.
Meine Freude über die Bilder des Mauerfalls 1989 war unbeschreiblich.
Gänsehautgefühle mit Kloß im Hals.

Und das war gut so.

Lo.

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