Wir haben uns getrennt.

Irgendwann musste es ja so kommen. Ich spürte es schon eine ganze Weile. Irgendwann lag ich nachts wach und plötzlich kam mir nur noch das Wort „Trennung“ in den Sinn. Dann wieder Zweifel. Immerhin waren wir Jahrzehnte zusammen, haben alles, aber auch wirklich alles gemeinsam erlebt. Eigentlich waren wir nie getrennt.

Vielleicht war das ein Fehler, aber so einfach trennt man sich doch nicht. Nur, weil man nicht immer aneinander denkt? Weil man sich so sehr aneinander gewöhnt hat, so sehr miteinander verwachsen ist, dass man den anderen gar nicht mehr richtig wahrnimmt?

Gemeinsamkeiten?
Ja, die hatten wir: gutes Essen! Wir liebten es, zu essen.
Wir aßen immer gemeinsam. Mit Leidenschaft.
Aber sonst? Viel mehr war da nicht.

Leidenschaft? Nein.
Leiden! Ja.
Ich litt zusehends.
Nicht heftig, aber spürbar genug, unsere Partnerschaft in Frage zu stellen: hat es noch Sinn, zusammenzubleiben?

Aber hätte es denn einen Sinn, gemeinsam alt zu werden, wenn immer nur einer, nämlich ich, zu leiden hat?
Nein.
Sollte ich Rücksicht darauf nehmen, dass die Welt heute den kitschigen Tag der Liebenden, der Blumen, Herzen und Luftballons begeht?
Trennt man sich an so einem Tag?
JAWOLL! Erst recht an so einem Tag, verdammt noch mal!

Heute mittag haben wir uns getrennt.

Mein Weisheitszahn oben links und ich sind nicht mehr zusammen.
Der Trennungsschmerz war nur von kurzer Dauer.
Das Leben geht weiter.

Bissi Tage!
Lo

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26 Antworten zu Wir haben uns getrennt.

  1. Lieber Lo!

    Ich denke, es ist eine weise Entscheidung, dass Sie sich von Ihrem Weisheitszahn getrennt haben. Besser, man beisst mit ein paar falschen Zähnen noch eine Weile richtig zu, als den Rest des Lebens mit diesem schmerzhaften Partner irgendwann ins Gras zu beissen 🙂

    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    • Weisheitszähne sind oft so überflüssig wie ein Kropf – und wenn sie gezogen werden, werden sie dennoch nicht durch dritte Zähne ersetzt – die restlichen 28 machen den Mund voll genug.

    • nömix sagt:

      Es ist ein Weisheitszahn oft auch
      so nützlich wie ein Loch im Bauch,
      weshalb man ihn auch kaum vermisst,
      sobald man sich von ihm vertschüsst.

    • Lo sagt:

      Was auch die wahre Wahrheit ist.
      ?

  2. quersatzein sagt:

    Hach, geschafft! 🙂
    Gute Besserung, lieber Lo, und dazu noch dies:

    https://fun.hr-ws.de/spruch172.htm

    Gruss,
    Brigitte

    • Lo sagt:

      Merci vielmal, liebe Brigitte:
      Du hast ja zur spontanen Besserung ganz toll mitgeholfen!
      😉

  3. hanneweb sagt:

    Weg damit was stört oder weh tut und Hauptsache die Weisheit bleibt. ?
    Liebe Grüße von Hanne

    • Lo sagt:

      Ja, – und die Weisheit ist schon sehr gerecht verteilt:
      jeder glaubt ja, genügend viel davon zu besitzen.
      Grüße zurück!

  4. Manchmal ist es auch für einen steilen Zahn Zeit zu gehen.

  5. speedhiking sagt:

    Aber Herr Lo, doch nicht gerade heute!! Sie hätten doch noch einen – sagen wir .B. – Marzipankuchen mit Marzipanherzchendekor zusammen essen können! Herzlos …

  6. iGing sagt:

    Wie habt ihr denn die Trennung vollzogen? Schnur drum, an der Türklinke festgebunden und Tür zugeknallt?

    • Lo sagt:

      Ich glaube, das hätte zu einem massiven Gebäudschaden geführt.
      Der Kerl hing ja so an mir.
      Hier half nur rohe Gewalt, ich hab mir einen promovierten Trennungsexperten als Komplizen dazugenommen.

  7. Und keiner fragt mal danach, wie es dem Weisheitszahn geht.

  8. Heinrich sagt:

    Lieber Lo,
    Ihre Schlagzeile hat mich aus meinem Winterschlaf gerissen. Trennung – ein Wort, das schreckliche Erinnerungen weckt. Wir Menschen sind ja Pioniere, wir erforschen gerne neue Wissenschaften, neue Gebiete und neue Menschen. Der Aufbruch ins Ungewisse schreckt uns nicht. Verlockt sogar.
    ABER sich von alten Gewohnheiten oder gar Menschen zu trennen, fällt schon unsagbar schwer.

    Manchmal wird nach einer Trennung vorgeschlagen, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Das klappt selten, weil es neben vorne ja noch hinten und zwei Seiten gibt. Von vorne betrachtet, sieht man nicht den ganzen Umfang, nur die „schöne Seite“.

    Wie ein Weisheitszahn von hinten aussieht, wissen wir auch erst, wenn er draußen ist, und mit einem Weisheitszahn noch einmal von vorne anzufangen, ist wohl nicht einfach!

    Glücklicherweise ist die Weisheit ja auf mehrere Zähne verteil! Oder?

    Naja, bei Ihnen sitzt schon in einem Schneidezahn mehr Weisheit als bei anderen im ganzen Unter- oder Oberkiefer. Darum mache ich mir jetzt mal keine Sorgen.

    Bissi Tage Heinrich

  9. Corinna sagt:

    Hoffentlich machen jetzt die restlichen Weisheitszähne kein Theater:-) Du weisst ja, die solidarisieren sich oft mit dem Zahn, der rausgeflogen ist:-) Zu Recht, meiner Meinung nach….ich habe mich von all meinen Weisheitszähnen getrennt…..und danach gings mir vieel besser:-)) Liebe Grüße Corinna

  10. ueberweiss94 sagt:

    Werter Lo,
    Danke, dass sie die Trennung mit uns teilen. So kann man den Verlust besser verdauen. Jetzt, wo sie ja nicht mehr miteinander essen können…herrliche Geschichte über ein schmerzvolles Thema.

    Vg, René

  11. Manchmal ist Loslassen halt wirklich die Chance wieder mit Motivation und Zuversicht aufs Essen zu blicken und andere Kiefer haben ja auch schöne Zähne! 🙂

  12. Herr Ösi sagt:

    Als Lo zum Zahnarzt kam
    mit diesem Zahn
    infam
    der in trieb in den Wahn
    sprach er: es ist ein Graus
    ich halt’s nicht mehr aus
    der Zahn muss raus
    am besten noch vor Nikolaus 😉

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