ALDI macht alt.

Eigentlich fühle ich mich ja frisch, fit und richtig gut beweglich. Kein Weg ist mir zum Laufen zu weit, kein Berg zu hoch und auch keine Treppe zu steil. Und meine Radtouren durch den Pott und dat Rheinland mache ich, wie et sich gehört, mittem Bio-Rad (dat is ohne Strom). Und, wat auch ein Segen is: mir tut nix weh. Bis auf dat Gehör, dat verschafft mir die Freude, allet, wat ich nich hören muss, gnädig wegzufiltern.

Aber sonz: ich würd´mal sagen: MUSS!
Allet gut. So darf et gern bleiben.

Bis auf heute morgen, als ich aldi neuen Angebote meines Lebensmittelversorgers in Augenschein nahm:

Senioren-Kugelschreiber? Verdelli: für wat sind die? Und wat können die?
Mit sowat Knubbeliget inne Finger kannze donnich schreiben? Oder doch?

Und dann, glaub ich, happ ich et rausgekricht, wat diese Seniorenstifte vielleicht können könnten: DIE KÖNNEN SÜTTERLIN! Bestimmt! Dat wird et sein!

Du nimmst so´n Seniorenstift inne Hand, schreibst wat so, wie Du et bisher gewohnt bist, und auffem Papier is dat dann in Sütterlin geschrieben. Und so kannze dann Briefe an ganz alte Senioren (und -innen) schreiben, auch wenne selber kein Sütterlin kannz – und die alten Menschen freuen sich, datt se mal einen Brief in der Schrift kriegen, die sie immer noch auf ihre betagte Festplatte haben.

Gezz hab ich mich – immer noch vor dem Grabbeltisch mit aldie Seniorenkugelschreiber stehend- aber daran erinnert, datt man auch mir in der Schule noch dat alte Sütterlin vermittelt hat, damit ich et schreiben und somit auch lesen kann.

Dat muss gefühlte 120 Jahre her sein. Ob ich dat wohl noch kann? Lesen ja, aber schreiben?

Ich happet mit ’nem normalen Stift versucht:

Nee, dat klappt nich.

Morgen kauf ich mir so’n Sütterlin-Knubbel. Und schreib mir selbst ’n Brief in Sütterlin.

Komisch. Gezz fühl‘ ich mich irgendwie ein bissken alt.

Verdelli.

Bissi Tage! Lo

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26 Antworten zu ALDI macht alt.

  1. dieterkayser sagt:

    Diese Kulis sind ja wohl … nicht zu fassen!

  2. quersatzein sagt:

    Watt et nicht alles gibt.
    Vielleicht sind da gleich noch Taschenlampen eingebaut oder ein heimliches Schnäpschen-Depot…
    Verwunderte Grüsse,
    Brigitte

    • Lo sagt:

      Schnäpschen-Depot – eine sehr gute Idee, liebe Brigitte!
      Volumen ist ja genug vorhanden bei diesen Knubbels.
      Jugendliche Grüße!
      Lo

  3. dergl sagt:

    Die Bezeichnung is inner Tat schwierich. Damit kannze nämmich auch schreiben wie als wennze fünf wärs. (Aus persönlicher Erfahrung mit so wat ähnlichet, wo se mir inner Ergotherapie lehren wollten mit de ICP-Hand mein Namen zu schreiben.) Sütterlin oder irgendat anderet lesbaret sollte dann schon Next Level sein.

    • Lo sagt:

      Einen vernünftigen Sinn werden diese Schreiben sicher haben.
      Ich vermute nur, dass sie weniger gekauft werden, weil dort „Senioren….“ aufgedruckt ist.
      Will doch keiner sein: alt.

  4. Dat is, damitze die ohne Brille übahaupt siehst.

  5. Die letzte Erklärung erscheint mir auch einleuchtend – und wenn sie dann noch leuchtend phosphorizieren würden, könnten die Senioren (alle außer uns beiden) die Brille auch mal verlegen und die Dionger trotzdem finden.
    Unser Schulsystem hatte mit Sütterlin nichts am Hut – ich kann es mit Schwierigkeiten gerade lesen.

    • Lo sagt:

      Wir haben es auch nur „nebenher“ vermittelt bekommen, weil diese Schrift zu meiner Schulzeit (1957 – 1965) von den Erwachsenen noch in gebrauch war.

  6. Hömma, in welchem Shop biss du denn vorstellich geworden, Lo? Datt sieht mir doch eher aus nach’n gleichberechtigten Paarvibrator von Amorelie! Jetzt sach besser nix mehr, Lo, un erklär mir dat morgen in Ruhe! 😉

  7. Mitzi Irsaj sagt:

    Für mich sehen die Dinger ja eher aus, als wären sie für Erstklässler gemacht. Ich hoffe du wirst berichten, was sie drauf haben. Obwohl, ehrlich gesagt hoffe ich, dass du sie dir nicht kaufen wirst. Gelesen habe ich allerdings sehr gerne darüber 😉

  8. C. Araxe sagt:

    Na hoffentlich klappt auch die Unterscheidung zwischen langem S und Schluss-S sowie weiteren typographischen Besonderheiten. Ich habe mich zwar schon zuvor etwas mit Sütterlin beschäftigt, aber seitdem ich für eine Senioren-Zeitschrift eine kleine Rubrik in Sütterlin eingeführt habe, ist das für mich doch recht flüssig lesbar – das Schreiben übernimmt ja der installierte Font. Die „Übersetzung” ist aber meist mangelhaft (Schluss-S! etc.) Nach kurzer Recherche scheint es aber wohl keinen HTML-Font für Sütterlin zu geben. Ansonsten hätte ich ja gern diesen Kommentar in Sütterlin geschrieben. Wer schreibt denn noch mit einem Kugelschreiber? Offline! Selbst Senioren sind doch inzwischen im digitalen Zeitalter angekommen.

  9. Lo sagt:

    Ich bin gern noch handschriftlich unterwegs, meist mit schwarzen Finelinern.
    Im Netz fand ich dieses hier: http://www.suetterlinschrift.de/Lese/Namen_schreiben.htm
    Ist aber sicher nicht das, was Sie meinen…
    Liebe Grüße ins Gruselkabinett!

    • IGing sagt:

      Ganz gewiss, das wird es sein, was Frau Araxe meint!

      • C. Araxe sagt:

        Nein, das meine ich nicht. Ich meinte schon eine richtige Schrift (um es mal anders auszudrücken). Beim Link wird ja die Sütterlin-Schrift nicht mehr als Text wiedergegeben. Так же, как я могу писать здесь по-русски.

  10. nömix sagt:

    Die sind wohl zweifarbig damit man als altersdemenzgebeutelter Senior leichter herausfindet, an welchem Ende man oben auf den flachen Knopf drücken muss damit unten am spitzen Ende die Schrift rauskommt. Und sich nicht am spitzen Ende beim Draufdrücken wehtut, womöglich.

    • iGing sagt:

      Um das richtige Ende an der Farbe erkennen zu können, muss man sich aber merken können, welche Farbe das richtige Ende markiert. Und da wird’s dann schwierig.

  11. sweetkoffie sagt:

    Wattet nich allet gippt🤔

  12. Hümmelken2 sagt:

    Sowatt aber auch 🐝

  13. pathologe1 sagt:

    Alles, was ein bisschen größer als normal ist, bekommt inzwischen den Vorsatz „Senioren-„, ob es nun das Handy oder, wie hier, ein Kugelschreiber ist. Wobei: es sind ja zwei, damit man immer einen zum Verlegen hat.
    Nur beim Seniorenteller, da stimmt das mit der Vorsilbe leider nicht.
    *über seinen Seniorenbauch blickend abgeschickt*

  14. Ja, das wird’s sein! Hochinteressante Entdeckung, ich hab nur doof gelacht, als ich das Ding sah. Gibts auch die Braunserie, schreibt vermutlich Fraktur oder stanzt gleich neumodisch eckige Einheitsrunen (die originalechten sind, in diesem Zusammenhang, einfach zu alt und wertfrei)? Gibts auch einen in Zentrum – Version (s. a. Ludwig Thoma, Was ist schwärzer als die Kohle?)? Oder die Variante der bekannten Freiheitsverfechter, die wie Theodor Heuss für das Ermächtigungsgesetz gestimmt haben? Rot gibts ihn ja, die einzig echte alte Partei, die, na, ihr wißt schon, ehemals, wie war das noch, ach ja, ich erinnere mich, ich glaub irgendwas mit Sozialdemokraten… Ja, früher war da noch was los, so in Sachen Politik und Straßenschlachten. Da hat der Arbeiter noch die 8-Stunden Woche erkämpft, die jetzt so peu a peu wieder abamselt, für überflüssig gehalten wird.
    Doch das mit der eingebauten Taschenlampe ist echt gut, wenn man Nachts aufwacht (kommt im Alter immer öfter vor kann ich euch flüstern!) und schnell mal was aufschreiben will, so was such ich schon lange!
    Der Entwicklungschef von der Designfirma, die die Kugelschreiber entwickelt hat, hat bestimmt schon so einen. Mit der Erleuchtungslampe.

  15. tinderness sagt:

    So lustig sind die Stifte eigentlich gar nicht. Wer einmal Gicht in den Händen hat, ist froh darüber, so dicke Stifte in den Händen halten zu können, denn näher ringt man/frau seine Finger gar nicht zueinander. Gicht können natürlich auch nicht Senioren haben und nicht alle Senioren haben Gicht. Insofern ist der Begriff nicht nur falsch sondern auch altenfeindlich. Aber lustig ist das Tool deshalb nicht. Genauso wie viele Kommentare hier.

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