Tofften Buchtipp: Ruhrgebietssprache

„Kumma, da kommt der Willi – und gezz hatter auch noch seine Kampfschnake im Arm. Kär, wat hat die dünne Kackstelzen, an die is donnix dran, dat is ja´n richtiget Luftkottlett, aber wat willze machen: dat muss Liebe sein, wenne mich frachss!

Jau! Die Ruhrgebietssprache ist schon ein wenig deftig. Dafür auch ehrlich und sehr herzlich. Keine Frage: sie ist der schönste Dialekt der Republik.

Ich bin mit ihr aufgewachsen. In Gelsenkirchen – mit langezogenem „iiiieee“.  Im Schatten der Zeche Graf Bismarck. Ärmlich, aber nicht unglücklich. Mit Pisspottschnitt, Kohleofen, Zinkbadewanne für Samstachs, Gemeinschaftsklo auf halber Treppe und „nix inne Mauken“ (ein bissken schwächlich), einerseits frech wie Dreck, andererseits mit ordentlich Schiß vor dem Bullemann. Und mit Zuckerbrot (auf Margarine).

Jeder Tacken (Groschen) wurde anne Selterbude (Trinkhalle/Kiosk) in Klümmkes (Bonbons) umgesetzt. Und wenn einmal im Monat bei den Erwachesen „Kapinskifest“ war (Geldtag/Lohnauszahlung), dann stand Bier und Schabau (Schnaps) auffem Tisch – und et fiel auch immer igendwat Süßet für uns Blaagen ab. Verdelli, lange her.
Huch! Ich schweife ab.

Wo war ich stehengeblieben`? Ach ja: Ruhrgebietsdeutsch.

Wer auf sehr amüsante Art (fast) alles über die Ruhrgebietssprache erfahren möchte, dem lege ich dieses tolle Werk von Werner Boschmann ans Herz. Es enthält nicht nur eine riesige Sammlung hiesiger Ausdrücke, sondern durchaus auch Liebliches, oder „die zehnstufige Liste der ruhrdeutschen Trunkenheitsgrade“,  sowie „die wichtigsten Beleidigungen“ – und sooooooo viel mehr. Herrlich.

Für mich ist es ein Buch, das ich lange schon stets griffbereit in meiner Nähe habe, wenn ich mich erinnern (oder mal „beömmeln“) möchte…

Kurzum: dat Buch is wirklich wat für´t ganze Leben, kostet beim Verlag selbst nur € 9,90 – kein Porto – und: Werner Boschmann legt noch ´ne Tüte „Klümmkes“ dazu.

Gibt es hier: BÜCHER VONNE RUHR

Ruhrgebietssprache BUCH

Werner Boschmann
Lexikon der Ruhrgebietssprache
von Aalskuhle bis Zymtzicke
Mit einer Revier-Grammatik und
den Höhepunkten der deutschen Literatur
– in reinem Ruhrdeutsch –

144 Seiten, gebunden, mit vielen Fotos;
ISBN 3-922750-01-X
12. veränderte, Auflage
9,90 €

Dieses Standardwerkes spiegelt die aktuellen und aktuellsten Veränderungen des wichtigsten Dialektes, den der deutsche Sprachraum besitzt, wider. Und so enthält die Neuauflage des Lexikon der Ruhrgebietssprache unter anderem:

• Vollständige Grammatik der Ruhrgebietssprache
• Erstmalig die zehnstufige Liste der ruhrdeutschen Trunkenheitsgrade
• Die Revier-Beleidigungsstufen mit 241 exakt zugeordneten Beleidigungen
• Liebliche Bezeichnungen von Lappes bis Etteken
• Wichtige Gesprächsregeln für Anfänger und Fortgeschrittene
• Die Höhepunkte der deutschen Literatur
• Eine kleine Geschichte des Ruhrdeutschen von Dirk Hallenberger
• NEU Ratgeber für Lauschepper – Erfolgreich bestechen im Ruhrgebiet

Fotos: Verlag Henselowsky Boschmann

Ich empfehle das Buch privat und unentgeltlich,
weil ich es einfach so gelungen finde
und meinen Spaß daran teilen möchte.

Bissi Tage!

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8 Antworten zu Tofften Buchtipp: Ruhrgebietssprache

  1. hanneweb sagt:

    Klasse und bekam auch schon vor Jahren ein Langenscheidtsches Wörterbuch für Ruhrpott-deutsch von Freunden aus dem Ruhrpott geschenkt. 😄
    Liebe Grüße von Hanne

  2. dergl sagt:

    Dat will ich haben! Fürn Saxophonisten aussm Breisgau, den seine Frau hat letztes Jahr n Langenscheid gekricht und gezz versuchen die Pöttisch zu lern‘, weil gezz könnse mich ja nich besuchen wegen de Pandemie. Wenn ich den‘ dat Buch schicken lasse und die kommn 2021, dann könnse sich im Pott ohne mich verständigen. Echt Töfte!

    (Die wollten nochmal Zollverein, Gruga und Co. in Essen, haben aber für dieses Jahr storniert, weil es ihnen zu riskant ist. Was ich zwar schade, aber sehr vernünftig, verantwortungsvoll und gut finde.)

    • Mrs Postman sagt:

      Besser is dat, wenn die sich vorbereiten tun 😉

      • dergl sagt:

        Un gezz haben die ja nochn Jahr Zeit, dat passt schon. Ich lern im Gegenzug Breisgauisch, wobei: Ich wurde da mit meinem Rhein-Neckar-Delta-Sprech verstanden, umgekehrt war dat nich der Fall. Der Saxophonist hat tatsächlich geglaubt, ’n Dubbel issn Schauspieler, der für andere Stunts machen tut und dat die Pottleute alle Kannibalen sind, weil ich gesacht hab Nee, dat kann man essen, meist morgens un abends. Gesacht hatter dat nich, abba bestimmt gemeint. Un wahrscheinlich tutter sich rausreden Bei dir in Düsseldorf is widda anders, dat lass ich abba nich gelten.

      • Lo sagt:

        😂🤣😉👍

    • Lo sagt:

      Und die Klümmkes, die et beim Buch dabeigibt, kannze ja für Dich behalten…😉👍👍👍

      • dergl sagt:

        Dat wär töfte, abba ich glaub, die Klümpkes die kricht dat Kind, sonst gebärdet mich dat n Knopp anne Backe. Dat is hier so, du hass nix für dich selber, allet will er haben…

        (Kann ich aber auch verstehen, der sitzt seit März mit mir auf etwa 40m2 fest, durfte nicht einen Tag in der Schule – weil die Schule ihn als Risikokind eingestuft hat und diese Kinder nicht auf das Gelände durften – mehrere seiner Freunde sind in Quarantäne, einer vermutlich Covid-positiv, dass der also sobald es hier was „Neues“ gibt wild drauf wird halte ich für normal. Auch wenn es nur ein paar Bonbons sind, der muss auch mit der Situation klarkommen.)

  3. Helmut sagt:

    Toller Tipp, muss ich haben

Nun Du! :-)