Liebe Kunden, wir öffnen Kasse 3 für Sie!

Es gibt ja Männer, die mögen es nicht, einkaufen zu gehen. Ich dagegen gehe gern einkaufen. Zugegeben, ich habe auch, im Gegensatz zu berufstätigen Menschen, die Zeit dazu. Und dieses Mehr an Zeit erlaubt es mir auch, meine Mitmenschen und vieles andere um mich herum mit Interesse und Muße wahrzunehmen, oftmals auch mit dem schönen Ergebnis, schmunzeln zu müssen.

Wie heute wieder, dort, wo es alldie vielen Dinge gibt, die man fürs tägliche Leben so braucht, denn hier wiederholt sich in guter Regelmäßigkeit vor den Kassen eine Szene, die mir immer wieder Spaß macht.

Kasse 1 und 2 sind geöffnet, vor denen sich zwei Schlangen bilden, alles ist ruhig, ein Einkaufswagen nach dem anderen schiebt sich langsam nach vorn. Es ist immer noch ruhig. Noch…

Plötzlich ertönt aus den Lautsprechern über den Kassen dieser eine Satz:

Die geübten ALDI-Kunden (m+w) reagieren – auf diesen Tonreiz längst erfolgreich konditioniert – mit der schlagartigen Freisetzung von Adrenalin, weil sie gelernt haben, dass für sie nach dieser Bandansage die Chance auf eine wertvolle, zweitminütige Zeitersparnis an der Kasse besteht, die sie später beim Bezahlvorgang sehr gut fürs Kleingeldsuchen („Ich happet – glaub ich – passend, Frollein! Moment noch.“) nutzen können.
Blutdruck, Puls, und Muskelaktivität steigen, eine spontan eingeschränkte Wahrnehmung des Gehirns hindert sie nun, Dinge wahrzunehmen, die außerhalb dessen liegen, wofür sie sich aktiv interessieren, nämlich möglichst vor allen anderen als Erster Kasse 3 zu erreichen.

Arthrose, Rheuma, Gicht, Knacken im Knie: alles das zählt nicht mehr, da kommt Bewegung in die Massen, auch umgerissene Dosenpyramiden, Kleinkinder und Prospektständer sind nur noch nebensächliche Kollateralschäden. Wenn die Kontrahenten, eine Schneise der Verwüstung hinter sich lassend, endlich Kasse 3 erreicht haben, Omma Kasuppke als Siegerin feststeht, steht auch der schnapp-atmende Rest der sportlichen Truppe – und wartet, weil die Kassiererin noch auf dem Weg ist, währenddessen die Kunden, die zuvor an Kasse 1 und 2 noch hinter der Fluchtgemeinschaft standen, zügig abkassiert werden, was vor Kasse 3 zu Unmut führt.

Und dann stelle ich mir vor, ich hätte auf meinem Smartphone diese Ansage gespeichert:
„Liebe Kunden, wir öffnen Kasse 6 für Sie!“
Dann würde ich diese Ansage bei Schlangenbildung heimlich laut abspielen und beobachten, was wohl passiert.
Denn mein ALDI hat nur vier Kassen!

Verdelli, wär dat ein Spaß!

Bissi Tage!

 

 

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11 Antworten zu Liebe Kunden, wir öffnen Kasse 3 für Sie!

  1. Grinsekatz sagt:

    Mitten aussem Leben ☻

  2. dieterkayser sagt:

    Die wissen alle noch nicht, dass man IMMER in der langsamsten Schlange steht, egal an welcher Kasse.

  3. Die lässig- souveränen Chefeinkäufer sind zur Stelle, wenn NIEMAND im ALDI an der Kasse steht. Tja, wer es draufhat….

  4. Lieber Lo, das hat mein Herz belustigt, schon diese wunderschöne Umschreibung „…wo es alldie vielen Dinge …“ hat mich lachen lassen.
    Als ich noch in deinem zarten Alter (oder wesentlich jünger) war, bin ich auch auf solche Bandansagen reingefallen.
    Jetzt bin ich ins „Gutmenschalter“ hinein gewachsen, denn wenn ich einen sehr vollen Korb habe, lasse ich Kunden hinter mir mit ganz wenig Ware IMMER vor.
    Schade, dass ich das heute nicht praktizieren kann 😉 🙂

    • Lo sagt:

      Ich bin nicht nur in einem zarten Alter, liebe Clara – meine Haut fühlt sich auch wunderbar an wie ein 17jähriger Pfirsich.

      • Lo, wenn ich jetzt auf die Schnelle die im letzten Artikel von mir angeführten Ruhrgebietssprachbeispiele zur Hand hätte, würde ich dich irgendwie mit einer netten Bezeichnung aufbauen, damit du wenigstens Haut wie ein nur 5jähriger Pfirsich hast.
        Ich habe nachgesehen und sage jetzt:
        Lo, das Bullebäuseken mit Tendenzen zum Hasimänneken 🙂

      • Lo sagt:

        Gezz machsse mich aber ein bissken verlegen…😚

      • Das wollte ich keinesfalls. Dann drehe die Liebeserklärung eine Stufe zurück.

      • Lo sagt:

        Zu spät.Du rettest den Freund nicht mehr!
        Aus der Bürgschaft abgewandelt….

  5. Achso, Geheimtipp: Gehze in’n Norma… oder heißt datt in die… egal, da sachste für ein Personalwesen, datte zur Kasse gehst. Legste die Klamotten nach Farbe oder Größe sortiert aufet Band und kannst in Ruhe vonnet Kleingeld , datt sonst nie weggeht, Türmchen bauen. Erst dann wird ungestört und in aller Ruhe kassiert. Hat wat von Jugoslawien. Am Kanal.

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