Lebenserwartung is Kokolores.

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*Sie haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83 Jahren*

Wer? Ich? Nö, hab ich nicht. Wer behauptet denn sowatt?
Hörnse mal: ich hab doch keine Lebenserwartung!
Wat soll ich denn damit? Ich bin doch am leben. Und dat sogar schon lange.

Meine Mutter, ja, die hatte vielleicht, als ich „unterwegs“ war, „Lebenserwartung“, weil se auf mich, auf dat kleine, neue Leben wartete. Und als ich dann da war, da war et vorbei mitte Lebenserwartung von ihr. Also…. von mir.

Ach, et geht um die Dauer? Meinen Se gezz Lebensdauer?
Ja, verdorri, dann müssen Se dat Kind doch auch mal beim richtigen Namen nennen:  warum sagen Se nich Sterbeerwartung?

Nö, da hab ich aber auch keine Erwartung: wenn dat Leben et gut mit mir meint und mir nix weh tut, und ich Spaß hab, dann darf et gern richtig lange dauern. Und wenn et furchtbar und bescheiden ist, darf dat Lebenslicht von mir aus auch ´n bissken früher ausgehen. Aber da warte ich doch gezz nich drauf.

Hörn Se mal, ich sitz doch nich datt ganze Leben lang inne dunkle Stube und guck aussem Fenster, ob der Sensemann vielleicht mal vorbeikommt. Wissen Se wat? Der kommt auch, ohne datt ich auf den warte.

Ich weiss sowieso schon ziemlich genau, wann ich sterbe.
Glauben Se nich?
Ich sach et Ihnen, aber behalten Se et für sich:
ungefähr drei Tage vor der Beerdigung!
Hihi…., dat hätten Se gezz nich erwartet, wat?
Nee, war nur Jux. Könnte aber hinkommen.

Aber wissen Se, wat ich wirklich hab?

Dat is Rentenerwartung. Hörn Se mal: die spür ich am schlimmsten immer dann, wenn der Monat auffet Ende zugeht.
Und wissen Se, wat ich, solange dat mit mein Verständnis für meine Heimatsprache noch klappt, unbedingt erwarte?
Datt man die Dinge beim richtigen Namen nennt.
Lebenserwartung, tsss…
Wat ein Kokolores…
Is doch wahr.

Bissi Tage.
Lo.

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12 Antworten zu Lebenserwartung is Kokolores.

  1. Lo sagt:

    Kommentare klappen wieder

  2. Du sagst es – aber doppelt schreibe ich es trotzdem nicht!

  3. Heinrich sagt:

    Lieber Lo,
    Sie hauen ja sowas von schnittig in meine Kerbe.
    Ich möchte mal wissen, was die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) den ganzen Tag treibt?
    Die müssten doch regelmäßig überprüfen, ob Wörter überhaupt passen oder noch zeitgemäß sind?
    Da sind sogar noch etliche DDR-Wörter, die angepasst werden müssen. Erst ins Westdeutsche, dann ins Denglische und final dann und überhaupt, regelrecht und praktisch.
    Und das ein halbes Leben nach Mauerfall, den ja zunächst niemand erwartet hat, aber das Wort Lebenserwartung ist sicher schon im Mittelalter enstanden, weil es dort an Lebenserwartung gemangelt hat, vor allem wenn man Hexe oder Taschendieb war.
    Wie es mit meiner Lebensdauer ist, kann ich nicht voraussehen, ich habe meine Erwartungen deshalb auf mehrere andere Gebiete wie Paketempfang und Rentenerhöhung verteilt.
    Warten ist schon schlimm, aber erwarten bringt noch wesentlich mehr Enttäuschungen.
    So isses.
    Gruß Heinrich

  4. Anna-Lena sagt:

    Ich liebe solche Wortspiele. Ein großartiger Beitrag von dir!
    Liebe Grüße dir,
    Anna-Lena

  5. So und überaupt so schön habe ich noch nie über „Lebenserwartung“ nachgedacht. Eigentlich denke ich derlei sowieso nicht, denn es ist ja alles bloß Statistik. Wenn ich aus dem Haus gehe und mir fällt ein Meteorit auf den Kopf, ändert das an der Statistik nichts.

  6. bloedbabbler sagt:

    Eine durchschnittliche Lebenserwartung ist auch nur was für durchschnittliche Menschen, und sowas sind wir doch gar nicht tun – oder, was denken sie, mein lieber Herr Lo? 🙂

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