Als kleiner, ärmlicher Kohlenpottköttel hätte ich es mir in den 50er Jahren nie träumen lassen, wirklich einmal mit einem richtig großen Flugzeug weit, weit weg zu fliegen. Fliegen? Das war etwas für ganz reiche Menschen, für Filmstars oder Millionäre. Und die gab es im Schatten der Zeche Graf Bimarck in Buer-Erle nicht. Ich war schon glücklich, wenn ich, was nur sehr selten vorkam, in den schönen, cremefarbenen Borgward-Isabella unseres Hausbesitzers einsteigen durfte, um mit seinen Kindern zum Freibad Grimberg mitgenommen zu werden. Das waren für mich seltene Minuten höchsten Kinderglücks.
Wie die Zeiten sich doch geändert haben: mit dem Flugzeug in Urlaub zu fliegen, ist für sehr viele Menschen beinahe schon normal und nichts Aussergewöhnliches mehr.
Für mich allerdings schon, weil mir beim Blick aus dem Flieger (Fensterplatz) das kindliche Staunen nie verloren gegangen ist.
Staunen muss ich allerdings immer wieder darüber, dass ich mich vor dem Einchecken von meiner kleinen Flasche Mineralwasser trennen muss, die bei ALDI € 0,29 kostete, und nach dem Check-in im Abflugbereich die gleiche Menge Wasser nur noch zu fast 15-fach erhöhtem Preis zu bekommen ist.
Das teure Wasser hat offenbar eine Geheimformel. Vielleicht ist es eine Mondwasser-Edition? Enthält es winzige Goldflitter? Gar Sternenstaub? Ist es besonders flugtauglich?

Doof. Natürlich könnte ich im Abflugbereich eine leere Flasche mit „Kraneberger“ aus dem Waschraum befüllen, aber das widerstrebt mir irgendwie.
Also kaufte ich mir notgedrungen so eine teure Mondwasser-Pulle, konnte mir jedoch beim Bezahlen den Spaß nicht verkneifen, den Verkäufer, der ja nix für die Preise kann, mit einem Augenzwinkern höflich zu fragen, ob er mir diese edle Flasche wohl als Geschenk einpacken könnte.
Wir lachten beide.
Denn der kleine Kohlenköttel von einst hat nicht vergessen, dass Reisen zu dürfen immer etwas ganz Besonderes ist – ein Privileg, das man schätzen darf.
Bis die Tage!
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