Allet schwatt!

Vedelli,
wenne von hier aussem Ruhrgebiet biss, dann kennze ja den Spruch
:
„Du biss auf Kohle geboren.“

Ja gut, da is ja auch wat dran: egal, wo Du hier geboren biss: ein paar hundert Meter darunter is eben Kohle gewesen. Richtich schwatte Kohle.

Und Du konntest als Ruhrgebietler hinkommen, wohin Du willz: überall hamse Dich ein bissken bedauert, weil Du ja aussem tiefschwatten Kohlenpott kamst. Da, wo vonne qualmende Schlote allet duster war, und allet schwatt vor lauter Kohlendreck, und wo sich schon der halbe Pütt auffer Wäsche niederliess, wenn se mal kurz draußen auffer Leine hing.

Und dat Schwatte vonner Kohle
, dat hatten wir auch dann noch lange an uns kleben, als et schon längst kaum noch Zechen bei uns gab und der Himmel über dem Pott schon schön Blau und die Luft sauber war.

Schwatt, dat waren im September 1966 auch die Trauerfahnen der Bergleute. Ich happet damals erlebt, als die Kumpel vonner Zeche Graf Bismarck in Gelsenkirchen-Erle durch die Straßen zogen, weil man den Pütt dichtgemacht hat, der den ganzen Stadtteil ernährte. Der Stadtteil war schwarz geflaggt. Traurig war das damals.
Deckel drauf. Zappenduster. Schwatt.

Verdelli, gezz is dat schon über 50 Jahre her.
Dat Ruhrgebiet is nich mehr trist und grau. Aus dem schwatten Kohlenpott is so´n richtich töften Kessel Buntet geworden. Mit richtich viel Grün. Und dat meiste Blau hier, dat kommt längst nich mehr von Schalke.
Nö. Dat ist hier der Himmel.

Ja, sogar die stinkende Köttelbecke und die olle schwatte Emscher, die gibt et mich mehr.
Dat heisst, et gibt sie schon, aber die ist gezz unter Tage.
Und gezz kannze die Wäsche ruhich nach draussen auffe Leine hängen.

So, und gezz könnte man doch meinen, datt die Welt hier bei uns so richtich schön in Ordnung ist, wo dat Schwatte alle weg ist.

Is aber nich: gezz schwappt wat neuet Schwattet über uns:

Schwatte Woche, schwatten Freitach, schwattet Shopping, allet schwatt, schwatt, schwatt.

Ich sehe schwarz

Gezz ma ährlich – Hand auffet Herz:
dat ham wir nich verdient oder?

Ich seh schon schwatt!
Bissi Tage!

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18 Kommentare zu Allet schwatt!

  1. Heinrich sagt:

    Lieber Lo,
    am Freitag ist Black Friday. | Der Megasale in Wolfsburg‎. Aber natürlich auch überall sonst. Denn die Firma SALE scheint in fast jedem Geschäft Vertretungen zu haben.
    Warum es Mega nur in schwarz gibt, weiß ich auch nicht., Ist doch fast alles Mega heutzutage. Ob die die Farben weglassen, weil die Krankenkasse nichts zuzahlt?
    Ich vermute, die schwarzen Schafe sind Schuld an allem! Die gönnen uns nicht das Schwarze unter den Fingernägeln, wobei Google mir gerade sagt, dass es beim Black Friday im Nagelstudio auch fiberglas Rose gäbe.

    P.S. lassen Sie die Leute ruhig glauben, der Pott sei noch schwarz. Dann werden Sie nicht von Touris überrollt. So wie die Engländer NIE Reklame machen würden, wie herrlich man z.B. in Südengland bei wunderbarem Wetter im grünsten Paradis Urlaub machen „könnte“.
    In England gibt es nur Nebel und Regen! Der Pott ist schwarz. PUNKT

    Gruß Heinrich

    • Lo sagt:

      Lieber Heinrich,
      Sie haben recht: in England gibt es nur Regen und schlechtes Essen, in Frankreich haben alle Pariser Froschschenkel, weil sie massenhaft Camembert und Baguette mit Rotwein vertilgen, und in Griechenland tanzen alle Tzaziki, weil das dort so Uozo ist.
      Aber dort soll es ja zumindest nicht dunkel, sondern richtig Hellas sein.
      Nööö. Trotzdem bleiben wir lieber hier in unserem kohlenschwatten Ruß-Land.
      Hier isset so schwatt, da kommt Dunkeldeutschland längst nicht mit.
      Wer uns trotzdem besuchen möchte, dem sei empfohlen, eine Taschenlampe mitzuführen.
      Glück auf!

  2. Ich staune, wie geschichtsvergessen die Marketingleute und ihre Kunden sind. Schwarze Tage wurden in der römisch-antiken Tradition Unglückstage genant, Schwarze Freitage waren schon im 19. Jh.Tage von Börsenkrächen. Der von 1929 löste die Weltwirtschaftskrise aus. Dass die Bezeichnung total negativ konnotiert ist, zeigt diese Auflistung
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Freitag#Sonstige_Schwarze_Freitage

    Wie in diversen Verbrauersendungen zu sehen, sind diese schwarzen Aktionstage sowieso beschiss. Man hätte es sich denken können. 😉 Darf man an den „Black Days wenigstens ungestraft Schwarzfahren?

  3. Lieber Lo, da ich ja bis 1989 weder den Ruhrpott noch die meisten anderen bundesdeutschen Städte kannte, kann ich es mir dennoch sehr gut vorstellen, denn ich hatte Verwandtschaft in Oberschlesien. Kattowitz, Beuthen, Hindenburg und so waren das eben so schwarze Kohlengebiet. Wie oft meine Tante und später meine Cousinen im Monat Fenster geputzt haben, fand bei mir gerade mal so in einem Jahr statt.
    Saubere Mittwochsgrüße schickt dir Clara

    • Lo sagt:

      Herzlichen Dank, liebe Clara.
      Ich erlebte als „Westkind“ bei Verwandschaftsbesuchen in Lauta (Lausitz), dass es im dortigen Braunkohlengebiet mindestens ebenso schwarz, eher schwarzbraun zuging. Selbst die Gärten dort waren kohlegeschwärzt, und man wunderte sich, dass in dieser dunklen staubigen Erde Gemüse wuchs.
      Liebe Grüße!

    • dieterkayser sagt:

      Wahrscheinlich Schwarzwurzeln

    • Lo sagt:

      😂🤣😋👍

  4. Und der Klassiker (so hab ich gehört),wenn der Papa zu tief ins Glas geschaut hatte: Mutta, hol mich vonne Zeche. Ich kann dat Schwatte nich mehr sehn!

  5. Also mit dem ehrbaren Geschäft der Kohleförderung hatte ich dieses Kulturverbrechen noch gar nicht in Verbindung gebracht. Es gibt übrigens schlimme Videos zum Black Friday: https://www.zeilensturm.de/?p=6357
    Ich bin raus!

    • Lo sagt:

      Tja, da wollen wohl alle nur sparen, sparen, sparen…
      Und sie werden sich schwarz ärgern, wenn sie merken, dass sie nach dem „Sparen“ nix mehr im Portemonnaie haben.

  6. rejekblog sagt:

    Hallo Lo,
    steht dein Angebot auf ein Kaffee noch? Und wann hättest du Zeit ?
    Liebe Grüße Peter

  7. eimaeckel sagt:

    Die Schwatten, das waren doch auch die Christdemokraten. Die paar, die es im Ruhrgebiet gab. Und jetzt ist alles Schwarz, unglaublich.

Nun Du!