Asterix und der Komiker aus der Thunfischdose.

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Vor einigen Tagen lieh mir ein guter Freund einen Asterix-Band mit dem Titel „Tour de Ruhr“ zum Lesen aus, weil er weiss, wie gern ich Ruhrgebietsgeschichten mag.

Die Besonderheit dieses Asterix-Bandes sollte die „mundartliche Übersetzung“ ins Ruhrdeutsch sein. Zitat:

„Ein Klassiker von Comedian und Sprachfachmann Hennes Bender in typischer Pottsprache neu erzählt.“

Ich habe es aufrichtig versucht, diesen Band zu lesen, doch schon bei der dritten Seite stellte sich bei mir ein Unbehagen, vermischt mit Fremdschämen und ansteigendem Wütendwerden ein.

Wer diesem Komiker den Auftrag gab, Asterix-Bände ins Ruhrdeutsch zu „übersetzen“, kann von der Sprache an der Ruhr nur so viel Ahnung haben, wie eine Kuh vom elektrischen Bananenschäler. So jemand glaubt sicher auch, dass es bei Tchibo Kaffe gibt.

Beispiele? Gern.

„Hömma, die Römers wolln unsa schönet Revier zubaun und aus unsahm Wald einen sogannten „Landschaftspark“ machen. Dat ganze nennt sich dann „Strukturwandel“ und soll dazu führn dat sich unsere Kumpels dem römischen Imperium freiwillich ergehm tun.

„Wat wäre wenn man dat legendäre Ahmteuer „Tour de France“ einfach mah frech und kackendreist anne Ruhr verlegen tun täte? Dann wird aus Paris Oberhausen, aus Lyon Hattingen und aussem Mittelmeer mah ehmt der Baldeneysee.
Untawechs sammeln Asterix und Obelix die typischen Leckereien vonnet Revier wie Currywurst, Panhas, Döner und Datteln (aus Datteln) und tun auch noh neben den römischen Pannemänners auch noch nette Kumpels treffen tun.“

Das tut beim Leseversuch schon weh.
Man kann nur vermuten, dass der großartige „Übersetzer und Sprachfachmann“ als kleines Kind einmal in eine Thunfischdose gefallen ist, und seitdem „so sprechen und schreiben tut“.

Ehrlich: so spricht hier im Ruhrgebiet niemand.
Niemand?
Doch. Einer.
Ihm widme ich gern ein Gedicht aus meiner ersten Fibel:

Täte ich eine Tute haben,
täte ich mit der Tute so lange tuten,
bis die Tute
nicht mehr tuten täte!

Schon die alten Ägypter fragten sich:
Tut Ench Amon – was Nofre täte?
Vermutlich nicht.
Aber Hennes Bender, der tut es.
Vom Tuten versteht er was.

Fazit: diese Asterix-„Übersetzung“
– tut weh
– tut den Ruhrgebietler ärgern, weil:
– so tut man hier nicht sprechen.

Kaufen? Nö.
Musse nich tun.

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23 Kommentare zu Asterix und der Komiker aus der Thunfischdose.

  1. Herr Ösi sagt:

    Ja, als Ösi tu ich mir mit einer Beurteilung schwer. Also, klingen tut es witzig und verstehen täte ich es auch.

  2. Lieber Lo!

    Ich tu zwar verstehen, was der schreiben tut, aber auch für mich als Schwabe tut das nicht nach Pottdeutsch klingen.
    Das ist genauso, wie wenn ein Norddeutscher versucht, schwäbisch zum räden.
    Fangen Sie am besten gleich mit den Übersetzungen aller Micky-Maus-Bände an, bevor der Bender das auch noch verhunzen tut 🙂

    Herzliche Grüße
    Mallybeau

  3. Schon als ich den Namen Hannes Bender las, wusste ich, das kann nichts werden. Er ist einer der unsäglichen Comedy-Sumpfblüten, die das Privatfernsehen uns beschert hat. Für dich als Kenner und Schreiber des Ruhrpottdeutschen, liebe Lo, muss sich der Krampf schrecklich anfühlen, den der Mann herausgewürgt hat.

  4. nömix sagt:

    Im Asterix-Original “Tour de France“ gehts doch um die typischen lokalen Spezialitäten an den jeweiligen Stationen der Tour. Davon ist in Herrn Comedian und Sprachfachmann Benders Version nichts zu entdecken: seit wann wären denn Currywurst oder Döner “typische Leckereien vonnet Revier“ – gibts doch überall, was soll daran originell sein? Ach ja, “Datteln aus Datteln“ – rasend originelle Pointe, man muss wohl hauptberuflicher Comedian sein um sich die auszudenken.

    • gnaddrig sagt:

      Außerdem streitet sich die Fachwelt soweit ich weiß, ob die Currywurst nun im Pott oder in Berlin erfunden wurde. Und was in Deutschland als Döner verkauft wird, ist nach der Berliner Version des Döners in Paragraphen gezwängt worden, das ist also in der Form garantiert keine „typische Leckerei vonnet Revier“. Es ist also nicht nur sprachlich fragwürdig, sondern auch noch sachlich falsch.

    • Lo sagt:

      Stimmt.
      Ich bin nur froh darüber, dass die Currywurst überhaupt erfunden wurde. 😉

  5. rejekblog sagt:

    Hallo Lo,
    vielen Dank für deinen herrlichen Beitrag
    bin großer Asterix Fan. Habe allerdings die reichlichen Mundart Fassungen immer vermieden. Musste mir auf youtupe eine Lesung ansehen. Und jap, du hast recht. Äußerst blöd und dämlich. Punkt um.
    Dank!
    Liebe Grüße, Peter

  6. Ruhrköpfe sagt:

    Hallo Lo, so geht es mir leider mit den meisten Versuchen dieser Sprachakrobaten im Ruhrgebiet. So spricht hier niemand, außer zugezogene Möchtegern-Marketing-Experten, die ihr Zeug wohl sonst gar nicht loswerden 😀

    • Lo sagt:

      So sehe ich das auch, liebe Annette.
      Hier wird die Sprache der Menschen im Ruhrgebiet sehr überzogen und dümmlich dargestellt.
      Liebe Grüße nach Dortmund!

    • Ruhrköpfe sagt:

      fragt sich, ob sie damit überhaupt erreichen, was sie sich erhoffen. Liebe Grüße, Annette

  7. Wie furchtbar, dat tut ja weh. Herzliche Grüsse

  8. iGing sagt:

    … Bender … ob der aus meinem Dorf hier stammt? Der Großvater eines Bekannten mit diesem Namen hatte 12 Kinder, deren aller Nachkommen müssen ja noch irgendwo rumschwirren, und wenn die Kurpfälzisch reden, dann kann das ja nix werden mit der Übersetzung ins Ruhrpott’sche.

    • Lo sagt:

      Wir haben auch einen Bender in der Familie. Weit genug weg in Baden-Württemberg

    • iGing sagt:

      Leider bin ich mit den zahlreichen Benders hier im Dorf in BW (und auch sonstwo) gar nicht verwandt. Das wär noch was geworden, wenn wir auch noch verwandt wären!

  9. Kohlekind sagt:

    Der Hammer. Das hatte ich gar nicht mitbekommen. Obwohl ich die normalen Teile fast alle habe. Muss mir das ach mal dringend besorgen danke für den Hinweis und die Empfehlung 🙂

  10. Oh ich versteh dich.
    Letztens hab ich auch so einen erzwungenen Text gelesen und obwohl ich die „Ruhrpottschnauze in Personalunion“ bin, hab ich ab dem dritten Satz neben dem unangenehmeb Berührtsein auch zusätzlich nix mehr verstanden. 😀
    Ich hab noch den „Asterix und sein Ulligen“ irgendwo rumliegen, naja…

  11. Anonymous sagt:

    Wieso hatte ich beim Lesen des blauen Textes Gaby Köster im Kopf?! Dieses „tun täte“ tut weh. Hat der sich in einem Kindergarten umgehört? Datt und watt und anne, das machen meine Pottverwandten auch und kann ich auch selber ganz gut, aber der Rest… Es muss erfunden sein.

    Hätte man den Job nicht Helge Schneider geben können? Herbert Knebel? Doktor Stratmann?

    (Falls WP immer noch meint, es müsste mich anonymisieren obwohl ich eingeloggt bin und mir das entsprechend angezeigt wird: dergl)

  12. Heinrich sagt:

    Lieber Lo,
    ich möchte Ihnen in diesen schweren Zeiten gerne zur Seite stehen. Weiß aber noch nicht wie? Weil Ihr Bericht so tiefe Wunden in mir aufgerissen hat, dass mir die Worte fehlten.
    Es ist einfach schrecklich, wenn ein Unfähiger versucht einen Dialekt oder eine Mundart nachzuahmen und das eben sehr schlecht macht. Das vergewaltigt die Sprache dann insgesamt.
    Dann hört man sich in der Zeit lieber den Schrei einer erkälteten Eule an, oder das Warmlaufen einer Düsenjet-Turbine in der Wartungshalle von Aeroflot oder Small Planet Airlines (Litauen).
    Apropos Fluggesellschaften, wussten Sie dass es 867 Fluggesellschaften gibt?
    Dieser Planet ist doch etwas größer als ich dachte.
    Da werden wir noch einige Überraschungen erleben. Da lauern bestimmt noch ein paar Benders?!
    Gruß Heinrich

    • Heinrich sagt:

      Aber es steht fast 50:50
      Das Aussterben der Fluggesellschaften hat seinen Zenit erreicht. 872 „ehemalige Fluggesellschaften gibt es, gab es. Otto Lilienthal und die Brüder Wright sind noch gar nicht lange tot und schon sind 872 ganze Fluggesellschaften ausgestorben.
      Ebenso wundere ich mich, wie die Welt seit „Erfindung“ des Internets tickt und nicht mehr ticken würde, wenn es von heut‘ auf morgen weg wäre.
      Wollen wir es mal testen?
      http://www.dasinternetabschalten.de/
      Nein, lieber doch nicht. Dann müsste ich ja in den Pott umziehen, um mit Ihnen weiter klönen zu können. Das wäre zwar prima, aber ich habe ja hier auch noch was zu tun. Ganz ohne tun komme ich auch nicht aus. 😉

    • Lo sagt:

      Lieber Heinrich,
      dass Sie trotz Ihrer tiefen Wunden noch die Kraft aufbringen, mir zur Seite zu stehen, werde ich Ihnen vermutlich niemals vergessen, Sie guter Mensch.
      🙂
      Der großartige, aus Bochum stammende „Sprachexperte“ Hans-Günther Bender vermittelt mit seinem Machwerk den Lesern ausserhalb unseres Sprachbereiches den Eindruck, dass die Ruhrgebietsbevölkerung kollektiv an einer ausgewachsenen Cerebral-keramischen Fraktur (Sprung in der Schüssel) leiden würde.
      Das ist schon ärgerlich.
      Aus dem Grund habe ich heute eine neue Fluchgesellschaft gegründet:
      Hennes-HotAirOhPain!
      Auftrieb nur bei Bohnenwind.
      Liebe Grüße!
      Lo

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