Holland in Brot. Und Prins Pils wird 50

Koning Willem-Alexander viert 27 april 2017 zijn 50e verjaardag.
Van harte gefeliciteerd!

Prost Majesteit

Der ehemalige Prins Pils (heute Koning van het Bier) feiert ausgelassen und fröhlich mit seinem Volk. Und alle haben veel plezier!
Die Niederländer sind schon herrlich verrückt.


Ein altes niederländisches Sprichwort lautet:
Liever brood in de zak, dan een pluim op de hoed.
Lieber Brot im Beutel als eine Feder am Hut
(= von Ehre allein kann man nicht leben.)


Ik houd van Nederland.
In der Tat mag ich unser Nachbarland.
Die Niederländer sind „erg gezellig“, und da ich mit „Voetball“ absolut nix am Hut habe, haben sich bei mir auch niemals „feindliche“ Gefühle gegen sie entwickelt. Ganz im Gegenteil.
Schon als Jugendlicher trampte ich gern für einen Tag über die Grenze, fuhr später dann mit dem Moped und noch etwas später dann mit dem Auto regelmäßig nach Zandvoort oder Noordwijk ans Meer.

Draussen ausserhalb der Dreimeilenzone ankerten bis zum September 1974 die Radiopiratenschiffe „Radio Noordzee Internationaal“ und „Radio Veronika“, die uns am Strand mit den absolut neuesten Welthits beschallten.
Diese „heißen“ Sommerwochenenden an der holländischen Nordseeküste waren traumhaft: dort kam uns alles viel freier, lockerer, bunter und toleranter vor: sie hatten wahrhaftig den Geschmack von Freiheit und Abenteuer, zumal sich hier und da ein zarter Hauch von Pot *hüstel* in die frische Nordseeluft mischte.
Die von der V.V.V. *) vermittelten Unterkünfte fürs Wochenende waren meist einfach: kleinste Kammern mit Bett und Frühstück (Ontbijt), oftmals im Hinterhof gelegen und nur über steilste Treppen erreichbar.

Das holländische Frühstück bestand immer aus Koffie („de koffie is klaar“), etwas Butter, Marmelade, en beetje Kaas, Hagelslag (=bunter Streuselzucker) und dem vermutlich weichsten und fluffigsten Brot der Welt, von dem man sich fünf Scheiben gleichzeitig in den Mund stecken konnte, ohne das Gefühl zu bekommen, überhaupt etwas im Mund zu haben. Vermutlich hat es einen Gummianteil in sich, denn, wenn man eine Scheibe mit der Hand zusammendrückt, bekommt sie nach kurzer Zeit ihre alte Form zurück.
Fluffig und pappig. Bruin of wit. (Braun oder weiß)
Die Farbe ist Geschmackssache. Das Brot nicht. Es hat nämlich keinen.

Dazu stets eiskalte, harte Butter. Zum Streichen….
Godverdomme! wie sollste die auf die Scheibe kriegen, ohne dat Brot kaputtzumachen? Egal.
Wenn wir sonntagsabends mit Sonnenbrand auf der Haut und Piratenmusik im Ohr wieder auf dem Weg nach Hause waren, wussten wir: das Wochenende war wieder einmal „prettig en uitstekend!“ gewesen.
„Lang geleden“ – das ist lange her und bleibt unvergessen.Da die Niederlande aus dem Ruhrgebiet schnell zu erreichen sind, liegt es auf der Hand, hin und wieder hinzufahren. Es gibt dort wunderschöne Ecken zu entdecken, wie „bij voorbeeld“ (zum Beispiel) Limburg-Noord mit den wirklich hübschen kleinen Orten an der Maas (Arcen, Lottum): klein, grün, gepflegt, mit vielen Cafés, Biergärten und Lädchen(Winkels) und für Radfahrer ein Paradies.
Und das wirklich leckere Pils von Jan Hertog, en lekker frietjes met satésaus….
Tot de volgende keer, Nederland!
😉


*)  V.V.V. =  Vereniging voor Vreemdelingenverkeer, zu Deutsch „Vereinigung für Fremdenverkehr“.
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10 Kommentare zu Holland in Brot. Und Prins Pils wird 50

  1. rejekblog sagt:

    Die Niederländer sind mir auch sehr sympathisch. Ich steh zwar auf das Spiel „Das Runde muss in das Eckige“ und die Orange werden dann 90 min. lang zum „absolut Bösem“, aber danach ist der Matjes gegessen. Dieses Jahr wollte ich mal nach Gouda, dort muss es wohl einen einzigartigen Käsemarkt geben. Ich frage mich gerade: Ob es noch das Papp-Brot gibt? (EU Verordnungen) Vor 30 Jahren hatte ich eine Freundin, die fuhr nur dafür nach Venlo (und für div. Kräutermischungen).

    • Lo sagt:

      Ich mag mich kaum trauen, zu fragen, ob Deine frühere Freundin auch noch alle Zähne besitzt.
      Inderdaad! So sagte man früher, dass die Niederländer für ihren schlechten Zahnstand bekannt waren, und dass das überwiegend süße Frühstück (Zucker: Hagelslag) und das fluffige Papp-Brot dafür der Grund sei.

    • rejekblog sagt:

      Nun, das Ganze spielte sich so um 1985/86 ab, und damals klärte uns noch niemand auf. Wir wussten nichts über Power-Food oder Nährtabellen. Wir hatten keine Ahnung davon, was man alles machen muss, um Gesund zu sterben. Wir aßen Weißbrot mit Nutella und das reichlich und davon bekam meine Freundin damals den Hals nicht voll. Wir waren jung und die Zähne hielten, wie der jetzige Zustand ihrer Zähne ist weiß ich nicht. Sie lebt seit über 20 Jahren auf Malta und der Kontakt ist im Laufe der Jahre abgebrochen.
      Sie war ein großer Fan von Domburg (sehr zu empfehlen das Hotel Badpavillon, wurde wohl wieder auf Vordermann gebracht) und Amsterdam. Ich dagegen stand mehr auf Knokke, Brüssel sowie Brügge. Tja, Holland trifft Belgien.
      Liebe Grüße

  2. „Oranje boven!“ Diese schönen Erinnerungen teile ich, lieber Lo. Wir haben uns schon mal darüber ausgetauscht. Als es in Deutschland noch sehr spießig zuging, konnte man im weltoffenen Holland bereits das Gegenteil erleben.

  3. Jane Blond sagt:

    Ich habe es schon durch halb Europa geschafft, aber die naheliegenden Niederlande, die kenn ich nur vom „kurz durchfahren“, also Grenzverkehr.
    Das muss mit auf die Löffelliste.

  4. noemix sagt:

    Die Niederländer und ihr König – haben Sie gewusst, dass es am Amsterdamer Bahnhof drei Warteräume gibt: einen Erste Klasse, einen Zweite Klasse, und einen für den König. Falls der König mal zu früh dran ist und auf den Zug warten muss.

Nun Du!