Männerlast.

Männerlast.

Lo Hand

Schwer ist die Last
die er mühsam hinter sich herzieht.
Der Schweiss rinnt ihm über die Stirn
und durchnässt sein Hemd.
Sein Blut pulsiert, lässt seine Adern schwillen.

Schwer ist die Last.
Jeder Schritt fällt ihm schwer.
Und der Blick scheint verschleiert.
Schwindel. Taumeln.
Unwirklich, die Welt.
Als ob der Boden unter ihm schwankt.

Schwer ist die Last.
Immer noch.
Und es ist warm.
Ihn dürstet.
Und sein Weg ist noch lange nicht zuende.
Ein müder prüfender Blick nach hinten
zeigt ihm, dass nichts von seiner Fracht verloren ist.
Es wäre auch zu schade
um das Bier in seinem Vatertags-Bollerwagen.



Lo Lange
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12 Kommentare zu Männerlast.

  1. Lieber Lo!
    Gekonnt führen Sie den Leser durch mit schwerer Last behaftete Zeilen

  2. …haaaalt ich war noch gar nicht fertig, der Computer war schneller als ich. … Und lassen den Leser mit solch unvermuteter Pointe zum Schmunzeln bringen. Herzlichen Dank an den Wortjongleur 🙂
    Grüße von der lastfreien Bloghüttenalm
    Mallybeau Mauswohn

  3. Da denkt man doch erst an den Pütt, an einen Bergmann, der Untertage schwer zu schleppen / zu ziehen hat. Und dann das! Schön!

    • Lo sagt:

      Hihi.
      Die schweren Bollerwagen „auffem Pütt unter Tage“ nannte man Hund.
      🙂

  4. Heinrich sagt:

    Ich habe das Gedicht genau analysiert. Mit Überschrift 21 Zeilen, davon treffen 20 so was von treffend auf mich zu, dass es schon unheimlich ist. Ich habe noch nie ein Gedicht gelesen, bei dem ich mit 95.238095238% des Inhaltes mich so identifizieren konnte. GRANDIOS!

    • Lo sagt:

      Ich vermute, lieber Heinrich, Ihnen fehlt zur Erreichung der 100% nur der Bollererwagen. Ist es so?

    • Heinrich sagt:

      Lieber Lo,
      stimmt genau! Wie Sie das glasklar und treffsicher erkannt haben!
      Ich vermute, Sie können sich sehr gut in alte Männer hineindenken, obwohl Sie selbst noch so jung sind. Aber Einfühlungsvermögen hängt ja nicht vom Alter ab, sondern ist Charaktersache.
      Ich werde mich also sofort nach einem Bollerwagen umschauen, um das Ziel zu erreichen. Ich ertrage es nicht mehr, ständig hinterherzuhängen.
      Wenn ich keinen Bollerwagen finde, kann ich mir vielleicht schon mal einen Rollator hinlegen – für den nächsten Vatertag. Das hat bloß den riesigen Nachteil, dass eine Bierkiste auf einem Rollator am Ende eines Gedichtes keine Überraschung mehr ist, weil man den ja nicht hinter sich herzieht.
      Aber gemeinsam finden wir sicher eine Lösung!!
      Gruß Heinrich

  5. Lo sagt:

    Lieber Heinrich,
    ich gehöre mittlerweile auch zu den etwas älteren Männern, insofern brauche ich nur in mich selbst hineinhorchen.
    Aber Sie haben recht: das Talent zur Empathie hat wirklich nichts mit dem Alter zu tun. Was den fehlenden Bollerwagen anbetrifft, seien sie bitte unbesorgt.
    Schauen Sie nur:
    https://kohlenspott.files.wordpress.com/2016/05/heinrichs-heimkehr.png
    Herzliche Grüße!
    Lo

  6. Heinrich sagt:

    Ist ja wohl genial!
    Lieber Lo, Sie sind ein Künstler!
    Dieses Bild wird in meiner Biografie das Kapitel „Heinrich der Säufer“ (nicht Täufer!) in den Jahren 70 bis Mitte 80 schmücken.
    Wenn nun jemand meint, da wäre ich doch aber noch „jung“ gewesen – ich kann mich erinnern, dass ich dabei sehr oft alt ausgesehen habe! 😉

    Gruß Heinrich

  7. Lo sagt:

    Womit wir wieder beim Bier sind: hier im Rheinland trinkt man (außer in Köln) gern ALT-Bier.

Nun Du!