Wie geht eigentlich Regentanz?

Gezz is aber wirklich mal gut mit Sommerhitze!
Dat Hemd klebt anne Haut
und inne Unterbuxe kocht Dich dat Kaffeewasser,
die Socken sind saftich wie der Rhein-Herne-Kanal,
im Büro bleibsse am Schreibtisch mitte Unterarme am Papier pappen,
dat Dreiwettertaft is auch am versagen, weil et schwület Wetter nich kennt,
und dat Deo? Besser nich von sprechen.

Und gezz?
Gezz wüssteste gern, watte dagegen machen könntest,
Kannze aber nich. Selbz, wenne Abitur hass.
Und warum nich?
Weil se Dir inne Schule nur dat beigebracht haben, womit Du nix anfangen kannz,
wennet mal richtich Ernst wird.
„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“…
Jau! Pustekuchen! Gelogen!

Warum weiss keiner, wie Regentanz geht?
Dat wär mal wat richtich Praktischet für´t Leben!
Regentanz!

Aber Schillers Glocke auf Algebra aufsagen: dat geht.
Jau! Tofte! Nur krisse davon kein Regen!
Und wat lernt uns dat?
Datt dat ganze Bildungssystem wat für die Regentonne is!

Iss doch wahr!
😉

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Teppich, Tee und ein neues Buch.

header teppichhaus

Wen es längst nicht mehr wundert, dass man in einem Kaffeegeschäft Fahrräder, Gartenmöbel, Haarbürsten und Bikinis kaufen kann, den wird es auch nicht erstaunen, dass in einem Teppichhaus oder in einem Teestübchen Bücher angeboten werden.

Anregend frisch – wie frischgemahlener Kaffee – präsentiert Bloggerfreund

Jules van der Ley (Teppichhaus Trithemius & Teestübchen Trithemius)

sein neues Werk

„Buchkultur im Abendrot“,

für das ich hier gerne die Werbetrommel rühre.

Neugierig?

Jules van der Ley: „Buchkultur im Abendrot“






 

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Heute auf der Kö: Sex für die Augen.

Nanu? Wo sind denn all´ die Schönen und Reichen hin? Und wo sind die teuren Luxusschlitten, die sonst hier auf dem Luxusboulevard zum Anbeten abgestellt werden?

Die Düsseldorfer Kö ohne Schickimicki? Kein Schaulaufen mit teurem Geschmeide und der obligatorischen Sonnenbrille im Haar? Kein Blingbling, kein Modefummel, kein frisierter Fiffi an der diamantbesetzten Hundeleine?

Moment mal: der modische Schrei des Tages scheint zumindest ein T-Shirt zu sein, das ich zum wiederholten Male an mir vorbeilaufen sehe: schwarz mit dem Aufdruck: „Lesen ist Sex für die Augen“.

Ist etwa die Armut ausgebrochen?

Nö. Im Schatten der wundervollen Platanen der Königsallee fand an diesem Wochenende wieder einmal „Deutschlands größter Buchhandel unter freiem Himmel“ mit rund hundert Ständen von Buchhandlungen, Antiquariaten und Verlagen statt.
Blingbling muss an diesem Wochenende mal draussen bleiben.

Herrlich: das Wetter – und abertausende von Büchern zum Stöbern und Habenwollen.

Und habe ich nicht vor kurzem berichtet, dass ich mich tapfer von sehr vielen Büchern getrennt habe und diese in den Öffentlichen Bücherschrank abgelegt habe, um zu Hause mehr Platz zu schaffen?

Jau. Habe ich.
Und?
Ich sach mal gezz nix, ausser:

Die Büchermeile war soooooo verführerisch…

Bissi Tage!
Lo


„Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“
Dieter Hildebrandt –

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Blind date?

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Tja, dann werde ich wohl schon mal die Gästebetten beziehen…

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Kinderhack im Brötchen.

Schon damals, als ich noch Kind war, und dat sind gefühlte 120 Jahre her, machte man sich schon über die BILD-Zeitung lustig: datt man dieset Blatt niemals schräg halten darf, weil ja sonst dat ganze Blut herausfließt.

Und datt die gar nich BILD-Zeitung, sondern in Wirklichkeit D-BIL heissen müsste.
Oder: „Wat liegt auffe Treppe und is am Lügen?“
Ja, wat wohl?
Genau!

Und wat haben wir uns damals beömmelt über den Spruch:

Mutter drehte Kinder durch den Fleischwolf.
BILD sprach als erster mit den Frikadellen.

Ich weiß, dat hat allet einen ganz langen Bart, da lacht heute kein Mensch mehr drüber. Dat is eher traurig, datt Menschen für so´n Blatt immer noch Geld ausgeben. Aber datt dat mit den durch´n Fleischwolf durchgedrehten Kindern dann doch mal Wirklichkeit werden täte, dat hätt ich nich gedacht.


Bis ich neulich anner Rheinpromenade in Düsseldorf dieset Angebot sah:

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Wat sollze denn gezz davon halten? – happich mich gefragt. Dat is doch widerlich!
Dat is doch kaum unglaublich! Dat verstößt doch gegen allet, wat verboten is!
Darf et sowat geben?
Frikadellen von Kindern?
Früher hieß et ja noch Hackepeter, heißt dat gezz Hacke-Kevin?
Oder Hacke-Schantall?
Gut, et gab da mal ganz früher mal den berüchtigten Menschenfleisch essenden Serienmörder Fritz Haarmann, aber der hatte ja damals nich so ein Preisschild :

Verdelli! Is denn heute allet erlaubt?
Falls ja: wat is da wirklich drin in so´ner Kinderfrikadelle? Reinet Fleisch?
Oder sind da Reste von Pampers und Schaukelpferd mit druntergemischt?
Heute kannze doch keinem mehr trauen.
Kinderfrikadellen! Tsss…
Müssten sofort verboten werden.
Und die D-BIL-Zeitung gleich dazu.

Bissi Tage!

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Männerlast.

Männerlast.

Lo Hand

Schwer ist die Last
die er mühsam hinter sich herzieht.
Der Schweiss rinnt ihm über die Stirn
und durchnässt sein Hemd.
Sein Blut pulsiert, lässt seine Adern schwillen.

Schwer ist die Last.
Jeder Schritt fällt ihm schwer.
Und der Blick scheint verschleiert.
Schwindel. Taumeln.
Unwirklich, die Welt.
Als ob der Boden unter ihm schwankt.

Schwer ist die Last.
Immer noch.
Und es ist warm.
Ihn dürstet.
Und sein Weg ist noch lange nicht zuende.
Ein müder prüfender Blick nach hinten
zeigt ihm, dass nichts von seiner Fracht verloren ist.
Es wäre auch zu schade
um das Bier in seinem Vatertags-Bollerwagen.


Lo Lange


Dieses ist ein recycelter Beitrag aus dem Vorjahr
und der Aktualität wegen (sehr hoher Feiertag für echte Männer)
noch einmal hervorgeholt worden.
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Guck mal! Anthropomorphismus (Teil 3)

header anthropomorphismus

Nanu? Was will uns diese Gestalt zeigen? Hat sie etwas entdeckt?

Das textile Wesen haust in meinem Kleiderschrank.
Die anderen beiden sind am Stenzelberg im Siebengebirge zu finden.


Und manchmal entpuppt sich der Zauber als etwas ganz Gewöhnliches:

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 Ist es nicht herrlich, wie uns unsere Sinne oftmals einen harmlosen Streich spielen?

Das Wichtigste beim Schauen ist das Sehen.


Guck mal. Teil 1

Guck mal. Teil 2

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„Und dann sprang dat Pferd…“

„Und dann sprang dat Pferd
mit dat linke Bein
über den Hühnerstall sein Dach!“

So klingt es, wenn man unser herzhaftes Ruhrdeutsch übertrieben imitiert.

Wenn aber ein hiesiges Verkehrsunternehmen Werbung für seine Fahrplan-App in die Zeitung setzt, wie sie unten zu sehen ist, bleibt zu vermuten, dass man sich entweder ganz bewusst überzeichnet der lokalen Sprachweise bediente –  oder einfach niemand darüber nachgedacht hat:

Kohlensptt Ruhrdeutsch

Eine weitere Kostprobe „von ährlichet“ Ruhrdeutsch?

„Weisse, watte bisst? Lügen tuusste! Dat bisse!!!“

Komm, geh´ mi doch wech!

Bissi Tage! 😉

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Buxen-Pimpen. Teure Löcher inne Buxe.

Mal ährlich: wat is die Welt doch bekloppt geworden!
Geh ma inne City und kumma inne Schaufenster: da hängen Buxen inne Auslage, die sind sowat von kaputt, da denkste, die sind beim Russlandfeldzuch im Schlamm untern Panzer gekommen.
Und für so´nnen textilen Trümmerhaufen nehmense Preise, datte ´n Kredit für aufnehmen muss.
Weil: et sind ja „Designer-Buxen“.
Dat nennt man dann Used-Look. Oder auch „gepimpt“.
Je kaputter, umso teurer.

Da gibtet Leute (nennt man die „Pimper“?), die werden dafür bezahlt, datt se nagelneue Buxen extra kaputt machen, damit se dann so aussehen, als ob se schon gebraucht sind.
Die Buxen, nich die Leute.

Gut, gezz isset ja so, datt heute keiner mehr so wat richtich Wildet erlebt.
Da muss die Buxe dann eben erzählen, wat ihr Träger doch für´n wilden Feger is.
Weil: so richtich „born to be wild“?
Dat war gestern, als die Maloche noch hart, dat Geld knapp und der Kauf von sonne Hose noch ´ne Entscheidung für´t Leben war.

Früher? Hömma!
Da hätt ich mich doch nich mit nem Loch inne Buxe auffe Straße getraut.
Und wennet noch ne „gute Buxe“ war – oder am schlimmsten noch, wenn et die Sonntachsbuxe gewesen wär, auch nich nach Hause!
Da mussteste drauf aufpassen wie´n Lux, datta nix dran kam.
Da wär zu Hause aber sowatt von Strom inne Tapete gewesen, und die Fott hätte dann aber richtich Kirmes gehabt!
Dat gute Stück!
Die Hose, nich die Fott.

Gezz aber ma im Ernst:
übertrag dat doch ma auf ein Auto, wat ganz nagelneu vom Band kommt.
Und am Ende vom Band stehen so´n paar kräftige Kerle, die kloppen mittem dicken Voschlachhammer und mit Eisenketten so lange auf dat Auto rum, bisset den Used-Look drauf hat.
Für so´ne kaputte Karre würde doch kein Mensch noch extra wat draufzahlen, weil et dann ja ein Designer-Modell wär.
Obwohl: dat wär überhaupt noch ´ne Marktlücke für Gebrauchtwagenhändler.
Datt da noch keiner drauf gekommen is!?

Gut, gezz will ich mich ja auch nich so ganz gegen dat Neue verschließen.
Man muss ja mitte Zeit gehen.
Ich hab mir gedacht, ich probier dat auch mal, und mach mir aus meine alte Texashose (ja, so hießen die Jeans früher mal!) mein eigenet Designer-Modell.
Ich fang mal mit ein paar kleine Löcherkes an.
Man musset beim Pimpen ja nich übertreiben…

Und im Billich-Schopp hab ich auch schon dat passende Werkzeuch gefunden:


So,  und gezz geht et meiner Buxe anne Wäsche!
Wär doch gelacht 😉

Bissi Tage!

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Kirmes im Pott. Damals.

„Hasse schon gehört? Auffem Markt sind se am Kirmes aufbauen!“ 

Da gab es kein Halten mehr: da mussten wir hin! Kirmes. Was den Zauber und die Anziehungkraft von Kirmes auf uns Knirpse aus Gelsenkirchen-Erle ausmachte, traf sicher auch auf alle Kinder der Welt zu.

Kirmes. Das bedeutete: erst einmal gucken, „wat da aufgebaut wird, wat da hinkommt.“
Danach dann die Überlegung: „Wie kommsse gezz an Geld für die Kirmes?“

So dicke hatte es keiner von zu Hause aus. Man lebte entweder „vonne Zeche Graf Bismark“ oder, so wie ich zu Hause, „vonne Fürsorge“.

Leere Bierflaschen suchen,  war eine Möglichkeit. Für eine leere Pulle gab es 20 Pfennige Flaschenpfand. Fünf Pullen also eine Mark – dafür konnte man dann drei Mal mit dem „Selbstfahrer“ (AutoScooter) fahren. Oder mit der rasanten Fellerhoff-Raupe, die aber „mehr wat für die Großen war, die mit ihren „Schicksen“ nur darauf warteten, datt sich zum Ende der Fahrt dat Verdeck schloss…“


Kirmes. Damals. Aus der Sicht der kleinen Knirpse:

Kirmes Raupe Lo

Kumma! Kirmes!

Boah! – Kumma!
Auf´m Erler Markt is Kirmes.
Ham´se bis gestern aufgebaut.
Mit Selbstfahrer-Autos. Hömma! Die kannze selber lenken.
Weisse watt?
Ich tausch Bierpullen um,
dann kann ich n´paarmal damit fahrn.

Kumma!
Dat Schild da:
„Junger Mann zum Mitreisen gesucht.“
Boh, überleech ma:
da kannze jeden Tach umsonz fahren.
Weisse watt?
Die Großen ham´et gut.

Kumma!
Dat Pony-Karussell.
Stinkt nach Sägemehl und Pferdekacke.
Immer inne Runde bei dem lauten Kirmesgedöns.
Weisse watt?
Die Klepper werden doch rammdösig.
Is auch mehr watt für kleine Blagen.

Kumma!
Der Besoffene da!
der schmeißt´n Tacken innen Boxautomat.
Gezz kloppter auf dat Leder.
Wat sacht der Zeiger? FLIEGENGEWICHT.
Weisse watt?
Der hat doch nix inne Mauken!

Kumma!
Die Fellerhoff-Raupe!
Hat die ´n Zacken drauf.
Hömma: dat is Rock´n Roll.
Weisse watt?
Wenn dat Verdeck zugeht,
knutschen die Großen immer mit ihre Weiber.

Kumma!
Ich schleich mal unter die Raupe.
Vielleicht hat einer watt Geld verlorn
von oben durche Holz-Ritze.
Weisse watt?
Wenne auch nix findest,
kannze dafür die Schicksen untern Rock gucken.

Kumma!
Meine große Schwester!
Mitten Lebkuchenherz.
„Für immer Dein“
Weisse watt?
Dat hat die vonnem Itacker.
Den kennt´se vonne Eisdiele.

Kumma!
Die Schießbude!
Dat soll ja allet Beschiß sein.
Die haben die Knarren extra krumm gemacht,
damitte nich triffss!
Weisse watt?
Probiern würd ich dat trotzdem mal.

Kumma!
Die Selbstfahrerautos von Biermann!
Wat sacht die da anne Kasse?
„Einsteigen und Platz nehmen
zu einer neuen lustigen Autofahrt?“

Weisse watt?
Datt könnt ich den ganzen Tach.

Hömma!
Wenn ich gezz ne Mark hätte…

Lothar Lange



Die „Fellerhoff-Raupe“, die „Selbstfahrerautos“ von Biermann, und das leckerste Kirmes-Eis der Welt von „Schmalhaus“ sind seit vielen Jahrzehnten traditionell auf den Rummelplätzen des Ruhrgebietes vertreten.  Ein „Tacken“ war im Ruhrgebiet die Bezeichnung für einen Groschen, 10 Pfennige. Als eine „Schickse“ wurde etwas abfällig die augenblickliche Freundin, auch „Perle“ benannt. Der „Itacker“ war ein italienischer „Gastarbeiter“.

 

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